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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 19:42 Uhr

Festakt für TSS-Gymnasium : Wenn die Schule Nerven kostet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Erfolgs-Autorin Dörte Hansen spricht als Gastrednerin bei der Feier zum 150-jährigen Bestehen des Husumer Theodor-Storm-Gymnasiums.

Der Festakt zum 150-jährigen Bestehen der Theodor-Storm-Schule (TSS) war eine gelungene Mischung aus Geschichte, Musik und unterhaltsamen Ansprachen. So gab es ein kurzes Theaterstück über den berühmten Dichter Theodor Storm (1817 bis 1888), nach dem die Schule 1932 benannt worden ist. Mehr noch als ihm aber galt die Ehre an diesem Tag Sophie Jacobsen, die 1866 mutig die Gründung einer privaten höheren Mädchenschule wagte und damit den Grundstein für das heutige Gymnasium gelegt hatte.

So machte die frühere Schulleiterin Dr. Therese Chromik in der Festzeitschrift darauf aufmerksam, dass es im Grunde passender wäre, wenn die Schule den Namen ihrer Gründerin tragen würde, zumal zur „Corporate Identity“ das Wissen von der Entstehung und den eigenen Wurzeln gehöre: „Hieße die Theodor-Storm-Schule Sophie-Jacobsen-Schule, so wäre damit nicht nur der Gründerin Ehre und Anerkennung für ihre Leistung erwiesen worden. Der Name könnte auch in der heutigen Zeit für die emanzipierte Rolle der Mädchen Ansporn und Programm sein.“

Ebenso widmete sich die amtierende Schulleiterin in ihren „Gedanken zum Jubiläum“ der Persönlichkeit Sophie Jacobsen: „Was würde sie wohl sagen, würde sie heute sehen können, was aus ihren kleinen Anfängen geworden ist?“, fragte Sibylle Karschin und kam zu dem Schluss, dass die Schulgründerin nach dem ersten Schreck über den heutigen Umgangston zwischen Schülern und Lehrern und dem „lauten und scheinbar ungeordneten Unterricht“ wohl „ziemlich stolz“ auf das Erreichte sein würde. Ihr Blick wanderte dabei zu einer in Schwarz gekleideten Frau, die aufrecht in einem Lehnstuhl sitzend den Festakt verfolgte und nur hin und wieder zustimmend nickte. Damit blieb kein Zweifel daran, dass Sophie Jacobsen nach wie vor einen Ehrenplatz an ihrer Schule hat.  .  .

Grußworte aus dem schleswig-holsteinischen Ministerium für Schule und Berufsbildung überbrachte Dr. Gabriele Romig, für die Stadt Husum sprach Bürgermeister Uwe Schmitz. Gemeinsam mit Bürgervorsteher Peter Empen überreichte er ein großformatiges Bild mit der Aufschrift „Theodor-Storm-Schule – Fester Bestandteil der Husumer Schullandschaft seit 150 Jahren“.

Im Namen aller Husumer Schulleiter übergab Renate Christiansen (Hermann-Tast-Schule) eine Skizze, die den Blick vom Dach des kürzlich abgerissenen Schulgebäudes in der Theodor-Storm-Straße zeigt. Aufgrund ihrer Überlänge blieb die Skizze vorerst aufgerollt. Sie soll später einen passenden Platz im Schulgebäude bekommen.

Für die Elternschaft sprach Silke Lazarevic, für die Schüler Lennert Möllgaard aus Bohmstedt. Mit seiner erfrischend lockeren und dabei sehr gelungenen Ansprache heimste der pfiffige 14-Jährige den herzlichsten Applaus des Tages ein.

Aber auch Dörte Hansen vermochte das Publikum in den Bann zu ziehen. Die erfolgreiche Autorin („Altes Land“) war bis zu ihrem Abitur 1982 TSS-Schülerin. Humorvoll warb sie dafür, der Schule nach 150 Jahren endlich ein Motto zu geben. Sie schlug „Semper aliquid haeret“ (frei übersetzt: Irgendetwas bleibt immer hängen) vor und beschrieb, wie sie einmal einem störrischen Zwergkaninchen Salbe in dessen entzündetes Auge schmieren sollte. „Ich wollte nur sein Bestes, aber es kratzte, zappelte und knurrte nur.“ Die Prozedur sei kräftezehrend und nervenaufreibend für beide Seiten gewesen. Leider sei auch nur ein Teil der Salbe im Auge gelandet. Und doch habe es gereicht: „Klare Sicht für das Kaninchen, Mission erfüllt.“ Diese Szene, so Dörte Hansen, sei vielleicht vergleichbar mit dem Bemühen der Lehrer, den Schülern etwas beizubringen.  .  . – immer in der Hoffnung, dass ein bisschen was hängenbleibe. „Ich darf das sagen, weil ich selbst ein knurrendes Kaninchen war“, gab sie selbstironisch zu.

Ihre zweite Motto-Idee stammt aus der Zeit Sophie Jacobsens. Zeichenlehrer Grellmann solle den Mädchen damals geraten haben: „Lass Dich Zeit und gib Dich Mühe.“ „Das klingt nach jemandem, der vielleicht plattdeutscher Herkunft war und für den die hohe Schule alles andere als selbstverständlich war“, so Dörte Hansens Vermutung. Doch auch für sie selbst sei es nie selbstverständlich gewesen, auf diese Schule gehen zu dürfen – als ein plattdeutsches Handwerker-Kind aus Högel. „Ich hatte immer Angst, nicht gut genug zu sein, aber niemand hat mir je das Gefühl gegeben, dass ich hier nicht hingehöre“, sagte sie dankbar und schloss mit den Worten: „Wichtig war und ist an dieser Schule immer nur, wo jemand hin will, nicht, woher er kommt.“

Fortgesetzt wurden die Feierlichkeiten mit einem Festball am Abend – für alle, die sich dem Gymnasium verbunden fühlen.

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