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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 15:20 Uhr

Feuer in Witzwort : Vereinsarchiv ein Raub der Flammen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Keller der Witzworter Turnhalle lagerten auch Musikinstrumente. Die Sportler können vorerst bei Vereinen in der Nachbarschaft unterkommen.

Seit elf Jahren ist Petra Ehrlich Vorsitzende beim Turn- und Spielverein Witzwort von 1926. Doch was sie in der Nacht zum 28. Oktober erlebte, ist für sie schlechthin der Gau gewesen. „Ich hörte zwar die Sirene heulen, dachte aber zuerst an einen Unfall auf der Bundesstraße 5“, erinnert sie sich. Doch nur wenigen Minuten später sei sie durch die Haustürklingel endgültig aus dem Schlaf gerissen worden. Den Hinweis, dass die Turnhalle in Brand steht, wollte sie zuerst nicht glauben. Inzwischen sind mehr als drei Wochen vergangen. „So etwas wünscht sich kein Verein, plötzlich vor dem Nichts zu stehen.“ Sie hatte mit schlimmen Dingen gerechnet. Doch nur wenige Tage später sollte sich heraus stellen, dass die Folgen des verheerenden Brandes noch übler waren als befürchtet. „Die Sportangebote konnten von jetzt auf gleich nicht mehr angeboten werden, da die zerstörte Turnhalle hierfür nicht mehr zur Verfügung stand. Die noch bestehenden rußgeschwärzten Steinwände der einstigen Sporthalle zeugen von der dramatischen Nacht.

Die erste Arbeit bestand für Petra Ehrlich darin, neue Sportstätten für die mehr als 300 Vereinsmitglieder zu finden. Große Unterstützung erhielten die Witzworter vom TSV Oldenswort und der Gemeinde. In der dortigen Turnhalle sind inzwischen viele Gruppen untergekommen. „Zwei weitere Gruppen konnte ich in zwei anderen Sportvereinen in der Umgebung unterbringen“, so Petra Ehrlich. Doch es gibt ein noch viel größeres Problem für den Verein. So waren im Keller der Turnhalle das Vereinsarchiv und die Musikinstrumente des einstigen Spielmannszuges untergebracht. Durch das Löschwasser ist hier alles zerstört worden. „Das ist ein Verlust, der tut richtig weh“, gibt die Vorsitzende unumwunden zu.

Zum Archiv gehörten unter anderem die Aufzeichnungen zum 75-jährigen Vereinsbestehen. Aber auch die Berichte über die Gründungsversammlung. Die einzelnen Sitzungsprotokolle sind unwiederbringlich verloren. Hinzu kommen die Musikinstrumente, die durch das Löschwasser stark beschädigt wurden. Von der Pauke und Trommel bis hin zur Querflöte ist alles nicht mehr zu gebrauchen. Nach ihrer Schätzungen beläuft sich der Schaden auf 17.000 bis 20.000 Euro. „Das ist ein Totalverlust, mit dem wir zuerst einmal fertig werden müssen“, sagt die Vorsitzende.

Inzwischen hat sich der Vorstand aus der Schockstarre befreit. „Nicht nur wir, auch die Mitglieder wollen auf jeden Fall weitermachen“, stellt Petra Ehrlich klar. Da kommt zwar eine Menge Arbeit auf den Vorstand zu. Doch sie zeigt sich demonstrativ optimistisch. „Wir werden das schaffen“, und fügt noch hinzu: „Ich lass alles auf mich zukommen.“ Derzeit ist sie dabei, das Archiv so gut wie möglich wieder aufzubauen. Insbesondere ältere Mitglieder könnten dabei einen unschätzbaren Dienst erweisen, ist sich die Vorsitzende sicher. „Momentan bin ich mit einem 90-jährigen Mitglied im Gespräch.“ Viele Telefonate hat sie in den vergangenen Wochen geführt. „Derzeit bin ich ständig am Telefonieren, und das wird in nächster Zeit wohl auch so bleiben.“ Dazu gehörten auch viele Gespräche mit Vereins-Vorsitzenden. Und dabei sei ein Problem aufgetaucht. Viele Vereine führen keine Bestandsliste. Auch in Witzwort gab es das nicht. „Ich musste in den ersten Wochen eine Verlustliste erstellen, was sehr mühsam war.“ Große Unterstützung erhofft sie sich durch Spenden und Zuschüsse. Schon zwei Wochen nach dem Witzworter Feuerdrama gab es von der Husumer Volksbank eine erste Spende in Höhe von 3000 Euro. „Das war für uns sehr wichtig und ein sehr gutes Signal.“ Doch noch befindet sich der Turn- und Spielverein im Ausnahmezustand.

Der TSV Witzwort bittet um Spenden auf sein Konto DE 36217500000053060125 bei der Nospa.








 

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