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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 05:02 Uhr

St. Peter-Ording : „Wir brauchen Lebensqualität“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein sanfteres Wachstum in St. Peter-Ording und mehr Zusammenarbeit mit Eiderstedt – das wünscht sich Ortshistoriker Claus Heitmann für die Zukunft des Badeortes.

Meist führen die Themen der Sommerkirche die Zuhörer in die Welt hinaus. Diesmal blieben sie auf der Halbinsel, es wurden St. Peter-Ording und Eiderstedt, auch kritisch, näher betrachtet. Der ausgewiesene Kenner der Region und Ortshistoriker, Claus Heitmann, nahm die Gäste mit auf eine Zeitreise unter dem Titel „St. Peter-Ording – Vom Armenhaus zur Goldgräberstadt“. Mit dem Thema und dem Referenten hatten die Organisatoren, Pastor Ralf-Thomas Knippenberg, Pastorin Inke Thomsen-Krüger und Henning Röhl, die richtige Wahl getroffen. Die Kirche in Welt war voll besetzt, es mussten Klappstühle geholt werden, um alle unterzubringen.

„Dieser Titel ist eine Bewertung. Aber wahr ist: St. Peter hat sich zum wirtschaftlichen Zentrum von Eiderstedt entwickelt“, eröffnete Heitmann seinen Vortrag. Er schlug einen Bogen von der frühen Besiedlung in Wittendün um 200 nach Christus zu der Entwicklung der Dörfer St. Peter, Süderhöft, Böhl, Wittendün, Olsthorp, Brösum und Ording Ende des 18. Jahrhunderts zum Armenhaus der Halbinsel. Die Dünen bedeckten damals vermehrt fruchtbares Land, die Menschen verloren ihre Lebensgrundlage. Mühsam versuchten sie dem Wattenmeer Nahrung abzutrotzen.

Der Aufschwung zum touristischen Zentrum der Halbinseln begann dann ganz langsam Ende des 19. Jahrhunderts. Die Menschen entdeckten die wohltuende Wirkung von Meer und Nordseeluft für ihre Gesundheit. Kliniken, Kur- und Kinderheime entstanden. Die jüngste Entwicklung zum modernen Tourismus-Standort begleitet Claus Heitmann kritisch, er macht sich Sorgen um Ortsbild und -charakter. „Von 1975 an geht das Dörfliche verloren, seit wenigen Jahren immer rasanter. Bauboom und Kostensteigerungen – ein Haus wird abgerissen, mindestens zwei größere entstehen an gleicher Stelle. Es ist nicht mehr der Anbaustil der 1950er, es sind Abrissbagger, Betonmischer und Ytongsteine am Werk.“ Heitmann hat ein Ideal: Die Landschaft Eiderstedt bis Tönning und Friedrichstadt als Tourismuslandschaft darstellen und ‚verkaufen‘. Kulturschaffende hätten Eiderstedt seit längerem entdeckt. Menschen verlegten ihren Wohnsitz für die Zeit nach der Berufstätigkeit hierher. Die Region ist attraktiv, vermittelt Sicherheit und hat ein gutes kulturelles Angebot. Auch für Familien ist es interessant geworden, hier zu wohnen und zu leben und woanders zu arbeiten. Von der Krippe bis zur Schule ist alles vorhanden. St. Peter-Ording habe in den Tourismus investiert, sich besser aufgestellt und Arbeitsplätze geschaffen. 1600 Arbeitnehmer pendeln ein. Für die Gesundheit zu werben, das sei ihm ein ganz wichtiges Anliegen. Ein Dorn im Auge sind ihm dagegen die steigenden Immobilienpreise, die Flucht in Betongold. Ob die Einwohner diese Entwicklung des Ortes so wollten, war seine Frage. Sein Fazit: „St. Peter-Ording ist keine ‚Goldgräberstadt‘. Der Ort sei attraktiv und Motor für Eiderstedt, aber er stehe in der Gefahr, durch Bauspekulation zerstört zu werden. Notwendig sei eine auch liebenswerte Infrastruktur, die unter anderem für Arbeitnehmer Wohnraum schafft und Einwohnern, Zweitwohnungsbesitzern und Gästen Lebens- und Erholungsqualität mit Natur und Kultur bietet.

In der kurzen Diskussion wurden unter anderem hohe Mieten, die Reha-Kliniken mit 700 Arbeitsplätzen als bedeutender Wirtschaftsfaktor und die Forderung nach mehr Gemeinsamkeit auf Eiderstedt. Bei Letzterem tue sich die Landschaft allein historisch schwer. Die erste Frage war jedoch: Gibt es in St. Peter-Ording einen Plan für die Ortsentwicklung und -gestaltung? Den habe es mal gegeben, er liege wohl noch in der Schublade, so Heitmanns Antwort.

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