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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 20:53 Uhr

Südschleswiger stehen zwischen Dänemark und deutschland : Vom Leben in einer Minderheit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Sydslesvigsk Forening ist einer der wichtigsten kulturellen Vereine für Dänen und Neu-Dänen. Für Husum und Umgebung hat Peter Hansen den Posten des Amtskonsulenten übernommen.

Er kenne fünf Pfeifenraucher in Südschleswig – und alle gehörten zur dänischen Minderheit, erzählt Peter Hansen und schmunzelt. Ja, meint der 55-Jährige, der Genuss von Pfeifentabak sei wohl etwas typisch Dänisches. Nicht zu vergessen der Kaffee, der bei den Nachbarn zu jeder Tageszeit gern und reichlich ausgeschenkt wird. Dänemark gehört zu den Spitzenreitern, was den Konsum des schwarzen Gebräus betrifft. Das Gespräch mit Peter Hansen findet im Versammlungsraum des Sydslesvigsk Forening (SSF) für Husum und Umgebung in der Neustadt 95 statt – zwei Kaffeebecher sind gefüllt.  .  .

Hansen ist der Amtskonsulent des Vereins, in dem – von Mildstedt bis Nordstrand – rund 350 Angehörige der dänischen Minderheit Mitglied sind: In ganz Südschleswig sind es etwa 15  000 in 80 Ortsverbänden. Der Südschleswigsche Verein – gegründet 1920 – gilt kulturell als die wichtigste Organisation für die dänische Minderheit. Laut Satzung hat sich der Verein „die Verbreitung und Pflege der dänischen Sprache“ sowie „den Schutz und die Förderung dänischer und nordischer Kultur“ auf die Fahne geschrieben. Aber auch als minderheitenpolitische Interessenvertretung betritt der SSF verschiedene Bühnen und leistet beispielsweise „Kontaktarbeit“ auf Christiansborg und im Minderheitenrat in Berlin.

Peter Hansen ist Däne, ausgebildeter Redakteur und seit sechs Jahren als SSF-Konsulent in Husum tätig. Als hauptamtliche Kraft wird sein Rat auch von den Ehrenamtlichen der Ortsvereine in Hattstedt, Friedrichstadt und Drage nachgefragt. Dass er in privaten Angelegenheiten als Gesprächspartner aufgesucht wird, stört ihn nicht. Und so gibt er Auskunft, wenn es um Fragen zum dänischen Steuersystem geht, oder hilft Eltern, die wissen möchten, wie sie für ihren Nachwuchs, der in Dänemark studieren möchte, eine Wohnung finden können.

Doch seine Hauptaufgabe bleibt es, Konzerte, Theateraufführungen und Ausflüge zu organisieren, damit die dänische Kultur in der Grenzregion einen festen Platz hat. Höhepunkt ist auch für den Husumer SSF das große Jahrestreffen der dänischen Minderheit: Årsmøde.

Zurzeit ist für Peter Hansen schon Winter – zumindest in Sachen Planung: Denn die nächste Reihe der „Westküstenkultur“ muss vorbereitet werden. Waren es bisher vier Konzerte in Husum und auf Eiderstedt soll in diesem Jahr auch der Norden des Kreises einbezogen werden: Hansen organisiert sechs öffentliche Musikereignisse neben Husum für Westerland, Leck, Bredstedt, Friedrichstadt und Tönning. Folk „Dänen lieben ihn“ – und Dixieland stehen dann auf dem Programm: für die dänische Minderheit und die deutsche Mehrheit.

„Wir verstecken uns nicht hinter verschlossenen Türen. Aber es soll zu hören sein, dass es ein dänisches Kulturerlebnis ist. Da sind wir ziemlich konsequent. Schließlich wollen und sollen wir unsere Sprache fördern. Und so bestehen wir darauf, dass die Ansagen zwischen den Songs auf Dänisch erfolgen. Auch wenn es schon Beschwerden von deutschen Gästen gegeben hat.“ Bei einem Getränk bedauert es Peter Hansen jedoch, dem Dänischen verpflichtet zu sein: beim Bier. Das deutsche Øl schmeckt ihm einfach besser.

Hansen stammt aus Frederikshavn und hat unter anderem für „Flensborg Avis“ und für die Lokalnachrichten auf Lolland gearbeitet. Seine journalistische Erfahrung kommt ihm zugute, wenn er dreimal im Jahr Artikel für das „Sydslesvigsk Magazin“ verfasst. Neben kulturellen Themen sind es auch Neuigkeiten aus der Politik in Südschleswig, die der Redakteur berücksichtigt. „Die Oberbürgermeisterwahl in Flensburg interessiert uns auch.“

Verschiedene Einrichtungen sind die Säulen der dänischen Welt in Husum: So gibt es mit dem Husumhus nicht nur eine feste Adresse für Kulturveranstaltungen und eine Bibliothek, sondern auch eine Kirche und eine dänische Schule, die bis zur Mittleren Reife führt. Der dänische Gesundheitsdienst ist inzwischen nicht mehr im Husumhus untergebracht – die Krankenschwestern versehen ihre häusliche Pflege nun von Hattstedt aus.

„Viele schließen sich uns an, wenn ihre Kinder die Schule besuchen“, weiß Peter Hansen. Er spricht von den „Neu-Dänen“ – manchmal seien die sogar dänischer als die Dänen.

Die Entscheidung für das Dänische ist in der Familie von Tanja Mertens bereits vor drei Generationen getroffen worden. Die 46-Jährige gehört durch ihre Mutter seit Kinderzeiten zur dänischen Minderheit – ebenso wie jetzt die eigene Tochter, die die dänische Schule besucht. Vom Herzen her sei sie Südschleswigerin, betont Mertens. Ihr Dänisch sei manchmal eine südschleswigsche Variante – vermischt mit platt- und hochdeutschen Begriffen. „Wir stehen so zwischen Dänemark und Deutschland.“ Da sie nicht in Dänemark geboren sei, würde sie es vermessen finden, sich als Dänin zu bezeichnen. Die Mildstedterin arbeitet als sozialpädagogische Assistentin in der dänischen Kindertagesstätte in Friedrichstadt und war viele Jahre im SSF-Ausschuss aktiv.

Ihre Mutter, eine gebürtige Schleswigerin, verbrachte als Kind die Ferien in Dänemark, wo sie „aufgepäppelt“wurde. Der grenzübergreifende Kontakt zwischen den Familien blieb bestehen, sodass Tochter Tanja später bei den Kindern des dänischen Paares die Ferien verbrachte.

Tanja Mertens weiß es zu schätzen, dass es durch die Zugehörigkeit zur dänischen Minderheit die Möglichkeit gibt, in zwei Ländern eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren – und dass es dafür vom dänischen Staat eine Förderung gibt. Und die Nordfriesin schätzt einen Urlaub im Nachbarland: „Ich liebe es, in Dänemark zu campen und Galerien zu besuchen.“

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erstellt am 05.Jul.2016 | 18:18 Uhr

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