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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 23:30 Uhr

Dunkle Jahreszeit : Was gegen den Herbstblues helfen kann

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schokolade, Sport, Einstellung oder einfach dem Wetter die Schuld geben? Experten geben Antwort.

Husum | Pünktlich mit Beginn der dunkleren Jahreszeit fehlt es an Energie – viel zu schlafen wird ein starkes Bedürfnis, und die Stimmung entspricht eher der Tonart Moll. Die Erklärung für diese Symptome führt vor Augen, dass der Mensch ein biologisches Wesen ist: Und das bekommt jetzt einfach zu wenig Licht. Denn hell wird es in den nächsten Monaten bis zum Frühling täglich nur während einer kurzen Zeitspanne. Und an manchen Tagen auch gar nicht so richtig, weil ein grauer Himmel vorherrscht oder Nebel alles umhüllt.

Das führt dazu, dass im Körper zu wenig von dem Wohlfühlhormon Serotonin ausgeschüttet wird. Stattdessen produziert die Zirbeldrüse, die im Zentrum des menschlichen Gehirns sitzt, vermehrt das Schlafhormon Melatonin. Dieser Vorgang wird über den Lichteinfall auf die Netzhaut des Auges gesteuert und steigt bei Dunkelheit an. Christof Pankratz-Falk vom Psychologischen Beratungszentrum des Diakonischen Werkes in Husum erklärt, dass es sich sehr selten nicht um Herbstblues, sondern eine „saisonal abhängige Depression“ handelt. „Die haben Menschen, die stark auf diese Jahreszeit reagieren.“

„Man sollte nicht alles auf das Wetter schieben“

Der Fachmann betont mit Blick auf die leichteren Herbstblues-Fälle, dass trotz der Auswirkungen durch das wenige Licht, die ganz private Einstellung eine Rolle spielt. „Man sollte nicht alles auf das Wetter schieben.“ Die Adventszeit werde schließlich positiv bewertet – „dann spricht man nicht von Dunkelheit, sondern vor allem von Gemütlichkeit“.

Pankratz-Falk motiviert dazu, sich darauf einzulassen, dass es im Jahresverlauf eine Zeit gebe, in der man sich zurückziehen und alles langsamer angehen möchte – „auf der Couch sitzen und sich melancholisch fühlen“ sei dann selbst gewählt. Das mit der freien Entscheidung ist nach seinen Worten wichtig: „Wer von etwas anderem schwärmt, aber das Gegenteil unternimmt, wie zu Hause zu bleiben, obwohl es einen nach draußen zieht, oder am Deich entlang zu laufen, obwohl das Sofa lockt, wird unglücklich.“

Im Herbst und Winter würden sich viele zudem die Frage stellen, ob sie das erlebt hätten, was sie wollten. Bilanzen im Leben, die aufzeigen, dass sich so gar nichts Erwünschtes erfüllt hat – oder auch nur eine Zeit, die zu Ende geht, können, so beschreibt es der Berater, zu einem seelischen Blues führen. „Es ist erwiesen, dass der Sonntag als unglücklichster Tag gilt, einfach, weil das Wochenende vorbei ist.“

Bewegung - bei jedem Wetter - und ausgewogene Ernährung

Seine Kollegin Susanne Baum, die Leiterin des Geschäftsbereiches Beratung und Therapie, legt Wert darauf, rhythmisch zu leben: „Ein jegliches hat seine Zeit – und so kommt nach dem Sommer die Zeit, in sich zu gehen.“

Die Psychologin rät zu Bewegung – bei jedem Wetter – und einer ausgewogenen Ernährung. Neben Obst und Gemüse ist sogar Süßes erlaubt, denn das enthält Stoffe, die im Körper zu Serotonin umgebaut werden. Ein Spaziergang und viel Schokolade – dann kommen sie, die Glücksgefühle, die keinem „Blues“ eine Chance lassen.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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