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Husumer Nachrichten

26. März 2017 | 21:00 Uhr

Kein Anschluss : Wenn die Telefone stumm bleiben

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Koldenbüttler Neubaugebiet haben viele Bewohner weder Festnetz noch Internet – doch die Telekom lässt sie weiter auf einen Anschluss warten.

Es macht was her, das Neubaugebiet Baden-Koog. Die meisten Häuser stehen bereits, dazwischen gibt es viel Grün und die St.-Leonhard-Kirche ist auch in Sichtweite. „Dort soll der naturnahe Spielplatz entstehen“, sagt Bürgermeister Detlef Honnens und zeigt auf einen grasbewachsenen Hügel, auf dem sich einst eine Warft erhob. Insgesamt 14 Grundstücke gibt es im neuen Teil des Gebietes. Davon sind elf bebaut oder reserviert. Im alten Teil sind nur noch zwei zu haben. Der Verkauf der Baugrundstücke im Südwesten der Gemeinde beschert Koldenbüttel ein dickes Plus in der Kasse und Honnens kann sich vorstellen, dass bald die 1000-Einwohner-Marke geknackt wird. Alles in bester Ordnung also? „Nein“, antwortet der Gemeinde-Chef. „Wir haben ein Problem, ein großes sogar. Die Leute hier können weder telefonieren noch ins Internet. Und das soll laut Telekom in den kommenden zwölf Monaten auch so bleiben.“

Doch von vorn: Für die Gemeinde war die Sache eigentlich klar. Nachdem 2014 der neue Bebauungsplan für das Gebiet aufgestellt war (der alte ist von 2004) gab auch die Telekom grünes Licht. „Unsere Belange wurden ausreichend berücksichtigt“, heißt es in einem Schreiben an den beauftragten Planer. „Die Telekom ist an dem ganzen Verfahren zur Ausweisung des neuen Abschnitts beteiligt gewesen“, bestätigte Bauausschuss-Vorsitzender Ludger Schmiegelt in der jüngsten Gemeindevertreter-Sitzung. Doch als dann die ersten Bewohner im Baden-Koog einzogen, waren die Leitungen tot. „Im Herbst kamen sieben Grundstückseigentümer auf mich zu und sagten, dass sie keinen Telefonanschluss hätten. Ich fiel aus allen Wolken“, erinnert sich Honnens, der seit 2003 Bürgermeister der 950-Seelen-Gemeinde ist. Einer der Bauherren, der Wohnungen vermieten möchte, habe aus diesem Grund sogar eine Absage kassiert.

So wendete sich Honnens an die Telekom und bat um Hilfe. Das Unternehmen reagierte zwar – aber anders als erwartet. Es seien nicht genügend Anschlussmöglichkeiten vorrätig, hieß es. Darauf bot die Gemeinde an, ein Leerrohr von dem nächsten möglichen Verteilerkasten verlegen zu lassen – und bekam eine klare Absage. „Das sind hoheitliche Aufgaben der Telekom, wurde mir klargemacht“, so Honnens. Und weiter: Innerhalb der nächsten zwölf Monate hätten nach Aussage eines Mitarbeiters die internen Planer keine Zeit, sich um den Fall zu kümmern. „Leute, mir reicht’s. Ich werde die Angelegenheit rechtsverbindlich prüfen lassen“, verkündete der Bürgermeister in der Gemeindevertreter-Sitzung, auf der dann auch vom Gremium beschlossen wurde, ein Fachanwaltsbüro zu beauftragen. Vor einigen Tagen hieß es von Seiten der Telekom, dass man nach einer Lösung suche, aber nichts Konkretes sagen könne.

Freitag jedoch kam Bewegung in die Sache. Nachdem die Husumer Nachrichten die Pressestelle des Konzerns gebeten hatten, zum Fall Koldenbüttel Stellung zu beziehen, kam per E-Mail folgende Antwort: „Wir sind über die Darstellung der Geschehnisse mehr als überrascht. Solche Aussagen wurden von keinem unserer Mitarbeiter geäußert. Wir wollen die Bewohner zügig ans Netz bringen. Aktuell befindet sich die Versorgung der Grundstücke in der Ausführung und wird noch im März erledigt sein. Kommende Woche beginnen auch die ersten Arbeiten vor Ort. Der Bürgermeister und die zuständigen Kollegen sind dazu im Kontakt. “ Detlef Honnens lächelt, als er von der Nachricht hört. „Das lässt ja hoffen“, sagt er. „Da bin ich mal gespannt. Die Gemeinde bleibt jedenfalls am Ball.“

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erstellt am 04.Mär.2017 | 16:00 Uhr

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