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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 02:12 Uhr

Wälder der Ostenfelder Geest : Urnenfriedhof gefährdet Schutzgebiet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Förster Christoph Rabeler kritisiert den Eingriff in die natürliche Entwicklung der „Wälder der Ostenfelder Geest“.

FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Habitaten (Lebensraumtypen) dienen. Sie sind außerdem ein Teil des Natura 2000-Netzwerkes. Für alle diese Gebiete gilt ein Verschlechterungsverbot. Allerdings wird dies offensichtlich nicht immer eingehalten. Anders ist es nicht zu erklären, dass in Ostenfeld, im FFH-Gebiet „Wälder der Ostenfelder Geest“, seit Jahren eine für jedermann sichtbare Verschlechterung geduldet wird. Denn dort wurde der Ruheforst Ostenfeld im Oktober 2008 auf Kirchengrund eingeweiht.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass sich das Unterholz im Bereich des Urnenfriedhofs vollkommen lichtet, das Waldstück also eher einem Park ähnelt. Und genau dies beklagt auch der FFH-Gebietsbetreuer Christoph Rabeler. Mehrfach habe er die Untere Naturschutzbehörde des Kreises bereits darüber informiert. Dabei gelten nach seinen Aussagen ganz strenge Richtlinien. „Ich bin da sehr gespalten“, räumt der Förster freimütig ein, denn schließlich sei er ein großer Freund des Waldes und begrüße dessen natürliche Entwicklung. Doch was dort in Ostenfeld geschehe, habe nicht mehr viel mit dieser Zielsetzung zu tun.

Hauptgrund für den Park im Wald dürfte die sogenannte Verkehrssicherungspflicht sein. Denn dafür ist der Grundeigentümer, also die Kirchengemeinde Ostenfeld verantwortlich. Dazu gehört es, den Besuchern einen ungefährdeten Zugang zu ermöglichen. Dies ist auch der Grund, warum dieser Tage wieder ein großer Hubsteiger mitten im Wald eingesetzt worden ist. Von dessen Arbeitsplattform aus wird aus den Baumwipfeln Totholz entfernt, das bei Starkwind herabstürzen könnte.

„Zur Sicherheit der Menschen ist das ja nachvollziehbar und auch richtig, doch eigentlich dürfe das Holz dann nicht abgefahren werden, genauso wenig, wie Laub geharkt oder andere Veränderungen am Waldboden vorgenommen werden dürfen“, erläutert Rabeler. Auf dem Urnenfriedhof allerdings liegen keine Äste, stattdessen finden sich zusammengetragene Haufen von Busch- und Baumresten.

Den Gebietsbetreuer ärgert auch der Autoverkehr mitten im Wald. „Teilweise konnte man den gut 800 Meter langen Waldweg kaum begehen, weil ein Auto nach dem anderen kam“, sagt er etwas überspitzt. Doch das habe sich gebessert. Allerdings würden immer noch viele Besucher mit dem Auto bis zum Ruheforst fahren, da die Pforte am Waldeingang oftmals offen stehe, beziehungsweise sich nicht abschließen lasse. „Für ältere oder gehbehinderte Besucher und bei Bestattungen selbst, sollte die Anfahrt mit dem Auto aber möglich sein. Doch da sollte sich eine Lösung finden“, denkt Rabeler laut nach.

Kostspielig ist der Unterhalt des Ruheforstes für die Kirchengemeinde, denn die Wegesicherungspflicht umfasst nicht nur den Bereich der eigentlichen Urnenbeisetzungsfläche, sondern auch die sehr lange Zuwegung.

Neben den augenscheinlichen verbotenen Verschlechterungen des FFH-Waldgebietes durch den Ruheforst, besteht auch die Gefahr der Grundwasserverunreinigung: Der Landschaftsplaner und Berater von Friedhofsträgern, Andreas Morgenroth aus Hamburg, hat nämlich festgestellt, dass zur Beisetzung einer Urne die vorhandene Ortssteinschicht durchstoßen werden muss. So sei der Bereich mittlerweile porös wie ein Sieb. Hinzu komme, dass die Urnen aus biologisch abbaubaren Material bestehen und sich langsam zersetzen. Damit werde aber auch, so erläutert Morgenroth, die Asche freigesetzt. Und die sei im Regelfall so stark mit Schwermetallen kontaminiert, dass sie nicht mal im eigenen Garten vergraben werden darf. Die hohe Schwermetallbelastung stammt überwiegend aus den Beschichtungen der Krematoriumsöfen, vorwiegend Chrom und Nickel. Diese Schadstoffe sickern langsam in das Grundwasser ein.

Und mit einem gerade von Anhängern der Waldbestattungen vertretenem Argument räumt Morgenroth gründlich auf. Die Asche der Verstorbenen werde nicht von den Bäumen aufgenommen. „Der Baum wird seine Wurzeln nicht in Asche hineinwachsen lassen, da sie stark alkalisch ist. Selbst das nährstoffreiche Knochenmehl in der Asche ist daher für den Baum nicht direkt verwertbar,“ sagt der Hamburger. Mittlerweile ist dieses Problem in einigen Regionen erkannt worden. Dort dürfen nur noch Bestattungen stattfinden, wenn nicht abbaubare Edelstahlurnen verwendet werden.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 13:00 Uhr

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