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Bürgermeisterwahl in Husum : Uwe Schmitz: „Meine Art ist vielleicht unspektakulär“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vor der Wahl am 7. Mai: Uwe Schmitz erklärt im Interview, warum er kein Bürgermeister der lauten Töne ist und vor welchen Herausforderungen die Stadt steht.

Uwe Schmitz stellt sich am 7. Mai zum zweiten Mal als Husums Bürgermeister zur Wahl. Im Interview spricht er darüber, wie sich ein Wahlkampf ohne Gegenkandidaten anfühlt, warum er „Kurs halten“ für eine sinnvolle Strategie hält und wieso er manchmal lieber nichts sagt.

Sind Sie froh drum, dass Sie bei dieser Wahl keinen Gegenkandidaten haben oder denken Sie, es hätte für alle Beteiligten spannender sein können, wenn noch jemand aufgetaucht wäre? Wenn Husum einen richtigen Bürgermeister-Wahlkampf erleben würde?

Das habe ich mich auch schon öfters gefragt. Ich finde es erst einmal angenehm, diese breite Unterstützung zu haben. Aber es ist schon ein komischer Stimmzettel, auf dem nur Ja und Nein steht. Wahlkampf in dem Sinne, dass man gegen andere kämpft, gibt es dieses Mal natürlich nicht. Trotzdem wird es Plakate geben, und die Stadt lädt für den 27. April zur öffentlichen Kandidatenvorstellung. Gar nichts machen geht nicht. Die Leute sollen nicht den Eindruck erhalten, ich meinte, ich hätte es nicht nötig.

Der Slogan Ihres Plakats lautet „Kurs halten“. Was wollen Sie damit sagen?

Der knüpft an meinen Slogan von vor sechs Jahren an: „Klarer Kurs für Husum“. Soll bedeuten: Ich möchte meine Arbeit in großen Teilen in der bewährten Art und Weise fortsetzen.

Das heißt, Sie sind ganz zufrieden damit, wie es in Husum läuft? Was sehen Sie denn als Erfolge in Ihrer jüngsten Amtszeit?

Erfolge sind immer Gemeinschaftsproduktionen. Generell denke ich, dass Husum eine florierende, aufstrebende Stadt ist. Auch im Vergleich zu anderen Städten: Es existieren hier wenig bis keine Leerstände, die Infrastruktur funktioniert, die Schulen sind im Top-Zustand, die Kinderbetreuungsangebote reichen zwar aktuell nicht – aber wir haben als Stadt immer Schritt halten können mit aktuellen Entwicklungen. Und das, obwohl wir nicht viel Geld haben.

   In den vergangenen sechs Jahren ist die Mensa an der Gemeinschaftsschule eingeweiht, die Bauleitplanung fürs Shopping-Center auf den Weg gebracht worden. Wir haben die wiederkehrenden Straßenausbaubeiträge eingeführt. Damit sind wir die einzige Stadt unserer Größenordnung in Schleswig-Holstein überhaupt. Das sind Dinge, die wirklich gut laufen.

   Eine Sache, an der ich persönlich hart arbeiten durfte, ja, musste: Dass Husum der Standort für das Finanzamt Nordfriesland wird. Das hat dann ja auch geklappt.

„Kurs halten“ beinhaltet also auch Ihr Selbstverständnis darüber, wie man dieses Bürgermeisteramt ausführt beziehungsweise ausfüllt.

Ja, auch da halte ich den Kurs. Meine Art ist vielleicht unspektakulär. Zumindest, was die Außenwirkung angeht. Aber Effekthascherei ist auch nicht mein Ding. Ich möchte im Dialog mit den Menschen sein, um dann zu Sachentscheidungen zu kommen. Möglicherweise langweile ich auch Menschen, weil ich immer wieder sage, dass es unabdingbar wichtig ist, miteinander zu sprechen. Und das auf Augenhöhe.

Wenn Kritik an Ihrer Arbeit geäußert wird, geht sie häufig in dieselbe Richtung: Der Bürgermeister bezieht persönlich zu wenig Stellung. Was entgegnen Sie?

Ich sehe das durchaus anders, differenzierter. Ich denke schon, dass wir hier in der Verwaltung eine Menge Dinge aufbereiten, um sie entscheidungsreif zu machen. Ich denke aber auch, dass es oft nicht gut ist, frühzeitig mit dem um die Ecke zu kommen, was man will. Das würde das konterkarieren, was ich eben sagte: Ich möchte tatsächlich, dass Projekte eine Gemeinschaftsproduktion sind, auch in der Entstehung. Sie haben mich neulich am Telefon gefragt, was ich mir für ein neues Schwimmbad für Husum vorstellen könnte. Glauben Sie mir, ich habe da schon eigene Vorstellungen. Aber weiß ich, ob die den Wunsch der Bürger treffen? Das möchte ich tatsächlich gemeinsam entwickeln, da werde ich mich nicht hinstellen und sagen: Ich möchte dort genau dieses Schwimmbad haben.

Beim Schwimmbad-Neubau steht die Stadt am Anfang der Debatte. Sprechen wir über Projekte wie den Bau des Shopping-Centers, der Neugestaltung des Dockkoogs: Hätten Sie da nicht zu einem späteren Zeitpunkt der Meinungsfindung eine eigene Haltung artikulieren können?

