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Husumer Nachrichten

28. August 2016 | 14:07 Uhr

Bestand weiter rückläufig : Trauerspiel um Trauerseeschwalbe

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nur zwölf Küken der bedrohten Art wurden in diesem Jahr auf Eiderstedt flügge. Experte Claus Ivens nennt Witterung und Nahrungsmangel als Ursachen. Er fordert ein anderes Wassermanagement für die Gräben der Halbinsel.

Es werden einfach nicht mehr Trauerseeschwalben auf Eiderstedt, auch nicht im EU-Vogelschutzgebiet. In diesem Jahr zählte Experte Claus Ivens 20 Brutpaare und zwölf flügge Küken, im vergangenen Jahr waren es 21 Paare und 21 Küken. Die Witterung, der Wasserstand in den Gräben und davon abhängig das Nahrungsangebot an Insekten und Fischen haben einen größeren Bruterfolg verhindert, wie Ivens erklärt. Damit setzt sich der Negativ-Trend fort. So waren es 2003 noch 58 Brutpaare und 103 flügge Küken. Einen großen Einbruch verzeichnete Ivens 2009: 36 Paare zogen acht Jungvögel auf. 2008 waren es noch 51 Paare, allerdings wurden nur zwei Küken flügge.

Der ehemalige Landwirt aus Kotzenbüll ist seit seiner Jugend fasziniert von dem zierlichen Vogel und kümmert sich seit Jahrzehnten um den Schutz dieser vom Aussterben bedrohten Art, die auf künstlichen Nistflößen auf Tränkekuhlen in den Weiden der Halbinsel brütet. Die legen Ivens und ein Team des Naturschutzbunds Kiel in jedem Frühjahr aus. 121 sind es im EU-Vogelschutzgebiet, 29 im Oldensworter Vorland. Für sein Engagement wurde er 2011 von den Lesern des sh:z bei der Aktion „Mensch des Jahres“ landesweit auf den dritten Platz gewählt.

„In diesem Frühjahr hatten wir zu wenig Wasser in den Gräben und damit zu wenig Fische. Sogar die sonst üblichen Brautgeschenke unter den Vögeln in Form von Stichlingen oder Moderlieschen blieben aus“, so Ivens. Durch den langen und kalten Winter hätte es ferner Insekten in großen Mengen erst vier Wochen später als normal gegeben. „Viele Gelege bestanden nur aus zwei Eiern, üblich sind drei.“ Außerdem hatten die Küken im Juni mit Kälte und Starkregen zu kämpfen. Und das zu einer Zeit, wo ihr Federkleid viel Feuchtigkeit aufnimmt und die Eltern sie nicht mehr wärmen – ein Todesurteil.

Zwar legten einige Brutpaare noch einmal neu, doch reichte das Nahrungsangebot vielfach nicht. „Wir hatten zwar im Juni reichlich Regen, doch das Leben in den Gräben war bereits tot“, so Ivens. Er fordert seit Jahren ein anderes Wassermanagement seitens des zuständigen Deich- und Hauptsielverbands Eiderstedt. Im Herbst müsse so viel Wasser in den Gräben sein, dass ein Ausfrieren im Winter verhindert wird, und im Sommer so viel, dass der Sauerstoffgehalt ausreichend für Insekten und Fische sei. Um deren Lebensraum zu verbessern, wurden im Vogelschutzgebiet in diesem Jahr weitere zehn Kilometer Graben von Schlamm und Schilf befreit.

Das Überleben haben einige Trauerseeschwalben sicherlich dem Verein Weideland Eiderstedt zu verdanken. Wie schon in den Vorjahren hatte dieser im Frühjahr im Bereich des EU-Vogelschutzgebiets in Westerhever und Poppenbüll wieder Stichlinge in den Gräben ausgesetzt. Sie waren zuvor aus der Eider entnommen worden. Dem eigenen Zugtrieb können sie vielfach nicht folgen, da der Weg vom Fluss in die Parzellengräben durch Siele und Staue versperrt ist. „Wir haben diesmal auch eine größere Fläche bedient, damit haben wir den Graureiher von den Brutkolonien weggelockt“, erklärt Ivens.

Graureiher bedienen sich nämlich auch gern einmal an den Gelegen. Doch solche „Raubvögel“ bereiteten in diesem Jahr insgesamt keine Probleme. Es gab sogar einen positiven Effekt. Auf einer Tränkekuhle hatte sich ein Austernfischer auf einem Nistfloß angesiedelt – in Nachbarschaft zu den Trauerseeschwalben. Normalerweise ist er eher eine Bedrohung, da einige Exemplare dieser Art gern die Gelege der Trauerseeschwalben plündern. Doch in diesem Fall vertrieb das Austernfischer mit Vehemenz alle Feinde seiner Küken wie beispielsweise Krähen.

Und noch eine interessante Beobachtung hat Ivens in diesem Sommer gemacht: Er fotografierte eine mit einem Aluminium-Ring markierte Trauerseeschwalbe. „Auf Eiderstedt machen wir das nicht, also muss sie aus einer anderen Gegend stammen“, so der passionierte Naturschützer. Und das ist das Ungewöhnliche, denn: „Wir gehen eigentlich davon aus, dass diese Vogelart standorttreu ist. Diese Beobachtung ist nun der Gegenbeweis.“ Nach seinen Recherchen müsste sie aus Brandenburg stammen. Dort im Havelgebiet gibt es große Trauerseeschwalbenkolonien, die mit Aluminiumringen versehen werden. „Vielleicht ist sie von dort abgewandert oder beim Zug im Frühjahr von Afrika nach Norddeutschland vom Weg abgekommen, wer weiß?“ Was Claus Ivens auf jeden Fall weiß, ist, dass er sich auch im nächsten Jahr wieder für „seinen“ Vogel einsetzen wird.

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erstellt am 13.Nov.2013 | 17:00 Uhr

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