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Zank ums Vorland : Westerhever kämpft für den Schafberg

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In einer Stellungnahme kritisiert die Gemeinde ausführlich die geplante Maßnahme und fürchtet Schäden an den Wegen zum Leuchtturm.

Der sogenannte Schafberg erhitzt seit einem Jahr die Gemüter in Westerhever. Allen voran die Gemeindevertreter zeigten sich äußerst verärgert über die Vorgehensweise des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN; wir berichteten). Auch das Amt zeigte sich solidarisch. Nun geht der Streit in die nächste Runde. Jetzt verabschiedete die Gemeindevertretung fristgerecht eine Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren „Deichverstärkung Geestanschluss Hattstedter Marsch“.

Bürgermeister Olaf Dircks betonte, dass die Gemeinde die Notwendigkeit der Küstenschutzmaßnahmen unterstütze. „Wir haben keine Bedenken gegen die Deichverstärkung.“ Die Gemeinde sei jedoch in der Folge durch die naturschutzrechtlichen Maßnahmen stark betroffen. Als Ausgleichsfläche für die beabsichtigte Deichverstärkung will das LKN den Schafberg im Vorland abtragen. Im Zuge dieser Maßnahmen ist eine Prielverfüllung vorgesehen. „Wir befürchten daher die Vernässung von Salzwiesen westlich und südlich des zum Leuchtturm Westerhever führenden Wegs“, betonte Dircks. Aber auch die Vernässung von Salzwiesen östlich des Schafberges hätte die Maßnahme zur Folge. In der Stellungnahme heißt es weiter: „Dadurch wird der aus Kleiboden bestehende Unterbau des Stockenstiegs aufgeweicht, und es ist zu befürchten, dass er dadurch instabil wird.“ Aufgrund eines Nutzungsvertrages, mit dem der Stockenstieg der Gemeinde Westerhever überlassen wurde, ist der Kommune auch die Verkehrssicherungspflicht übertragen worden. „Daher sind wir für die Sanierung, Nutzung und Instandhaltung verantwortlich.“

Aber auch der Weg zum Leuchtturm werde durch die Maßnahmen in Mitleidenschaft gezogen. So sollen an diesem Weg zwei Rohrdurchlässe verschlossen werden. Eine Maßnahme, die vom Gemeinderat ebenfalls heftig kritisiert wurde. „Durch das Aufstauen des Wassers wird die Stabilität des Weges gefährdet“, lautet der Einwand aus dem Gemeinderat. Erst 2006 wurde dieser Weg mit Fördermitteln der EU umfassend saniert.

Weiter wird in der Stellungnahme auf die unterschiedlichen Naturräume hingewiesen. Die Deichverstärkungsmaßnahmen werden in den Naturräumen Nordfriesische Marsch, Nordfriesische Marschinseln und Halligen sowie Bredstedt-Husumer Geest ausgeführt. Die Ausgleichsfläche, zu dem der Schafberg gehört, liegt jedoch im Naturraum Eiderstedter Marsch. „Sie ist daher als Ausgleich für den Eingriff nicht geeignet“, so der Bürgermeister.

In der Stellungnahme wird weiter auf die Einschätzung des Archäologischen Landesamtes hingewiesen. Danach wird der Schafberg zwar nicht als Kulturdenkmal, wohl aber als landschaftsprägend in der Umgebung des Leuchtturms, einem beliebten Ausflugsziel, angesehen. Daher sollte der Schafberg als kulturhistorischer Zeitzeuge erhalten bleiben.

Die Gemeinde hat aber noch ein weiteres und wichtiges Argument für die Ablehnung der Ausgleichsmaßnahme in der vorgesehenen Form. „Wir sehen die Gefahr, dass durch das Entfernen des Schafbergs ein wichtiger Wellenbrecher unwiederruflich verloren geht“, so Dircks. In Zeiten des Klimawandels werde diese Funktion jedoch immer wichtiger. Weiter kritisiert der Gemeinderat, dass in den Planfeststellungsunterlagen des LKN keine Angaben zur Sicherheit der Küstenschutzanlagen nach Durchführung der Ausgleichsmaßnahmen enthalten sind. Und der Gemeinderat hat eine weitere Frage, die in den Unterlagen nicht beantwortet werden: Auf welchem Weg sollen die mehr als 25  000 Kubikmeter Erde des Schafbergs abtransportiert werden? Zum einen sei der als Fußweg ausgelegte, sehr schmale Stockenstieg dafür nicht geeignet. Und der Transport über den Weg zum Leuchtturm ist wegen der geringen Tragfähigkeit auch nicht vorstellbar.

„Und selbst wenn es zum Planfeststellungsbeschluss kommt, haben wir immer noch die Möglichkeit, den Klageweg einzuschlagen“, betont der Bürgermeister.

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