Ich habe das beim Shopping-Center gemacht. Wir haben frühzeitig Beschlüsse herbei geführt, indem wir eine Vorlage erstellt haben, in der wir uns gegen den Erhalt der Villa Fabelhaft aussprechen.

Und beim Dockkoog?

Wissen Sie, da ist die Kommunikation nicht so gut gelaufen. Der Prozess war ja eigentlich noch nicht zu Ende. Ich habe keine Entscheidungsgrundlage, welche Variante für die Gestaltung des Dockkoogs die beste gewesen wäre. Ich habe vollstes Vertrauen in den Vertreter des Landesbetriebs für Küstenschutz, der sagt, dass beide Varianten, also auch die Hallig, sicher sind. Ich habe aber auch Verständnis dafür, wenn Menschen – weil sie die letzten hundert Jahre so sozialisiert worden sind – am Grundsatz „Wer nicht will deichen, muss weichen“ festhalten. Menschen, die sich jetzt fragen, wie es zu so einem Paradigmenwechsel kommen konnte, dass man Deiche auch öffnen kann. Auch solche Sorgen muss ich ernst nehmen.

   Wie dem auch sei: Ich wollte mir eigentlich die Mühe machen, alle für eine Entscheidung relevanten Fakten zu kennen.

Da haben Ihnen SPD und CDU mit ihrem vorgezogenen Beschluss gegen die Hallig einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Einen Strich haben die mir nicht durch die Rechnung gemacht. Die haben von ihren Rechten Gebrauch gemacht und eine Entscheidung nach ihren Vorstellungen auf den Weg gebracht.

Sie haben erklärt, warum sie Ihr Amt eher zurückhaltend ausüben. Aber, mal persönlich gefragt: Haben Sie nicht manchmal das innere Bedürfnis in einer Sitzung, impulsiv zu reagieren, spontan etwas zu sagen?

Natürlich gibt es mal Dinge, bei denen ich innerlich mit dem Kopf schüttele. Klar. Und diese Momente gehen dann auch wieder vorüber. Ich überlege hinterher, wie damit umzugehen ist.

Welches Projekt hat für Sie in den kommenden sechs Jahren Priorität?

Da gibt es nicht nur ein einzelnes Thema. Die Attraktivität eines Standortes ist vom Gesamtangebot abhängig: Wir brauchen Wohnraum, wir brauchen Parkflächen, mehr Kinderbetreuungsangebote, wir müssen die Schulsozialarbeit, die Ganztagsschule ausbauen. Die touristische Infrastruktur ist sicherlich auch eine Sache, die sich noch hinziehen wird. Das macht man nicht von einem auf den anderen Tag. Und alles, was die einen positiv sehen, sehen andere negativ: Jeder Neubau ist eine Flächenversiegelung, jeder Ersatzbau braucht vorher einen Abriss. Es geht immer darum, alles zu koordinieren.

   Das heißt, es kann für mich nicht ein Schwerpunktthema geben. Und eine wichtige Sache darf man nicht vergessen: Wir haben kein Geld. Wir haben es bisher gut hingekriegt, die Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger auf demselben Level zu halten. Da stellt sich die Frage, ob das auf Dauer möglich ist.

Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit der Verwaltung mit der Politik?

Gut. Weil Dinge vernünftig und auf Augenhöhe besprochen werden können. Irgendwas ist immer, aber dokumentiert nicht auch der Umstand, dass mich alle Parteien vorschlagen, nicht auch ein Stück weit, dass diese Einschätzung geteilt wird? Das heißt ja nicht, dass man in allen Sachfragen einig ist.

Gibt es nichts, was besser sein könnte?

Im Alltag passiert immer mal etwas, das nervt. Weil einer beispielsweise auf Ihren Anruf hin etwas zu früh erzählt hat. Aber das ist normal, im Großen und Ganzen ist alles in Ordnung.

Wenn Sie es jetzt schon entscheiden müssten: Wollen Sie auch ein drittes Mal kandidieren?

Puuhh. (Pause) Vor morgen kommt heute und vor übermorgen kommt morgen. Im Ernst: Wenn die zweite Legislaturperiode vorbei ist, fehlen mir sechs Wochen bis zu meinem 63. Geburtstag.

   Bürgermeister sein – das ist mein Job. Aber es ist auch ein Job, der zehrt. Vielleicht schließt sich auch der Kreis zu dem, was Sie eben fragten: Hätten Sie nicht manchmal Lust, dass Ihnen der Kragen platzt? Ich verarbeite das anders. Und vielleicht nicht immer medizinisch völlig korrekt, indem ich Dinge mit mir selbst ausmache. Das ist nicht immer gut und strengt auch manchmal an. Gleichzeitig kann ich mir aus heutiger Sicht nicht vorstellen, mit fast 63 Jahren nichts mehr zu machen. Aber ob man sich noch mal für sechs Jahre bemühen sollte, ob das erstrebenswert ist, kann ich heute nicht beurteilen.

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erstellt am 19.Apr.2017 | 15:00 Uhr

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