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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 02:59 Uhr

Marienkirche in Husum : Wenn die Orgel Funken sprüht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Weil die Orgel gefährliche Feuerwerke veranstaltet, braucht die Husumer Marienkirche ein neues Instrument. Und am Sonntag findet ein Abschiedsgottesdienst für das alte statt.

Wer am vergangenen Sonntag den Gottesdienst in der Husumer Marienkirche besucht hat, mag es vielleicht gehört haben: Kai Krakenberg spielte nicht an seiner gewohnten Orgel auf der Empore, der Organist muss sich derzeit mit einer Ersatzorgel begnügen (wir berichteten). Der Grund dafür klingt – gelinde gesagt – ungewöhnlich: Die Kleuker-Orgel sprüht Funken.

„Das Problem ist die Elektrizität an dem Werk“, erklärte Lothar Banzhaf von der gleichnamigen Husumer Orgelbaufirma. Die Orgel sei mit 78 Volt ausgestattet, zugelassen seien jedoch nur 24 Volt. Und so sei zu erklären, warum die Orgel während des Spielens ein kleines Feuerwerk veranstaltet. Dieser gefährliche Zustand bestehe schon seit etlichen Jahren, so der Orgelbauer. Hinzu kommen immer größere Ausfälle während des Spielen.

Deshalb wird diese Orgel in der Marienkirche nicht mehr erklingen. „Es war eine Entscheidung, die der Kirchenvorstand nach langen Überlegungen treffen musste“, stellte der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Stefan Klocker, klar. Und schon am kommenden Sonntag, 30. Oktober, wird es ab 10 Uhr einen Abschiedsgottesdienst geben, kündigte er an. Doch nicht der Abschied, die Stilllegung der Orgel solle im Zentrum stehen, sondern der Aufbruch zu einer neuen Orgel, erklärt Krakenberg. Denn: „Die Marienkirche ohne Orgel ist keine Option.“

Die ersten Schritte für ein neues Instrument seien vom Kirchenvorstand bereits vor fünf Jahren mit einem Tendenzbeschluss eingeleitet worden. Seit 2012 läuft das aufwändige Ausschreibungsverfahren. Seitdem wirbt der Orgelbauverein für eine neue Orgel. „Bisher konnten wir dafür 60.000 Euro einsammeln“, sagt der Vereinsvorsitzende, Dietmar Gawellek.

Obwohl der Abgang der Kleuker-Orgel bereits vor Jahren durch ein Gutachten festgestellt wurde, hatten die Verantwortlichen der Kirchengemeinde alles daran gesetzt, das Instrument so lange wie möglich zu erhalten. „Man gibt die Orgel in einem Gotteshaus nicht einfach so ab wie ein altes Auto“, gab Klocker zu verstehen. Dass die Orgel trotz alledem viele Jahre weiter bespielt werden konnte, sei der Orgelbaufirma Banzhaf zu verdanken. Auch Organist Kai Krakenberg unterstrich die professionelle Arbeit des Orgelbauers. „Lothar Banzhaf hat oftmals Unmögliches möglich gemacht.“ Doch in den letzten Jahren musste die Orgel vor jedem Konzert vom Fachmann unter die Lupe genommen werden, so Krakenberg weiter.

Mit der Stilllegung ist nach Worten von Probst im Ruhestand Manfred Kamper „der Supergau“ eingetreten. Und auch Organist Kai Krakenberg zeigte sich von der unausweichlichen Entscheidung tief betroffen. „Die Zentralkirche ohne Orgel ist eine Katastrophe“, lautet sein Resümee. Dies sei so, als würde man dem Marktplatz die Tine wegnehmen. Das mächtige Instrument mit seinen mehr als 4000 Orgelpfeifen wurde 1963 in das Gotteshaus eingebaut. „53 Jahre ist für eine Orgel eigentlich kein Alter“, stellt Kamper fest. „Bei dieser Orgel handelt es sich aber um ein industriell gefertigtes Instrument.“ Dabei seien billige Materialien eingesetzt worden. Eichenholz wurde in großen Teilen durch Aluminium ersetzt. „Und um das Gebläsegeräusch zu minimieren, wurde Schaumstoff genommen.“

Doch mit den Jahren habe sich das Aluminium verzogen und der Schaumstoff aufgelöst. St. Marien sei hierfür kein Einzelfall. „Damals hatte man sich seitens des Kirchenvorstands für die falsche Orgel entschieden,“ findet Kamper heute. Keine dieser damals eingebauten Orgeln sei heute noch in Betrieb. „Lediglich in der Marienkirche wird sie noch mit viel Mühe und hohem Kostenaufwand bespielt“, so Kamper weiter.

Inzwischen seien die Reparaturkosten höher als der geschätzte Restwert des Pfeifeninstruments. Die Konsequenzen seien für Husum und Umgebung verheerend, stellen Kamper und Krakenberg klar: „Der kulturelle Teil findet in der Marienkirche nicht mehr statt.“

Von nun an wird die erwähnte Interimsorgel erklingen. Damit ist die einfachste Art der Grundversorgung gesichert. Derzeit bemühe man sich, die beliebten Sommerkonzerte weiterzuführen. „In Kooperation mit der Christuskirche sind bereits fünf Konzerte festgemacht“, berichtet Krakenberg.

Doch zurück zum Abschiedsgottesdienst am kommenden Sonntag. Mit dabei sein werden auch alle bisherigen Organisten und Menschen, die in den vielen Jahren die Orgel bespielt haben. Dabei werden Pastor Andreas Raabe, Manfred Kamper, Kai Krakenberg und Dietmar Gawellek auf das „Großprojekt Orgel“ aufmerksam machen.


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