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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 13:14 Uhr

Schottland trifft Nordfriesland : Trommlerin mit Leib und Seele

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Husumerin Dörte Hansen ist die einzige zertifizierte Tenor- und Show-Drummerin in Schleswig Holstein – doch bis dahin war es ein langer Weg.

Wenn die Schotten zu einem Cèilidh einladen, dann dürfen sich die Gäste auf eine Tanzveranstaltung mit traditioneller Musik freuen. Genau das ist auch das Anliegen der Band „Ceilidh Project“, die sich der schottischen Folkmusik verschrieben hat. Neben dem Dudelsack beherrscht Jörg Bernkopf alias Bagpiper Reed auch Didgeridoo, Mandoline, Whistle und Bodhran, während Erik Frotscher Gitarre spielt und Gordon Mc Pherson die Bässe liefert. Für den Rhythmus sorgen Snare-Drummer Rune Quint und die Husumer Tenor-Drummerin Dörte Hansen. Sie ist seit zwei Jahren dabei und derzeit die einzige zertifizierte Tenor- und Show-Drummerin in Schleswig Holstein.

Der Pipe-Szene fühlt sich die gebürtige Eiderstedterin schon seit mehr als zwei Jahrzehnten eng verbunden. „Feuer gefangen habe ich 1996 während eines Schottland-Urlaubs. Dort erlebte ich zum ersten Mal Piper und Drummer in Aktion und war total fasziniert.“ Weil sie der Gedanke daran auch zu Hause nicht mehr losließ, fuhr sie 2003 erneut nach Schottland, und als die Begeisterung für die traditionellen Dudelsackklänge sofort wieder aufflammte, wusste sie: „Ich muss unbedingt selbst einmal eine Bagpipe in die Hand nehmen!“

Dem Tipp eines Bekannten folgend besuchte sie Ende 2004 einen Übungsabend der „Watten-Pipeband“ in Hattstedt. Doch die lang ersehnte Begegnung mit dem Dudelsack verlief für sie enttäuschend: „Ich merkte sofort, das ist nicht mein Instrument.“ Doch dann drückte ihr jemand die Tenortrommel in die Hand und sagte: „Dafür brauchen wir noch einen Spieler.“ Der Musik zuliebe beschloss Dörte Hansen, es wenigstens zu probieren. Ihr Interesse wuchs, als sie erfuhr, dass die Tenor-Drum ein Show-Instrument ist, bei dem es nicht nur um das Taktangeben geht, sondern auch darum, kunstvoll mit den Schlegeln zu wirbeln und so das optische Aushängeschild der Band zu sein.

Für Dörte Hansen, die nie zuvor ein Instrument gespielt hatte, folgte eine lange Zeit des intensiven Übens. In dieser Phase nutzte sie jede Gelegenheit, mit Profi-Trommlern ins Gespräch zu kommen. „Als ich mehr als eine Ahnung davon hatte, worauf es beim Show-Trommeln ankommt, packte mich der Ehrgeiz und ich belegte Kurse an der renommierten Scandinavian School of Piping and Drumming“, erzählt sie. Ihr Können perfektionierte sie im Laufe der Zeit im Rahmen von Workshops und bei der Hamburger Band „Baul Muluy Pipes & Drums“. Mit dieser Formation, die zu den besten Pipebands Deutschlands zählt, errang sie 2007 den Titel des Deutschen Meisters/Drumcorps.

Auch solo – nur begleitet von einem Dudelsackspieler und einem Trommler – spielte sie bei diversen Wettbewerben beachtliche Platzierungen und Bewertungen ein. „Zu meinen absoluten Highlights zählt das Canadian International Military Tattoo 2010 in Toronto. Die „Caledonian Pipes and Drums“ aus Hamburg hatten mich gefragt, ob ich sie als Show-Trommlerin dorthin begleiten würde. Vor mehr als 8000 Zuschauern war unser Auftritt ein gigantisches Erlebnis“, schwärmt sie noch heute von diesem wunderbaren, militärischen Musikspektakel in Kanada.

Seit 2011 geht sie es etwas ruhiger an, pflegt aber nach wie vor den Kontakt zu ihren internationalen Weggefährten in der Pipeszene. Ab und zu hilft die 50-Jährige bei den „Watten-Pipern“ oder bei ihren Hamburger Bands aus und widmet sich ansonsten ihren Choreografien. Wobei das Training durchaus eine sportliche Herausforderung ist: „Es ist wie ein Workout, das ein Höchstmaß an Konzentration erfordert. Beim Üben komme ich ganz schön ins Schwitzen und zugleich den Kopf frei“, sagt die Service-Mitarbeiterin eines Husumer Modehauses, die nach der Arbeit gerne in den schottischen Kilt schlüpft. Konzentriert beginnt sie zu trommeln und wirbelt dabei die Schlegel kreuz und quer, rauf und runter, in alle Richtungen und um den Körper herum. Die Bewegungen wirken wie zufällig, und doch trifft sie immer wieder mit sattem „Bumm“ das Trommelfell – auf den Takt genau.

„Diese Musik ist so wunderbar lebendig, sie passt einfach zu mir“, erklärt Dörte Hansen, von der Bandleader Jörg Bernkopf sagt: „Sie ist so ziemlich das Beste im Norden auf ihrem Instrument.“ Er hat die Husumerin vor zwei Jahren bei einem Auftritt auf Gut Oestergaard erlebt und ins „Ceilidh Project“ geholt.

Zu sehen ist die Gruppe „Ceilidh Project“ am Freitag, 25. November, in Christiansens Gasthof in Hattstedt. Unter dem Motto „St. Andrews goes Hattstedt“ gestaltet die Formation gemeinsam mit der Watten-Pipeband einen schottischen Abend mit landestypischer Folkmusik – natürlich wie immer im original schottischen Kilt. Als Gast tritt die Sängerin Mahara Jacobsen mit schottischen Evergreens auf. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr.

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