zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 15:44 Uhr

Die Entschleuniger : Von der Bankerin zur Yoga-Lehrerin

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In unserer Sommerserie „Die Entschleuniger“ stellen wir Menschen vor, die anderen helfen, einen oder mehrere Gänge herunterzuschalten. Den Auftakt macht Dörte Kubatzki mit ihrem Yoga-Hotel in St. Peter-Ording.

Sie sorgen dafür, dass Urlauber Nordfriesland noch intensiver erleben können: In der Sommerserie „Die Entschleuniger“ stellen wir Menschen aus der Region vor, die Gästen und Einheimischen dabei helfen, mal wirklich runterzukommen.

Eine Frankfurter Bankerin schmeißt ihren einträglichen Job hin, um ein Yoga-Hotel in St. Peter-Ording zu eröffnen: Wer die Geschichte von Dörte Kubatzki hört, fühlt sich zunächst an einen dieser Frauenromane erinnert, in dem die Heldin lernt, zu sich selbst zu finden, und nach 263 Seiten einen waghalsigen Plan umgesetzt hat, den am Anfang alle für eine Schnapsidee gehalten haben.

  Ganz so geradlinig und ganz so klischee-beladen verlief die Geschichte von Dörte Kubatzki und ihrem Mann Marco nicht. Am Anfang stand allerdings wirklich eine kleine Sinnkrise: Beide Ehepartner arbeiteten als Banker in Frankfurt, ziemlich erfolgreich, scheint es. Anfang 2011 wird ihr zweites Kind geboren, und irgendwie, sagt Dörte Kubatzki, hätten sie sich zu dieser Zeit gefragt, ob sie ihr Leben wirklich so weiterführen wollen.

   „Ich war mit meinem Beruf einfach nicht mehr richtig glücklich“, sagt sie. „Ich glaube, es hatte auch mit der Finanzkrise zu tun“, sagt er. „Dadurch haben wir den Glauben an das System verloren.“

  Dazu sei der tägliche Druck in der Bank gekommen, die Kunden, die nicht immer ganz einfach waren. Das Ehepaar Kubatzki überlegte, wie es anders weitergehen könnte. „Dass wir gerne Gastgeber sind, war klar, und dass wir Dinge gut verkaufen können, wussten wir nach all den Jahren in unserem Beruf auch“, erzählt Dörte Kubatzki. Außerdem stand fest, dass ihr Mann gern ans Meer wollte. Das Ehepaar machte sich auf die Suche nach einem Ort, an dem sich ein neues Projekt starten ließ. Wie das genau aussehen sollte, war ebenso unklar wie die Frage, ob sie es überhaupt schaffen würden – dieses Umkrempeln eines ganzen Familienlebens.

  Nach einer längeren Odyssee landeten die Kubatzkis in St. Peter-Ording: Hier, waren sie sich einig, sei die Nachfrage für ein neues, junges, touristisches Angebot da. Dass die beiden im Frühjahr 2015 ein Yoga-Hotel eröffneten, ergab sich fast automatisch: Dörte Kubatzki hatte selbst eine Ausbildung als Yoga-Lehrerin absolviert und dabei bemerkt, dass das Angebot für sogenannte Yoga-Retreats gerade im Norden Deutschlands eher mau ist.

  Dass Yoga zu praktizieren hilfreich sein kann, wenn man auf all die Hindernisse trifft, die vorfinden kann, wer als Quereinsteiger ein Hotel eröffnen will, lernte sie schnell: „Beim Yoga geht es auch darum, zu akzeptieren, was ist. Und darum, aus dieser Akzeptanz Stärke zu gewinnen, um weitermachen zu können.“

  Eigentlich scheinen solche Sätze zu der resolut wirkenden Frau nicht ganz zu passen. Wie das Klischee der Yoga-Lehrerin – also esoterisch, entschleunigt, extrem entspannt – wirkt Dörte Kubatzki ohnehin nicht: Dass sie bis vor ein paar Jahren knallharte Finanzverhandlungen geführt hat, nimmt man ihr auch heute noch ab. Vielleicht aber sind das auch genau die Charakter-Eigenschaften, die man auch braucht, wenn man ein erfolgreiches Hotel aufmachen will.

  In den zwei bis fünf Kursen, die im „Kubatzkis“ täglich angeboten werden, wird modernes Yoga gelehrt, erläutert Dörte Kubatzki. Dabei gehe es zwar um die Stärkung des Körpers, aber auch immer wieder darum, bewusster und mehr zu empfinden. Zu merken, wenn es ihren Gästen dadurch besser geht, sagt sie, empfinde sie als sehr befriedigend.

  Die Gäste – häufig sind es Frauen, die sich eine Auszeit gönnen – sollen im Hotel nicht nur durch die Yoga-Kurse entschleunigen und zu sich finden: Beim Konzept für das Hotel sei ihnen wichtig gewesen, dass auch das gastronomische Angebot auf einem nachhaltigen Konzept basiere.

  Ihr eigenes Leben, berichtet das Ehepaar, empfinden sie nicht unbedingt als „entschleunigt“, die Tage sind nicht nur in der Bank, sondern auch in einem Hotel lang. Das sei allerdings in Ordnung so, sagen die Kubatzkis: Befriedigender sei ihr Leben heute auf jeden Fall.

zur Startseite

von
erstellt am 24.Jul.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen