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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 11:15 Uhr

Arbeit auf schwankendem Boden : Vier Bagger bringen Leben ins Moor

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein lässt im Wilden Moor zwischen Winnert und Schwabstedt 100 Hektar für rund 200.000 Euro vernässen. Vor zwei Jahren waren dort schon einmal die Bagger im Einsatz.

Mit schwerem Gerät, im wahrsten Sinne des Wortes, mehr als 23 Tonnen wiegt ein Bagger, wird gegenwärtig im Wilden Moor gebuddelt. Und vier solcher Maschinen sind im Einsatz. Mit moderner Technik wird dort versucht, der Natur zu helfen. Denn jahrhundertelang, bis in die 1960er Jahre, wurde dort zwischen Winnert und Schwabstedt Torf gestochen. Parallel wurde versucht, das Gebiet trocken zu legen, um wertvolles Ackerland zu gewinnen. Breite Entwässerungsgräben leiteten das für ein Moor lebenswichtige Nass ab. Mittlerweile hat ein Umdenkungsprozess stattgefunden, die letzten noch vorhandenen Moore gelten als biologische Kleinode – kein Wunder also, dass die Stiftung Naturschutz des Landes viel Geld in die Hand nimmt, um den wertvollen Lebensraum zu renaturieren. Vor zwei Jahren wurden dort in einem ersten Bauabschnitt Gräben verschlossen und zehn Kilometer Dämme aufgeschüttet, um das Wasser im Gebiet zu halten. Rund 400.000 Euro wurden investiert.

Jetzt dröhnen dort wieder die Motoren. Vier Bagger sollen diesmal sechs Kilometer Dämme aufbauen, um damit etwa 100 Hektar Moorfläche zu vernässen. Und dass es sich dabei nicht um eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme handelt, davon zeugen die rund 190 Hektar, die durch den ersten Bauabschnitt vernässt wurden. Nach Aussagen von Jutta Walter von der Stiftung, zeige sich dort deutlich, dass die Torfe sichtbar aufgequollen sind, das Moor wieder lebe. Und auch Gebietsbetreuer Christoph Rabeler ist zufrieden. Vor allem ist er von dem Weg quer durch das Moor begeistert, denn dort können mittlerweile Spaziergänger und Naturfreude nahezu trockenen Fußes die besondere Stimmung der Moorlandschaft genießen. „Der Weg wurde vor zwei Jahren aus dem alten Oberboden gebaut. Ich bin angenehm überrascht, wie fest er geworden ist“, sagt Rabeler und ist begeistert, dass er dort erst vor wenigen Tagen wieder einen großen Trupp Kraniche gesehen hat.

Gut 200.000 Euro werden in die aktuelle Maßnahme investiert, die nach Einschätzung von Jutta Walter, wenn das Wetter anhält, vielleicht schon in diesem Jahr beendet werden kann. Anderenfalls rechnet sie spätestens im Januar mit der Fertigstellung.

Und während die Bagger vorsichtig Oberboden abtragen, umeinen alten Torfstich zu verfüllen, kommen auch Wissenschaftler von der Kieler Universität zur „Baustelle“, um sich ein Bild zu machen. Sie wollen das Moor unter die Lupe nehmen. Jutta Walter und Rabeler haben unterdessen Wollgrasreste aus dem so genannten Weißtorf herausgezogen, die dort bereits seit mehreren 1000 Jahren liegen. Die Pflanzen sind nicht verrottet, ihre Strukturen noch deutlich zu erkennen. Archäologische Funde wurden dort aber noch nicht gemacht, Rabeler rechnet auch nicht damit, wenn schon, dann eher im Randgebiet des Moores.

Von den Arbeiten im Wilden Moor profitiert nicht nur die Natur, auch das Klima, denn ein Moor ist ein gewaltiger Klimagasspeicher. Eine Gruppe von Studenten der Uni Hamburg, ohne offiziellen Forschungsauftrag, überprüfte den Methanausstoß des Moorkörpers. Und dabei wurde festgestellt, dass die neu aufgestauten Flächen zu Methanquellen werden, erst nach einiger Zeit wird dann durch Oxidation wieder das Klimagas CO2 gebunden. Sie wollen die Messreihe auch auf der neuen Fläche fortsetzen.

Profitieren von der rund 200.000 Euro teuren Renaturierungsmaßnahme werden auch die Spaziergänger und Naturfreunde. Vom Moor-Lehrpfad in Hollbüllhuus bis nach Winnert wird es möglich sein, noch sicherer und vor allem komfortabler durch das Gebiet zu kommen. Rabeler und Jutta Walter stellen übereinstimmend fest, dass offensichtlich das Wilde Moor ein immer beliebterer Ausflugsort wird. Denn die Informations-Blätter, die dort in einem Fach ausliegen, mussten mehrfach nachgefüllt werden. Gebietsbetreuer Rabeler berichtet von großem Interesse an seinen Führungen. Auch außer der Reihe ist er dazu bereit. Info unter Telefon 04845/7132.

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erstellt am 24.Nov.2016 | 11:00 Uhr

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