zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

27. September 2016 | 14:07 Uhr

Weisser Ring Nordfriesland : Trost und Beistand für die Opfer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Weiße Ring Nordfriesland-Nord zieht Bilanz – und sucht händeringend ehrenamtliche Mitarbeiter, vor allem auf den Inseln Sylt und Föhr.

Sie sind sehr großzügig, wenn es um Spenden geht. Dabei dreht es sich allerdings nicht um finanzielle Mittel, die sie zur Verfügung stellen, sondern um etwas viel wertvolleres: ihre Zeit. Die fünf ehrenamtlichen Mitarbeiter der Außenstelle Nordfriesland-Nord des Weißen Rings spendeten gemeinsam im vergangenen Jahr etwa 2000 Stunden Trost und Beistand für Menschen in Not. Diese Bilanz zog die zuständige Leiterin Susanne Borrett während eines Pressegesprächs in der Amtsverwaltung Mittleres Nordfriesland.

Die Opferschutz-Organisation „Weisser Ring“ kümmert sich um Menschen, die Körperverletzungen erfahren haben, bedroht werden, Opfer von sexuellen Übergriffen, häuslicher Gewalt, Einbruch, Diebstahl sowie Stalking sind, sowie deren Angehörige. Im Bereich NF-Nord – die Region von Bredstedt bis zur dänischen Grenze mit den Inseln – suchten 2015 insgesamt 40 Opfer, darunter 60 Prozent Frauen und ein Viertel Jugendliche, um Hilfe nach. Für sie sei das ein schwerer Schritt, weiß Susanne Borrett aus Erfahrung. „Die Opfer haben Schwierigkeiten, sich an entsprechende Organisationen zu wenden. Es dauert lange, ehe sie die Hemmschwelle überwinden.“

„Wir sind zwar keine Therapeuten, aber wir versuchen, die Menschen zu stabilisieren und geben ihnen Halt. Wir nehmen uns Zeit zum Zuhören und gerade das ist wichtig, um einen Weg vom Trauma bis zum normalen Leben zu finden“, erläutert Susanne Borrett. Die Mitarbeiter des Weißen Rings verstehen sich auch als Lotsen durch das große Netzwerk von lokalen Hilfsorganisationen und Kooperationspartnern. „Wir begleiten die Menschen zu Anwälten, Psychologen, Behörden, Gerichten und anderen Institutionen. Außerdem helfen wir beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen“, erklärt Susanne Borrett das Innenleben der Außenstelle.

Eine finanzielle Unterstützung der Opfer ist ebenfalls möglich. Wie beispielsweise in Form von Hilfe-Schecks für anwaltliche und psychotraumatologische Erstberatungen, als Soforthilfe und Opferhilfe. Für den Bereich Nordfriesland-Nord waren es im Vorjahr rund 4000 Euro, die die Opfer erhielten. Der Weiße Ring, dem deutschlandweit 18 Landesverbände, 420 Außenstellen, knapp 3000 ehren- und mehr als 80 hauptamtliche Mitarbeiter angehören, finanziert sich durch Spenden, aus Nachlässen, Zuwendungen durch das Finanzamt sowie finanzielle Strafen nach Gerichtsurteilen.

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit gehören ebenfalls zu den Aufgaben des Weißen Rings. 2015 besuchten im Norden des Kreisgebiets rund 400 Kinder in Schulen und Kindertagesstätten das Puppentheater „Pfoten weg“, das sich mit sexuellem Missbrauch beschäftigt. Es gab Seminare für die Öffentlichkeit zum Thema Einbruch, zwei Selbstverteidigungskurse für Frauen und Jugendliche, Vorträge bei verschiedensten Institutionen und Vereinen, Infostände, Treffen mit Kooperationspartnern sowie Zusammenkünfte der Mitarbeiter und deren Ausbildung.

Apropos: Jeder kann sich in der Organisation engagieren und zwar in unterschiedlichen Bereichen. „Die Zeit ist individuell gestaltbar. Wir suchen händeringend ehrenamtliche Mitarbeiter, gerade auf den Inseln Sylt und Föhr“, macht Susanne Borrett aufmerksam (Kontakt zu Außenstelle über www.weisser-ring.de).

Was treibt sie an? „Ich gebe nicht nur, sondern bekomme auch etwas zurück“, fasst sie zusammen. Ihr Kollege Rolf Johannsen, ehemaliger Polizist in Husum, Niebüll und auf Sylt, beantwortet die Frage so: „Ich habe mich früher berufsbedingt intensiv um die Täter gekümmert. Nun bin ich Rentner und die Opfer sind dran, denn sie kamen immer zu kurz.“ Eigentlich war er der Meinung, dass ihm als Polizist mit Blick auf Straftaten nichts mehr fremd sei. Allerdings: „Manches haut auch mich noch um.“

Der nächste Termin der Außenstelle Nordfriesland-Nord des Weißen Rings: Am 15. März hält Hauptkommissar a. D. Bernhard Stitz einen Vortrag zum Thema „Kaffeefahrten und Co.“ im Tondern-Treff der Stadt Bredstedt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert