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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 04:58 Uhr

Schienenersatzverkehr wegen Bauarbeiten : Wie Sardinen auf dem Weg zur Schule

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bahnstrecke zwischen Husum und St. Peter-Ording ist derzeit wegen Bauarbeiten gesperrt. Schüler und Eltern kritisieren chaotische Zustände beim Schienenersatzverkehr.

Für Tönninger, die in Husum zur Schule gehen, ist der Weg seit Wochen steinig. Grund ist die Sperrung der Bahnstrecke zwischen Husum und St. Peter-Ording durch die Deutsche Bahn. Nichts geht mehr auf der Linie RB 64. Stattdessen gibt es seit Anfang September einen Schienenersatzverkehr mit Bussen.

Auf rund zehn Kilometern werden Bahngleise erneuert. Der Bahnhof in Tönning bekommt neue Weichen und Gleise. Anfang Oktober werden dann auch zwei Weichen in Husum ausgewechselt und Bahnübergänge im Bereich Tönning saniert. Auch die Hilfsbrücke über den Oldensworter Sielzug wird abgebaut und die neue in ihre Endposition gebracht.

„Für den Gleiswechsel sind mehrere Maschinen nötig“, sagt Angelika Theidig von der Pressestelle der Deutschen Bahn im Regionalbüro Hamburg. Mit einer Bettungs-Reinigungsmaschine werde zunächst das Schotterbett bearbeitet. Eine Stopfmaschine festige danach das Gleisbett. „Das sorgt für einen ruhigen Zuglauf“, sagt Theidig. Schienen und Schwellen werden mit Hilfe eines Schwellenwechslers ausgetauscht. „Für die Bauarbeiten ist die Firma Spitzke für uns im Einsatz“, sagt Theidig. Das Unternehmen sei bundesweit tätig. In Schleswig-Holstein habe der Spezialist für Bahnbauprojekte in Kaltenkirchen eine Niederlassung. „In die Sanierung der Strecke investiert die Bahn rund vier Millionen Euro.“

Soweit alles im Plan. Doch es gibt ein anderes Problem: War in den Zügen genug Platz für alle pendelnden Schüler, reichen in den Ersatzbussen die Sitzplätze nicht aus. Viele müssen stehen – teilweise sogar auf den Treppen im Eingangsbereich. Gleich mehrere Eltern meldeten sich in den vergangenen Tagen in unserer Redaktion und berichteten über die teils chaotischen Zustände. Dabei werden laut Bahn „vereinzelt“ morgens und mittags mehr Busse im Schülerverkehr eingesetzt.

„Wir haben schon mitbekommen, dass es in den Bussen sehr voll sein soll“, sagt Sibylle Karschin, stellvertretende Schulleiterin der Theodor-Storm-Schule. Beschwerden habe es jedoch noch keine gegeben. Auch an der Herrmann-Tast-Schule (HTS) weiß man von der Vollsperrung. Schulleiterin Renate Christiansen wurde von der Bahn noch vor Ende der Sommerferien gewarnt, dass es zu Verspätungen kommen kann. „Wir konnten reagieren und eine Meldung auf unsere Internetseite stellen. So konnten sich Schüler und Eltern darauf einstellen“. Von großen Schwierigkeiten sei ihr bislang nichts bekannt. Erfahrungsgemäß kämen solche Probleme aber auf Elternabenden zur Sprache. Nächste Woche gebe es an ihrer Schule die nächsten.

Schüler, die am Bahnhof in Husum auf den Bus warten, sind allerdings genervt. „Vor allem nachmittags ist es schlimm“, sagt die 18-jährige Katharina. Sie geht auf die HTS und pendelt täglich nach Husum. Morgens würden drei Busse fahren, nachmittags nur jeweils einer. Mit dem Bus dauere es außerdem viel länger und nach der sechsten oder achten Stunde müsse man Glück haben, einen Platz zu bekommen. „Bis dann ein zweiter Bus kommt, dauert das manchmal recht lange“, ergänzt der 17-jährige Niklas. Die Busse seien alt und hätten wenig Beinfreiheit. „Wenn man etwas größer ist, sitzt man nicht mehr bequem“, sagt der Schüler der HTS. Wencke ist 18 und geht zur Berufsschule des Kreises. Sie fährt mit dem Bus nach Nordstrand. Täglich beobachtet sie, dass die Reisebusse im Ersatzverkehr Richtung Tönning nicht genügend Platz für alle haben. „Die Busse um halb zwei und halb vier sind am vollsten.“ Sie kann den Ärger der Schüler aus Eiderstedt verstehen. Auch in ihrem Bus müsse sie ab und an stehen, sagt die 18-Jährige. Am 10. Oktober sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Dann können auch die Schüler wieder durchatmen.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 07:00 Uhr

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