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Husumer Nachrichten

27. August 2016 | 13:38 Uhr

50 Jahre Nordfriisk Instituut : „Unser Horizont ist die Zukunft“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Nordfriesische Institut in Bredstedt besteht 50 Jahre. Passend zum Jubiläum wurde jetzt der 1,2 Millionen Euro teure Anbau eingeweiht. Ministerpräsident Torsten Albig sagte weitere Unterstützung zu.

Nur der kräftige Wind spielt an diesem Tag nicht mit. Kurz bevor die Friesenfahne gelüftet und damit der Namenszug für den Anbau am Nordfriesischen Institut enthüllt werden soll, stiehlt die steife Brise den Feiernden die Schau. „Nordfriisk Futuur“ prangt weithin sichtbar an der Außenwand des 1,2-Millionen-Euro-Objekts, das die Stadt Bredstedt als Bauherrin mit kräftiger Unterstützung von Bund, Land und Kreis hat erstellen lassen. Der Name ist Programm: Im 50. Jubiläumsjahr, das gekrönt wird durch die Erweiterung des Nordfriisk Instituut um Flächen für Multimedia-Präsentationen, Veranstaltungen und das Archiv, halten alle zwar ausgiebig Rückschau. Aber der Blick ist selbstbewusst in die Zukunft gerichtet.

Eindrucksvoll unterstrich das auch die ins benachbarte Bürgerhaus ausgelagerte Jubiläumsfeier. Sie war in Wort, Bild und Musik als mehrsprachige Zeitreise angelegt. Moderatorin Elin Rosteck führte mehr als 100 Freunde, Förderer und Gäste aus dem ganzen Land kurzweilig durch fünf Jahrzehnte Nordfriisk Instituut, während der nicht minder gut aufgelegte Liedermacher Jan Graf den Bogen spannte von „Yesterday“ bis hin zu einer hörenswerten Version von „Atemlos durch die Nacht“.

„Ein Gemeinschaftswerk so notwendig wie der Küstenschutz“ ist das Nordfriisk Instituut für Inken Völpel-Krohn, Vorsitzende des Trägervereins. Bei den Bemühungen um den Erweiterungsbau hätten alle Friesen an einem Strang gezogen und überparteilich Unterstützung erfahren. Sie dankte allen, die mithalfen, den Anbau zu realisieren. Das Institut habe seit seiner Gründung viel für die friesische Sprache und Kultur geleistet, aber auch „ziemlich mittellose Zeiten“ erlebt, die die Einrichtung wiederholt in Existenznot brachten. Die Botschaft von Völpel-Krohn: „Klaar Kiming – unser Horizont ist die Zukunft – mit Ihnen allen!“

„Das Nordfriesische Institut schafft hier in der Region Identität und ist eine unverrückbare Größe in Schleswig-Holstein geworden“, betonte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig und würdigte ausdrücklich die wissenschaftliche Handschrift von Direktor Prof. Dr. Thomas Steensen. Die Einrichtung habe entscheidenden Anteil am Spracherhalt. „Deshalb hat die Landesregierung stärkstes Interesse daran, die Arbeitsfähigkeit des Instituts langfristig zu sichern – über 2017 hinaus“, sagte er mit Blick auf die vor zwei Jahren abgeschlossene Ziel- und Leistungsvereinbarung. Die Forschungseinrichtung genieße weit über die Grenzen der Region hinaus höchsten Respekt und sei ein wichtiger Partner für das Land, wenn es darum geht die Verpflichtungen aus der europäischen Sprachen-Charta sowie den Handlungsplan Sprachenpolitik umzusetzen. Die Sprachenvielfalt in Schleswig-Holstein sei einzigartig in Deutschland. Ziel ist es laut Albig, die Regional- und Minderheitensprachen „stärker sichtbar und erlebbar zu machen, um dadurch von ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert noch stärker profitieren zu können“. Sie sollen deshalb im gesamten Bildungsbereich – von der Kita bis zum Studium – verankert werden. Die Landesregierung setze auf eine moderne Minderheitenpolitik, bei der Mehr- und Minderheiten auf Augenhöhe und mit einem gleichberechtigten Nebeneinander der Sprachen das Land gestalten. „Das stärkt die kulturelle Vielfalt, um die uns andere in Europa beneiden“, so Tosten Albig.

Mit Blick auf die Flüchtlingssituation und die „Herkulesaufgabe“ der Integration warb er für einen modernen Heimatbegriff, „der ein- und nicht ausschließt – stolz sein auf Heimat ja, aber eben nicht in der Geringschätzung anderer“. „Wir wissen, wer wir sind und wo wir herkommen, aber damit haben wir auch einen intellektuellen Anknüpfungspunkt, anderen Brücken zu bauen, hier eine Heimat zu finden“. Die gelte gerade für Nordfriesland mit seiner Mischung aus Bodenständigkeit und Toleranz.

Lob und Anerkennung für die vorbildliche Arbeit des Instituts gab es bei der Feier ebenso reichlich wie Appelle, die Einrichtung in Zukunft dauerhaft abzusichern. So mahnte Kuratoriums-Sprecher Dr. Jørgen Kühl ebenso wie der SSF-Vorsitzende Jon Hardon Hansen eine angemessene institutionelle Förderung des Bundes an. Und während Albigs Herausforderer bei der Landtagswahl, der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing, den Friesen zusicherte, ein verlässlicher Partner zu bleiben, betonte die Friesenrats-Vorsitzende Ilse Johanna Christiansen: „Wir brauchen mehr Geld und mehr Manpower.“ Denn: „Der Einsatz gegen das Sprachensterben ist genauso wichtig, wie der gegen das Artensterben“, bekräftigte Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der Europa-Universität Flensburg. Landrat Dieter Harrsen mahnte, gemeinsam eine Lösung zu suchen, damit die gute Arbeit ohne Existenzängste fortgesetzt werden kann. Und Bredstedts Vize-Bürgermeister Christian Schmidt warb um weitere Förderer, um die nächsten Schritte des Innenausbaus realisieren zu können.

Instituts-Direktor Steensen dankte allen, die sich haupt- und ehrenamtlich engagieren. Er sprach von einem „immensen Nachholbedarf“, was die Förderung der friesischen Sprache angeht. Und zum Modellversuch, Sprache auszustellen: „Wir wollen deutlich machen, dass die friesische Sprache nicht der Vergangenheit angehört. Sie hat im Gegenteil enormes Potenzial für die Zukunft Nordfrieslands.“ Denn der schnelle Wandel biete auch neue Möglichkeiten. „Ich bin überzeugt davon, dass die friesische Sprache in 100 Jahren sehr präsent sein wird und zwar ganz anders als das vor 100 Jahren der Fall war“, sagte er. Und: „Richtig betriebene Geschichts- und Regionalforschung ist auf die Zukunft gerichtet und so ist auch der Name des Erweiterungsbaus zu verstehen.“

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erstellt am 06.Dez.2015 | 18:00 Uhr

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