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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 03:27 Uhr

Sommerpausen-Plauderei : „Wir sind keine Wirtschaftspartei“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Christian Czock, der Husumer Fraktionsvorsitzende der CDU, spricht über geschossene Böcke, leere Kassen und sonderbare Zeitschienen.

In einer kleinen Interview-Serie unterhalten sich die Husumer Nachrichten mit den Fraktionschefs der städtischen Parteien. Heute spricht Christian Czock (CDU) über die politischen Themen, die ihn derzeit bewegen.

Sie sind seit 2003 in der Kommunalpolitik aktiv. Gibt es etwas, bei dem Sie sagen: Das war ein Fehler, das würde ich das nächste Mal anders machen?

(lacht) Na ja, gut, da muss ich nicht lange suchen. Den Bock, den ich geschossen habe, war die letzte Bürgermeisterwahl. Das muss ich auf meine Kappe nehmen, der Fraktionschef steht immer im Wind. Die Krux war: Ich hatte relativ früh einen Kandidaten, der ist mir wieder abgesprungen. Der wäre eine ganz sichere Bank gewesen. Und dann kam die Wirtschaft mit ihrer Aktion „Husum sucht einen Bürgermeister“, mit diesem Schaulaufen. Und wir haben uns einen Kandidaten ausgesucht. Dann war der auch mängelbehaftet, sage ich mal vorsichtig. Das war alles nicht so glorreich. Im Nachhinein hätten wir wohl den Martin Harnisch unterstützen sollen. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.

Die Husumer CDU ist ja in enger Abstimmung mit der lokalen Wirtschaft. Was meinen Sie: Kann so ein Verhältnis auch zu eng werden?

Natürlich gibt es in der Wirtschaft Interessen, und die nehmen wir auch sehr ernst. Wir sind aber eine Volkspartei – keine Wirtschaftspartei. Im Normalfall ist es so, dass sich die Interessen der Wirtschaft mit dem decken, was wir auch wollen. Aber die Interessen der Wirtschaft kommen über den Wirtschaftskreis auch in anderen Fraktionen an. Nicht nur bei uns.

Was sind für Sie die dringlichsten Projekte der Politik nach der Sommerpause?

Die Haushaltskonsolidierung, weil wir im städtischen Haushalt ein großes Minus haben. Sonst wird der Haushalt nicht genehmigt, dann haben wir ein riesiges Problem. Da müssen wir Mehrheiten mit den anderen Fraktionen finden, was wir an Sparvorstellungen umsetzen können.

Wo kann denn aus Ihrer Sicht überhaupt gekürzt werden?

Es ist schwierig. Die Verwaltung wird pauschal einen Sockelbetrag kürzen. Wo sie den kürzen, weiß ich auch nicht. Und wir werden uns mit den anderen Fraktionen auf Punkte einigen, an denen wir kürzen können. Das werden wir dann gemeinsam tragen.

Wie optimistisch sind Sie, dass die Haushaltskonsolidierung gelingt?

Ich bin teiloptimistisch, weil wir das Defizit in Gänze nicht wegkriegen werden. Es stehen ja gleichzeitig auch Projekte wie der Öffentliche Personennahverkehr auf der Agenda, der neu ausgeschrieben werden soll. Das wollen wir auch, der Nahverkehr in Husum muss verbessert werden. Aber dann wird er uns schlicht mehr Geld kosten als bisher.

Welche Themen stehen für Sie noch auf der Agenda?

Wir müssen uns Gedanken über Neubaugebiete machen. Wir haben Hockensbüll als städtisches Neubaugebiet, bei dem die Nachfrage nach Baugrundstücken höher ist als das Angebot. Wir müssen also gucken, wo die bleiben, die dort nicht zum Zuge kommen werden. Ich würde ungern wollen, dass diese Menschen in die Umlandgemeinden abwandern, weil es dort Bauland gibt und bei uns nicht.

Wie könnte man dieses Problem lösen?

Gute Frage. Wir haben den Norderschlag, vielleicht haben wir auch den Süderschlag, das müsste man mal ausloten. Oder wir müssten gucken, ob es im Bereich Kronenburg noch mehr Möglichkeiten gibt. Da müsste man einfach mal ins Gespräch kommen. Hinzu kommt: Wir schmücken uns mit dem Titel Garnisonsstadt, dann müssen wir auch gucken, dass es für die Mitarbeiter der Bundeswehr genügend Wohnraum gibt.

Dann steht im Herbst natürlich auch der Dockkoog wieder auf der Tagesordnung. Wir haben mit der SPD ja schon klar gesagt, dass wir uns gut vorstellen können, dass der Dockkoog bebaut wird, denn alles andere macht da draußen keinen Sinn. Aus unserer Sicht kann es nicht sein, dass das Land überall Landgewinnung betreibt und hier in Husum kappen wir den Deich und lassen die Nordsee bis vor die Haustür. Das ist in meinen Augen schwer nachzuvollziehen. Also würde ich da ein schönes Hotel hin setzen, was sicherlich gut angenommen wird und den Dockkoog vorne im Rahmen der Möglichkeiten optimieren.

Es sind ja eher große Themen, über die Sie bisher gesprochen haben. Manchmal hat man das Gefühl, dass in der Kommunalpolitik über die kleinen Themen am längsten und am emotionalsten diskutiert wird.

Das liegt auch an den Beschlussvorlagen, die die Verwaltung in die Fachausschüsse rein reicht. Denn wir arbeiten ja das ab, was uns die Verwaltung uns gibt.

Na ja, aber die Politik entscheidet doch, wie lange sie sich an etwas abarbeitet.

Manchmal ist es ja so, dass man sich bei Kleinigkeiten wunderbar ereifern kann. Da habe ich auch kein Problem mit. Beim Shopping-Center dagegen lief es alles relativ zügig. Diese Zeitschiene gibt ja nicht die Politik vor, die kommt aus der Verwaltung. Und durch gewisse andere Umstände. Wir sind diejenigen, die ein Thema am Ende diskutieren und beschließen. Aber wir bauen die Zeitschienen nicht auf. Und warum es bei großen Projekten immer eine kleine, und bei kleinen Projekten immer eine große Zeitschiene ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Das ist die wunderbare Welt der Kommunalpolitik.

Nervt Sie das?

Die größeren Themen sind natürlich schöner, weil man mit ihnen mehr bewegen kann.

Haben Sie schon mal überlegt, Ihr Ehrenamt hinzuwerfen?

Noch nicht. Mir ist die Lust an der Politik bisher immer geblieben.

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