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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 05:04 Uhr

Jubiläum : Wind-Pioniere in Feierlaune

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Wiege der Windenergie in Deutschland liegt an der Westküste. Jetzt gab es dort zwei Jubiläen zu feiern.

Wie es sich für ein Kind gehört: Bis Schleswig-Holsteins damaliger Ministerpräsident im Kaiser-Wilhelm-Koog den ersten deutschen Windpark in Betrieb nehmen konnte, gingen neun Monate ins flache Land. Am 24. August 1987 brachte Dr. Uwe Barschel 30 Anlagen in Dithmarschen symbolisch zum Laufen – mit einer Nennleistung von 25 bis 55 Kilowatt pro Stück und insgesamt einem Megawatt. Damit ließen sich 626.000 Kilowattstunden (kwh) Strom erzeugen – seinerzeit 33 Prozent der regenerativen Einspeisung bei der Schleswag AG.

Gegründet wurde die Windenergiepark Westküste GmbH (WEW) im November 1986 von den Vorgängerunternehmen der Hanse-Werk AG und der Vattenfall Europe Windkraft GmbH sowie der Entwicklungsgesellschaft Brunsbüttel. Grund genug für Thomas Bultjer, dem Geschäftsstellenleiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dithmarschen, zum 30-jährigen Bestehen an Dieter Haack, Prokurist der WEW und Leiter Verteilnetze West bei der Schleswig-Holstein Netz AG, die entsprechende Ehrenurkunde der IHK Flensburg zu übergeben. „Mit der Inbetriebnahme des Windenergieparks Westküste haben wir vor 30 Jahren ein gutes Stück Pionierarbeit für die Entwicklung der Windenergie geleistet und so den Grundstein für die heutige Energiewende gelegt“, sagte Haack. „Während vor 30 Jahren nur eine überschaubare Anzahl von Anlagen Strom in das Netz der Schleswig-Holstein Netz AG einspeisten, sind es inzwischen fast 34.000 mit zusammen über 7600 Megawatt Leistung.“ Darunter sind laut Haack mehr als 2950 Windenergie-Anlagen mit zusammen 5700 Megawatt Leistung.

1986 konnten die Initiatoren des Parks auf die Infrastruktur von Growian (Große Windanlage) im Kaiser-Wilhelm-Koog zurückgreifen. Grundlegende Kenntnisse für den Anschluss von Windenergie-Anlagen an ein regionales Stromnetz, Materialverhalten und Park-Designs wurden hier erforscht. Im Jahr 2000 wurde die Windenergiepark Westküste GmbH – als technologische Keimzelle – ein dezentrales Projekt der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover.

Auch im nördlichen Nordfriesland gibt es dieser Tage etwas zu feiern. Erk und Britt Rickmers freuten sich am gestrigen Dienstag über ein Jahrzehnt selbstproduzierten Strom. Am 22. November 2006 wurde auf ihrem Grundstück in Risum-Lindholm die erste Easy-Wind-Kleinwindkraftanlage Schleswig-Holsteins errichtet. Zwischen 12.000 und 14.000 kWh jährlich hat ihre Anlage seitdem produziert. Dabei gab es nur einen einzigen Ausfall – nach einem Blitzschlag 2011.

Die Kleinwind-Anlage der Familie Rickmers sollte nicht die einzige ihrer Art in der Region bleiben. Mittlerweile sind etwa 150 Easy-Wind-Anlagen in Deutschland installiert – und dazu noch 80 im benachbarten Dänemark. Auch der Export in weitere europäische Länder wird verstärkt vorangetrieben.

Die Firma hat ihren Sitz auf dem Green-Tec-Campus in Enge-Sande und beschäftigt zwölf Mitarbeiter. Ein Großteil der Belegschaft ist in der Produktion tätig, denn auf der technischen Weiterentwicklung der Anlage liegt stets das Hauptaugenmerk des Unternehmens. Die Easy-Wind-Anlage wird als abgespannte Version auf Betonfundament oder einem Monotower montiert. Als besonders erfolgreich erwies sich die Markteinführung der Schwachwind-Rotorblätter. Diese können den Ertrag der Anlage bis zu 40 Prozent erhöhen. Die Rotorblätter sind in erster Linie entwickelt worden, um auch in windschwachen Gebieten den wirtschaftlichen Betrieb der Kleinwind-Anlage gewährleisten zu können. Prinzipiell können die Mini-Mühlen aber an fast allen Standorten eingesetzt werden. Zuletzt wurde bei diesem Typ eine neue Bremse eingeführt, um eine noch höhere Sicherheit bei Stürmen zu gewährleisten und zusätzliche Wartungskosten zu sparen.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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