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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 13:20 Uhr

Filmtage : Von Menschen und Landschaften

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei den 31. Husumer Filmtagen ist mit dem Dokumentarfilmer Sven Jaax ein echter Husumer Jung geehrt worden.

Wenn die Filmtage-Macher es noch nicht wussten, jetzt haben sie es schriftlich – und das von höchster Stelle: Kein Geringerer als der Bürgervorsteher attestierte ihnen zur Eröffnung der 31. Husumer Filmtage im Kino-Center auf der Neustadt, dass sie „Pioniere“ seien. Sie hätten die Brache der Husumer Kultur bepflanzt „und können stolz darauf sein, was Sie uns jedes Jahr an Blumenpracht präsentieren“. Doch Vorsicht, mahnte Peter Empen, Husum habe auch seine Eigentümlichkeiten: Alles, was sich länger als zehn Jahre halte, habe „Erfolg“, was mehr als 20 Jahre nachweisen könne, gehöre zum „Bestand“ und was mehr als 30 Jahre erreicht habe, sei bereits „Tradition“. „Damit erreichen Sie spätestens jetzt die Ära der Verbindlichkeit, will sagen, nun gibt es nur noch ein Weiter, denn mit Traditionen bricht man in Husum nicht – oder jedenfalls nur selten“, schrieb der höchste Repräsentant der Stadt den Organisatoren des Westküsten-Film-Festivals ins Stammbuch.

Schade nur, dass manche dieser warmen Worte kein Gehör fanden, weil der NDR in der anderen Ecke ein Interview mit dem Protagonisten des Abends, Sven Jaax, führte – vor vollem Saal und mit Peter Empen als sprechender Kulisse. Das kam nicht bei allen gut an, war aber schnell wieder vergessen, als Jaax, „der Husumer Jung“ (Empen) mit Hans-Peter Schweger über seine Arbeit zu sprechen begann. „Als wir das erste Mal telefonierten, habe ich sofort gehört, dass Du ein Plattdeutscher bist“, wandte sich Jaax an den Direktor der Volkshochschule und fragte den Gründungsvater der Filmtage, ob er das Interview nicht auf Platt führen wolle. Der nahm den Ball auf und plattdeutschte sich amüsant durch Jaax’ Leben und Arbeit. So erfuhren die rund 200 Zuschauer, dass der gebürtige Husumer, der kürzlich hierher zurückgezogen ist, seine Karriere als Dokumentarfilmer mit einem Streifen über einen Hahnenkräh-Wettbewerb in Sörup begonnen hat. Oder dass die Arbeit beim Sender kein Kindergeburtstag sei, weil immer so viele Leute mitreden wollten. Dass er in seinem Fach dennoch ein Glückskind war und ist, wurde deutlich, als Jaax gestand, die meisten seiner Filmideen eins zu eins umgesetzt zu haben. Dabei interessieren ihn vor allem die Menschen und ihre Lebensmodelle, aber auch das, was sich hinter den Klischees offenbart und was Peter Empen mit den Worten beschrieb: „Sie zeigen uns hintergründig vordergründig ,Wo Japan jodelt‘ und dokumentieren augenzwinkernd ,China unter Palmen‘ – mit Tendenz zum kommunistischen Ballermann.“ Hier und da gestattete der Ehrengast sogar Einblicke in die wundersame Welt des Fernsehens, etwa als er Dreh- zu Märchenbüchern erklärte, in denen beispielsweise acht Leute aufgeführt seien, die er im Rahmen der Dreharbeiten besuchen wolle, „doch tatsächlich gibt es nur einen von denen“. Das Wichtigste sei, sich für die Menschen zu interessieren, sie aber beim Filmen nicht bloßzustellen“, sagte Jaax. „Ein hehrer Ansatz“, fand Schweger. Darauf Jaax – noch immer auf Platt: „Ja, aber das darf man nicht merken.“

Dass ihm dieses Kunststück gelingt, bewies nicht zuletzt die Premiere seines jüngsten Filmes „Kamtschatka – Frühling auf Sibirisch“. In dem war auch ein russischer Ranger mit deutscher Fahne am Revers zu sehen. Was es denn damit auf sich habe, wollte eine aufmerksame Besucherin wissen. Jaax’ Antwort: „Deutsche Jacken und englische Hosen sind einfach am bequemsten.“ Und den Bogen von Kamtschatka zurück nach Husum spannte er über die Frage, wie er denn während der Dreharbeiten Kontakt nach Deutschland gehalten habe: „Ach, in Kamtschatka ist das Internet genauso miserabel wie derzeit in Schobüll“, sagte Jaax.

Husumer Filmtage von ihrer unterhaltsamsten Seite. So darf und so wird es weitergehen – unter anderem mit weiteren Filmen von Sven Jaax.

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