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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 09:05 Uhr

„Wir sind hier nicht auf Mallorca“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Umfrage unter Touristikern und Urlaubern: Trotz des schlechten Wetters brechen nur selten Besucher ihren Aufenthalt in Nordfriesland ab

Verregnete Strandspaziergänge, nasse Grillkohle und dicke Jacken statt Bikini. Das schlechte Sommerwetter in Nordfriesland vermiest so manchem die Laune. Unsere Zeitung hat sich einmal umgehört, ob die Wetterkapriolen den Touristikern die Bilanz und den Nordsee-Urlaubern wirklich die Stimmung verhageln.

Dem Schietwetter zum Trotz – auf Amrum ist man mit den Tourismuszahlen zufrieden. „Die derzeitigen Nachfragen übersteigen das Angebot an insularen Unterkünften“, teilt Frank Timpe von der Amrum Touristik mit. Doch das sei nicht ungewöhnlich: „In dieser Zeit bis Mitte August ist das regelmäßig der Fall“, sagt er. Auf die Frage, ob Regen und Wind zu vorzeitigen Urlaubsabbrüchen führen, antwortet er: „So schlecht ist das Wetter zurzeit nicht auf Amrum, dass der Urlaub deshalb in Frage gestellt wird.“ Ohnehin sei der klassische Nordseeurlauber auf alle Wetterlagen gefasst. „Nur bei extremeren Wetterverhältnissen könnte auf den Campingplätzen kurzentschlossene Urlaubsabbrüche geben. Die sind aber zur Zeit nicht zu verzeichnen. Es hat auch noch niemand aus Wettergründen seinen Aufenthalt auf Amrum storniert“, betont Timpe. Beschwerden registriert er kaum, wohl aber erreichen ihn aktuell vermehrt Hinweise zum gestiegenen Verkehrsaufkommen auf Amrum: „Bei durchwachsenen Wetterprognosen für den Tag wird doch etwas weniger auf das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel zurückgegriffen und das eigene Fahrzeug bewegt, obgleich unser ÖPNV-Angebot sehr gut getaktet ist.“

Auch Husums Tourismus-Chefin Jutta Albert sind keine Urlaubs-Abbrecher bekannt, die aufgrund der instabilen Wetterlage die Geduld verlieren. „Viele Gäste kennen die Nordsee und wissen, dass das Wetter sich schnell ändern kann.“ Wetterbedingte Klagen gebe es kaum, wohl aber interessierte Nachfragen: „Viele Gäste vertrauen digitalen Wetternachrichten, nutzen Wetter-Apps. Und wundern sich dann, dass das Wetter vor Ort nicht ganz genauso so ist, wie es vorhergesagt wurde“, so Alberts Erfahrung. Diesbezüglich rät Karin Brodersen von der Tourist-Info Viöl, sich bei der Wetter-Recherche für den Nordfriesland-Urlaub eher an der Region südliches Dänemark zu orientieren: „Diese Vorhersage trifft für uns hier meist sehr viel besser zu, als die für Schleswig-Holstein allgemein“, sagt sie.

Dass die Internet-Recherche grundsätzlich eine sinnvolle Idee für die Urlaubsvorbereitung ist, weiß auch der Thüringer Matthias Scharf: „Uns war vorher klar, dass das hier nicht Mallorca ist. Deshalb hatten wir uns schon eine ganze Reihe von Indoor-Alternativen herausgesucht“, sagt der Urlauber. Alle haben ihren Spaß daran, betont er. „Bei drei Kindern werden die Ferien damit allerdings teurer als geplant“, räumt seine Frau ein. Tauschen möchte sie dennoch nicht: „Dieses Klima ist ideal für uns. Bei Hitze sind wir alle zu nichts zu gebrauchen.“ Das gilt auch für Familie Rahnenführer aus dem Hamburger Umland, die von der Ostsee an die Nordsee geradelt ist und jetzt an der Küste entlang zurück zur Elbe will. „Wir radeln auch bei Wolkenschein und sind auf alles vorbereitet“, sagt Karin Rahnenführer, die immer ein dünnes, faltbares Regencape in der Fahrradtasche parat hat.

Zu den Motiven der Nordfriesland-Urlauber hat der Pellwormer Kurdirekter Björn Hoppe festgestellt, dass dort zunehmend Touristen ein Quartier suchen, denen eine Reise ins Ausland derzeit zu unsicher ist. Er weiß das zu schätzen: „Der deutsche Norden ist damit zu einem noch attraktiveren Urlaubsziel geworden“, so Hoppe. Dass vor allem Neu-Urlauber vorzeitig abreisen, weil ihnen das Wetter nicht passt, verneint auch er: „Solche Fälle sind uns noch nicht bekannt. Aber die Stimmung ist schon manchmal gereizt deswegen“, räumt er ein.

Ganz anders sieht es Constanze Höfinghoff für St. Peter-Ording und Eiderstedt: Zwar kennt sie die Buchungsgründe der Urlauber nicht, stellt aber fest, dass diese nach einigen schönen Sonnentagen am Strand Spaß daran haben, die Nordsee und ihre gewaltige Dynamik mal von einer ganz anderen Seite zu erleben. „Die Stimmung ist nach wie vor gut“, sagt sie und berichtet von ausgebuchten Wattführungen, großem Interesse an den Angeboten der Region und dass ganz Eiderstedt davon profitiert, wenn die Urlauber nicht nur am Strand liegen, sondern sich auf der gesamten Halbinsel umschauen. „Ich glaube, dass die Anzahl derjenigen, die wegen des Wetters abreisen oder gar nicht erst herkommen, verschwindend gering ist“, so Höfinghoff.

Keinerlei Klagen kommen von den Vermietern privater Ferienwohnungen: Sie sind seit Wochen ausgebucht und registrieren derzeit täglich neue Anfragen von Spontan-Urlaubern, die auf die Schnelle noch ein Quartier suchen – wenigstens für ein paar Tage. Da diese Nachfragen meist telefonisch hereinkommen, erfährt man hier auch mehr über die Gründe für den Buchungswunsch. Und tatsächlich gestehen nicht wenige Gäste die Terror-Gefahr ein, die sie in diesem Jahr vom Fliegen und Reisen in die Sonne abgehalten hat. Daher haben die Tourist-Infos allerorten alle Hände voll zu tun, die Gäste noch irgendwo adäquat unterzubringen.

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