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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 18:32 Uhr

Sommerpausen-Plauderei : „Wir müssen keine Show bieten“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husums SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Bauer spricht im Interview über die Bürgermeisterwahl, Frust und worum sich die Politik kümmern sollte.

Sommerpausen-Plauderei: In einer kleinen Interview-Serie unterhalten sich die Husumer Nachrichten mit den Fraktionschefs der städtischen Parteien: Horst Bauer (SPD) über Wahlkampf, Grenzen-Setzen und ob er manchmal alles hinschmeißen möchte.

Ist Ihre Fraktion genervt, weil die CDU Ihnen mit dem Bekenntnis zu Uwe Schmitz als Bürgermeister zuvor gekommen ist?

Nein, gar nicht. Dass sich die CDU so schnell entschlossen hat, Uwe Schmitz zu unterstützen, das werte ich als Erfolg für ihn. Das bestärkt uns im Gefühl, vor sechs Jahren die richtige Wahl getroffen zu haben.

Meinen Sie nicht, es wird ein etwas langweiliger Wahlkampf, wenn sich jetzt alle Fraktionen auf Uwe Schmitz einigen?

Dadurch, dass es weniger polarisierend wird, wird der Wahlkampf vielleicht etwas weniger spektakulär. Aber wir sind auch nicht dafür da, dem Bürger eine Show zu bieten. Dann würde ich Wrestling promoten, wenn es mir darum ginge. Uwe Schmitz hat die Verwaltungsarbeit einfach drauf, und er schafft es, auf Menschen zuzugehen und Menschen zu verbinden. Diese Fähigkeiten waren bei seinem Vorgänger ja nicht so ausgeprägt.

Ich habe hier dieser Tage einen Fraktionsvorsitzenden nach dem anderen sitzen, der das Loblied auf Uwe Schmitz singt. Es muss doch auch irgendetwas geben, was der Mann noch besser machen könnte, oder?

(Diese Frage beantwortet Horst Bauer eher unkonkret: „Steigerungen sind natürlich immer möglich.“ Er spricht in den folgenden Minuten die Herausforderungen im Rathaus an, denen sich der Bürgermeister jeden Tag stellen muss, und kommt auf weitere Vorzüge von Schmitz zurück.)

Jetzt singen Sie das Loblied einfach weiter.

Natürlich kann das eine oder andere schneller gehen. Aber man muss bedenken, dass der Bürgermeister von Husum für alles verantwortlich ist. Er musste sich eine ganze Zeit lang auch noch um das Bauamt kümmern, das ist schon kräftezehrend. Gerade im Zusammenhang mit dem Husum Shopping-Center.

   In solchen Situationen muss man auch Mitarbeiter anleiten – und manchmal auch schützen. Gerade wenn es darum geht, dass die Erwartungen von außen nicht erfüllbar sind. Auch Investoren muss man manchmal sagen: So geht es nicht.

Sie meinen Peter Cohrs. Hat Herr Schmitz Herrn Cohrs aus Ihrer Sicht oft genug gesagt: So geht es nicht?

Das glaube ich schon. Ich denke, dass sich die beiden durchaus mit gegenseitigem Respekt begegnen, aber dass Herr Schmitz Herrn Cohrs auch Grenzen aufzeigen kann. Dass Peter Cohrs trotzdem jede Gelegenheit nutzt, seine Meinung unter die Leute zu bringen .  .  .    Wir haben uns daran gewöhnt, ihn als Sprachrohr und Kopf der Husumer Wirtschaft wahrzunehmen. Die Husumer Wirtschaft ist aber, wenn man genau genug hinguckt, etwas mehr als nur Herr Cohrs. Und auch er muss akzeptieren, dass sich manche Dinge länger hinziehen und dass sich einiges auch anders entwickelt, als er es gerne hätte.

Sie sind seit 1989 in der Lokalpolitik aktiv. Wie oft gab es Momente, in denen Sie aus Frust gedacht haben: Ich schmeiße das alles hin?

Die Momente gab es, klar. Es gibt immer wieder Ereignisse zwischenmenschlicher Natur, die einen überlegen lassen: Will ich das noch weiter machen. Wenn Personalentscheidungen in Fraktionen getroffen werden, die man bedauert, bei denen man denkt, da stehe ich nicht dahinter.

   In den Gremien der Stadt aber pflege ich zu den meisten eine sehr gute Beziehung. In Husum ist die Bereitschaft hoch, sich auch über Fraktionsgrenzen hinweg mit Themen zu befassen. Das führt auch dazu, dass die große Show hier nicht immer geliefert wird. Aber Sie können sicher sein: Wir sind dazu im Prinzip in der Lage!

Warum machen Sie dieses Ehrenamt?

Ich war schon als Schüler politisch sehr aktiv und habe dann nach dem Studium lange damit gehadert, was ich machen soll. Parteien waren schon damals nicht wirklich sexy. Ich bin dann doch mit 26 in die SPD eingetreten, als Björn Engholm nach Schleswig-Holstein kam und der SPD ein moderneres Gesicht gegeben hat, auch eine neue Identität erzeugte.

Was motiviert sie?

Mich motiviert Erfolg, wenn wir etwas hinbekommen.

Was hat die SPD Husum als letztes hinbekommen?

Sicherlich die Entscheidung zum Husum Shopping-Center. Weil das ein ganz wesentlicher Impuls ist zur Entwicklung der Husumer Innenstadt.

Und diese Entscheidung schreiben Sie der SPD zu?

Diese Entscheidung schreibe ich auch der SPD zu, weil wir von Anfang an die Chancen gesehen haben, die dieses Projekt birgt. Ein weiteres Beispiel: Dass es uns gelungen ist, die Husumer Schulen mit zusätzlichen Mitteln für Schulsozialarbeit auszustatten und die Schulen zu sanieren. Dass wir es geschafft haben, eine sinnvolle Haushaltskonsolidierung gemeinsam mit der CDU-Fraktion zu betreiben.

Zum Abschluss: Was sind die wichtigsten Projekte, die für Sie nach der Sommerpause anstehen?

Wir müssen das Thema Kindertagesstätten weiter begleiten. Dann wird es um das Thema Verkehr gehen. Der Hafen, die B  5.  .  . Dann müssen wir im Bereich des Wohnens aktiv bleiben. Das Baugebiet Hockensbüll ist dabei so ein Lehrstück, was alles schief gehen kann. Das werden wir auch noch aufarbeiten, da waren die Erklärungen aus der Verwaltung bisher zu knapp. Da sind Dinge nicht gut gelaufen, das muss man einfach sagen. Die sogenannten Strafzinsen, die die Stadt zahlen musste, sind dabei ja nur die Spitze des Eisbergs.

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