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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 01:21 Uhr

Vogelschutz in Eiderstedt : Trauerseeschwalben kommen zurück

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eiderstedt ist für die bedrohten Vögel ein wichtiges Refugium. 2009 wurden rund 7000 Hektar Schutzgebiet geschaffen. Geholfen hat dies bislang jedoch wenig – die Zahlen der Trauerseeschwalben sinken dramatisch.

Dieser Tage werden die Trauerseeschwalben auf Eiderstedt zurückerwartet. Bis zu 10.000 Kilometer haben die amselgroßen Vögel bei der Reise aus ihren Winterquartieren in Afrika dann zurückgelegt. Die Halbinsel ist für den vom Aussterben bedrohten Vogel ein wichtiges Refugium in Schleswig-Holstein. Deswegen wurden dort 2009 insgesamt rund 7000 Hektar in drei Arealen zum EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen – trotz starker Proteste von Teilen der Bevölkerung, vor allen Dingen der Landwirte.

Geholfen hat das Schutzgebiet bislang dennoch wenig, die Zahlen sinken dramatisch. Im vergangenen Jahr zählte der zuständige Biologe Frank Hofeditz nur 18 Brutpaare, es wurden gerade einmal zehn Küken flügge (wir berichteten). Als Gründe für den Rückgang werden zum einen die schlechten Wetterbedingungen in der Brutsaison genannt – zu windig, zu trocken, zu nass, zu kalt – und zum anderen das schlechte Nahrungsangebot. Viele Gräben führen zu wenig Wasser, daher können sich dort keine Fische und Insekten halten. Und Küken, die nicht an Kälte, Nässe oder Hunger gestorben sind, werden möglicherweise Opfer von Prädatoren wie Fuchs, Marder oder Reiher.

Ohne Hilfe kann die Trauerseeschwalbe nicht einmal ihr Brutgeschäft verrichten. Seit 1989 verteilen daher Claus Ivens aus Kotzenbüll und Mitglieder des Naturschutzbunds (Nabu) Kiel kleine Flöße auf Tränkekuhlen in den Bereichen Westerhever, Poppenbüll und Kotzenbüll. Jetzt war es wieder so weit. Die Ehrenamtler legten auf fünf Kuhlen 75 dieser schwimmenden, künstlichen Nisthilfen aus. Und Frank Hofeditz hat weitere vier Kuhlen in Poppenbüll und Tetenbüll mit insgesamt 36 Flößen ausgerüstet. „Aber noch ist es den Trauerseeschwalben zu kalt und zu windig, um mit dem Brutgeschäft anzufangen“, sagt Claus Ivens. Die ersten Exemplare seien zwar schon am Eidersperrwerk gesichtet worden, aber mit dem Weiterzug ins Binnenland warten sie, bis genügend Insekten da sind – denn auch denen ist es noch nicht warm genug. Mit Sorge betrachtet Ivens auch den Zustand der Gräben, viele sind zugewachsen oder verschilft, da steht kein Wasser, und damit gibt es dort keine Fische. Große Hoffnung setzt er auf das Graben-Entwicklungsprogramm des Kreises Nordfriesland, das im vergangenen Jahr gestartet wurde. 50 Kilometer Gräben habe er dafür schon zusammen. Nun wartet er auf ein Signal vom Kreis, dass es losgehen kann.

Hilfe bekommt die Trauerseeschwalbe auch vom Eiderstedter Naturschutzverein. Volquart Hamkens und Jan Rabeler waren unterwegs, um sechs Kuhlen im Bereich Westerhever-Heerstraße mit je fünf Nisthilfen zu bestücken. Rabeler hat sich ein neues System ausgedacht: Die kleinen Flöße werden nicht mehr einzeln in der Kuhle verankert, sondern sind auf einem Holzrahmen angebracht, der mit zwei Seilen an Pfählen vertäut wird. „So können sie nicht mehr in der Kuhle verdriften, sondern bleiben an Ort und Stelle“, so Hamkens. „Und der zweite große Vorteil ist, dass sie viel stabiler sind. Wenn eine Ente drauf steigt, kippen sie nicht zur Seite weg.“ Zudem habe der Reiher, der sich gern mal an Eiern und Küken gütlich tut, keine Landemöglichkeit, da der Holzrahmen unter der Wasserlinie liege. „In den vergangenen zwei Jahren wurden die Nester von den Trauerseeschwalben sehr gut angenommen“, so Hamkens. Aber bedauerlicherweise habe es kaum Bruterfolge gegeben. Entweder habe es am Wetter oder an Fuchs und Marder gelegen.

Als Oberdeichgraf von Eiderstedt gilt Jan Rabeler vielen Naturschützern allerdings als Feind der Trauerseeschwalben. Jüngst geriet der Deich- und Hauptsielverband (DHSV), dem er vorsteht, in die Schlagzeilen: Der Nabu hatte mit seiner Klage wegen der Wasserstände auf Eiderstedt vor dem Oberverwaltungsgericht Erfolg. Ziel des Nabu war es, den beklagten Kreis Nordfriesland zu verpflichten, dem DHSV Maßnahmen aufzugeben, mit denen die Lebensbedingungen der Trauerseeschwalbe verbessert werden können. Hauptproblem seien die zu niedrigen Wasserstände in den Sielzügen und Gräben. „Aber so lange viele Gräben von Modder und Schlick nicht geräumt sind, kann da auch kein Wasser durchfließen. Da können wir noch so viel Wasser im Land lassen“, sagt er. Doch die Landeigentümer seien nicht dazu verpflichtet, die Gräben offen zu halten. So plädiert auch Rabeler für ein entsprechendes Räumprogramm. Ein weiteres Problem sieht er in der Bürokratie: Die Umsetzung von Projekten, beispielsweise aus dem Managementplan für das EU-Vogelschutzgebiet, dauere zu lange.

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erstellt am 29.Apr.2016 | 10:00 Uhr

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