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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 09:51 Uhr

Das Pflanzensterben geht weiter : Was ist mit der Treene los?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Friedrichstädter Sportangler beobachtet seit Jahren dramatische Veränderungen am Fluss. Das Landesamt für Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume spricht hingegen von Verbesserungen

Sie schlängelt sich von Oeversee bei Flensburg bis nach Friedrichstadt durch die Landschaft, um dann in die Eider zu münden. Allerdings wurde die Treene dort gebändigt, heute strömt sie durch ein breites Betonbauwerk in den größten Fluss des Landes. Vor der Stadt allerdings verringerte sich ihre Fließgeschwindigkeit erheblich, zwischen Schwabstedt und Friedrichstadt verbreitert sie sich nämlich gewaltig. Die Treene ist eines der beliebtesten Angelgewässer im Land, doch sie ist offensichtlich krank. Zwar gibt es genug Fisch zu fangen, aber wie lange noch, fragt beispielsweise der Friedrichstädter Sportfischer Bernd Le Grand, der bereits seit Jahrzehnten den Fluss zu seinem Lieblingsrevier zählt.

Die Treene verliert ihre Ufervegetation. Seit nunmehr sechs Jahren beobachtet Le Grand, dass nach Hochwasser ganze Kalmusinseln, Schilfbüschel und Reste von Seerosen an den Ufern liegen. Und nicht selten muss der Sportfischer, der sich über einen vermeintlich guten Fang freut, von seinem Haken Wasserpflanzenbüschel entfernen. Ganze Buchten der Treene haben nahezu ihre Vegetation verloren. Und auch unter Wasser sieht es nicht besser aus. In seichten Abschnitten, wo die Pflanzen vielen Tierarten und vor allem auch Jungfischen Deckung boten, bestimmt heute dunkler Modder das Bild. Und noch eine dramatische Veränderung hat Le Grand besonders in diesem Jahr festgestellt. „Auf der Treene sind immer häufiger regelrechte Algenteppiche zu sehen“, sagt er. Und der dunkle Modder am Flussgrund ist vielfach zusätzlich mit einem Algennetz überzogen. Das weiß der Friedrichstädter genau, denn immer wieder verfangen die sich an seinen Haken.

Nach Einschätzung des Sportfischers eine Folge der Überdüngung. Denn immer mehr Grünlandflächen sind nach seinen Beobachtungen in den vergangenen Jahren als „Futter “ für die Biogasanlagen umgebrochen worden und mit Mai s bebaut worden. Nicht nur die Spritzmittel aus der Landwirtschaft, auch die Düngemittel würden „seinem Fluss“ so zusetzen. Dabei ist das Leiden der Treene nicht ganz neu. Bereits vor sechs Jahren nahm die Häufung von Meldungen bei den Anglervereinen zu. Auch die Gewässerwarte stellten teilweise eine erhöhte Belastung fest. 2012 wurde erstmals in einer Versammlung der Schwabstedter Sportangler das Problem thematisiert. Der Gewässerwart des Vereins berichtete, dass die Wasserproben permanent zwischen leichter und schwerer Belastung schwanken. Dies wurde schließlich auch durch die Messreihe der Station Friedrichstadt des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) bestätigt. Seit Anfang dieses Jahrhunderts wurden dort deutlich erhöhte Ammonium- und Phosphatwerte registriert. Eigentlich Pflanzennährstoffe, doch wird darüber diskutiert, ob die aquatischen Röhrichte durch die veränderten Nährstoffbedingungen absterben. Dies wurde zum Anlass genommen, dass der Kreissportfischerverband Nordfriesland eine Treenekonferenz ins Leben rief. Doch an der Qualität des Gewässers scheint sich bislang nach Einschätzung des Revierkenners Le Grand noch nichts geändert zu haben.

Die Ursachen für das Pflanzensterben liegen nach wie vor im Dunkeln. Zwar werden jeden Monat an der Schleuse in Friedrichstadt zehn verschiedenen Parameter gemessen, darunter Sauerstoff, Phosphat, Nitrat und Ammonium. Vier Mal im Jahr kommen zudem noch Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel hinzu. Nach Einschätzung des Landesamtes dürften diese Mittel aber nicht für das Sterben verantwortlich sein, da die Pflanzen dann vorher gelb werden würden. Doch, so ist Le Grand sicher: „Da besteht garantiert ein Zusammenhang.“

Seiner Einschätzung nach muss viel mehr in die Ursachenforschung investiert werden, denn sonst werde der Fluss nicht die Normen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie erfüllen. Zudem sei es eine touristisch sehr wichtige Region. „Die Gäste möchten schon wissen, ob es sich um ein gesundes oder aber ein kränkelndes Gewässer handelt, in dem sie baden, auf dem sie Kanufahren oder aus dem sie Fische holen.

Anders als Le Grand sieht es das LLUR. Dort heißt es: „Die Wasserqualität der Treene hat sich im Hinblick auf chemische Inhaltsstoffe des Wassers deutlich verbessert“. Zudem seien für die Nährstoffe Gesamtstickstoff, Nitrat und Gesamtphosphor tendenziell Abnahmen über die Zeit zu erkennen. Eine Untersuchung auf Pflanzenschutzmittel findet an der Treene in Friedrichstadt im dreijährigen Rhythmus statt. Aus dem Jahr 2013 liegen demnach keine Überschreitungen der Umweltqualitätsnormen vor. Nur zwei Herbizide wurden mehrfach in sehr geringer Konzentration nachgewiesen. Die Untersuchung dieses Jahres ist noch nicht abgeschlossen. Nach Auskunft des LLUR: „Überwiegend eine positive Entwicklung.“ Das kann der Sportfischer und Naturfreund Bernd Le Grand, der fast täglich an „seinem Fluss“ unterwegs ist, so nicht glauben, denn mittlerweile sind ganze Uferabschnitte fast vegetationsfrei. „Das kostet die Allgemeinheit viel Geld, denn die Ufer müssen nun mit Steinschüttungen geschützt werden.“

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erstellt am 05.Okt.2016 | 10:30 Uhr

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