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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 23:24 Uhr

Aufforstung im Stadtwald : Vor dem Sturm ist nach dem Sturm

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Förster Walter Rahtkens freut sich über neues Grün im Husumer Stadtwald Mauseberge. Doch er weiß, dass es im Winter wieder Verluste geben wird.

In 30 bis 40 Jahren werden auf den lichten Flächen im Wäldchen Mauseberge wieder hohe Bäume stehen. Dies verspricht Förster Walter Rahtkens von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Und er muss es wissen. Denn er betreut im Auftrag der Eigentümerin Stadt Husum diese 20 Hektar große, grüne Oase. 1900 Bäume – 750 Birken und je 575 Ahorne und Buchen – sind nach „Christian“ und Xaver“ angepflanzt worden: Die beiden Orkane hatten 2013 etwa fünf Hektar des Waldes zerstört, der überwiegend auf sandigem Boden steht. Ältere Husumer erinnern sich noch, dass die Mauseberge in früheren Zeiten Standort für eine Mülldeponie waren – „gerade im Winter kommen manchmal noch Glasscherben hoch“, weiß Rahtkens.

Viele Stunden haben Waldarbeiter in diesem Sommer damit zugebracht, die Gräben zu reinigen und von Windwurf zu befreien. „Das hatten wir bisher vernachlässigt. Aber regnet es, sind es heftige Güsse und der halbe Wald steht unter Wasser, was abfließen muss. Dazu kommt, dass auf den freien Flächen Bäume fehlen, die es ‚wegpumpen‘.“ Nässe, ein weicher Boden und Wind seien „keine gute Kombination“, denn Bäume könnten umfallen. Und die vier Waldarbeiter, die die Forstbetriebsgemeinschaft Nordfriesland/Schleswigsche Geest, ein Zusammenschluss von fast 1000 privaten Waldbesitzern, beschäftigt, haben ohnehin genug zu tun.

Dass Walter Rahtkens ein geduldiger Mensch ist, hat sich im wahrsten Sinne für die Stadt bezahlt gemacht. Denn der Fachmann hatte nach den Orkanen erst einmal zwei Jahre lang die Entwicklung in dem Wäldchen beobachtet und dann festgestellt, dass die Arbeit seines Vorgängers erste Früchte trug: Dieser hatte nämlich bereits 1984 junge Ahorn-, Buchen- und Lindenbäume gesetzt, die später Samen warfen. Da damals die Mauseberge einen geschlossenen Baumbestand mit vielen schattigen Plätzen aufwiesen, kam der Erfolg erst, als „Christian“ und „Xaver“ für kahle Flächen und damit für ausreichend Licht für die Baumkinder gesorgt hatten. „Für mich gibt es immer die Zeitrechnung vor dem Sturm und nach dem Sturm“, meint der Förster bei unserem Rundgang durch den Wald. In den nächsten Jahren werde „noch der eine oder andere Baum“ umkippen – vor allem Fichten, die flache Wurzeln besitzen. „Heute würde man sie nicht mehr anpflanzen. Denn es gibt mehr Wind. Doch nach dem Krieg brauchte man Bauholz.“ Für einen Förster lautet deshalb die Maxime: „Die Mischung macht’s“ – und zwar die aus Laub- und Nadelbäumen: halb und halb.

Walter Rahtkens beschäftigt sich bereits von Berufs wegen mit dem Klimawandel. „Auch wenn viele das Gefühl hatten, der Juni sei eher ein kalter Monat gewesen, so waren die Temperaturen im Durchschnitt hoch. Grundsätzlich steigen sie ohnehin und das messbar.“ Eine „Mode-Baumart“ die mit Wärme besser zurechtkomme, sei die amerikanische Douglasie – „die haben wir in Bohmstedt gepflanzt“.

Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern bekommt auch ein Förster. Dann geht es oft darum, wie „wild“ sich das Grün zwischen den Bäumen entfalten darf: „Der eine findet es schön, der andere unordentlich.“ Sein mit der Stadt abgestimmter Kompromiss: „Wir halten nur die Wege frei.“ Abseits wird in den Mausebergen der natürliche Kreislauf nicht unterbrochen – verrottet dort zum Beispiel Holz, ist ein Lebensraum für Käfer entstanden. Auch im Wald hängt alles mit allem zusammen. „Wir mähen nur um neu angepflanzte Bäume herum, damit sie nicht erdrückt werden.“ Warum diese so dicht gesetzt werden, kann Walter Rahtkens sofort begründen: So sei gewährleistet, dass sich der Bestand schließe – „und wir nicht zehn Jahre damit zu tun haben“. Denn der eine oder andere Baum komme eben nicht durch.

Auf neue Bänke dürfen sich noch in diesem Sommer die Mauseberge-Spaziergänger freuen. Auch die kaputten Mülleimer sollen ersetzt werden. Leider gibt es für Walter Rahtkens und die Waldarbeiter zwei immer wiederkehrende Ärgernisse: Da wäre das Abladen von Müll, durchaus in größeren Mengen – die Freude darüber, dass dies vor den vorhandenen Abfallbehältern geschieht und nicht mitten im Wald zum Schaden der Rehe, Kaninchen und Hasen, die Plastik fressen könnten, hält sich in Grenzen. Rahtkens: „Wir haben jemanden, der regelmäßig Suppenabfälle ablädt.“ Dazu kommt, dass die Absperrungen – jeweils zwei Holzpfähle mit einer Kette, um Autos und Motorräder fernzuhalten – immer wieder aufgrund von Fremdeinwirkung kaputt gehen. „Das kostet auch Geld.“

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erstellt am 08.Jul.2016 | 13:00 Uhr

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