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Husumer Nachrichten

07. Dezember 2016 | 15:31 Uhr

Bahnstrecke Niebüll-Westerland : Trassen-Konkurrenten nähern sich an

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Streit zwischen der Deutschen Bahn und ihrem amerikanischen Konkurrenten war Thema im Wirtschaftsausschuss des Kreises. Ein neues Konzept soll die Probleme entschärfen.

Sind die Weichen für eine Einigung in Sachen Sylt Shuttle jetzt endlich gestellt? Die Vertreter der Deutschen Bahn und des Landes meinen ja, stießen im Wirtschaftsausschuss des Kreises damit aber eher auf Skepsis.

Denn Signal-Störungen gab es bislang mehr als genug. Verspätungen, Zugausfälle, lange Staus bei der Autoverladung: Die teilweise chaotischen Zustände auf dem Hindenburgdamm treiben seit Monaten Pendler und Touristen zur Verzweiflung – und Nordfrieslands Politiker auf die Barrikaden. In der jüngsten Kreistagssitzung forderten sie, dass die Deutsche Bahn AG die Missstände behebt – und zwar „unverzüglich“. Auch das Land sei in der Pflicht: Wer die Leistung auf der Schiene bestellt, müsse auch dafür sorgen, dass ein ordnungsgemäßer Betrieb auf der Strecke Niebüll – Westerland sichergestellt ist, lautet die Kernaussage eines von der CDU eingebrachten und von allen sieben Fraktionen getragenen Antrags. Also beauftragte der Kreistag den Wirtschaftsausschuss damit, die Situation mit Manuela Herbort und Bernhard Wewers zu erörtern. Dazu reisten jetzt die Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG (DB) und der Nah.SH-Geschäftsführer aus Hamburg und Niebüll an – zusammen mit dem DB-Leiter Inselverkehre, Alfred Onken.

Seitdem die Bahn Anfang vergangenen Jahres ihr Monopol für die lukrative Strecke zwischen Sylt und dem Festland verloren hat, gibt es Streit – zum Leidwesen der Kunden. Eigentlich sollte sich die DB mit dem US-Eisenbahnbetreiber Railroad Development Cooperation (RDC) abstimmen, wer die Verbindung künftig zu welchen Zeiten nutzen will. Eines der Probleme: Die Rangierfahrten des umstrittenen „Sylt Shuttle plus“, den die Bahn auf die Schiene gebracht hat, hält in Niebüll und Westerland oft den übrigen Betrieb auf. Jährlich werden knapp eine Million Autos mit dem Zug auf der Strecke transportiert. Doch nicht nur die Bahn, auch RDC macht keine glückliche Figur. Eigentlich sollte die neue alternative Autozug-Verbindung bereits im Februar gestartet sein. Doch wann es endlich losgeht mit der Konkurrenz, steht noch immer nicht fest. Den Oster-Reiseverkehr musste RDC bereits dem Konkurrenten überlassen.

„Ja, wir hatten zum Jahresstart eine grottenschlechte Betriebsqualität für den Kunden“, gab DB-Vertreterin Herbort unumwunden zu. „Doch wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Rangier-Probleme entschärft.“ Der Fuhrpark werde unter anderem mit sieben neuen Loks aufgestockt. Darüber hinaus hätten die beiden Unternehmen ihre Trassen-Konflikte mit einem speziellen Vergabeverfahren gelöst, so Herbort. Auch einen neuen Fahrplan gebe es seit dieser Woche. Darin sind auch RDC-Züge mit acht Fahrten pro Tag verzeichnet. Dieser Plan gelte allerdings nur bis zum 12. Juni. Das sei der Wunsch von RDC gewesen, so die Bahn-Sprecherin.

„Warum ist eigentlich niemand von RDC hier?“, fragte Matthias Piepgras (SPD), den die Lösung der Hausaufgaben offensichtlich nicht überzeugte. „Es hat einen Imageschaden für die gesamte Region gegeben. Und der ist nach wie vor Thema“, sagte er. „Das ist kein Vieh, das wir dort transportieren, das sind Menschen.“ Das Land nehme das Thema durchaus ernst, entgegnete Nah.SH-Chef Wewer. „Mittlerweile wird wieder eine Pünktlichkeit von mehr als 90 Prozent erreicht – sie lag im Dezember nur bei rund 70 Prozent“, fügte er hinzu. Außerdem habe der Verkehrsausschuss des Bundesrats zwei Anträge Schleswig-Holsteins abgesegnet, die zumindest mittelfristig helfen würden, den Nahverkehr zwischen der Insel und dem Festland wieder reibungsloser als heute abwickeln zu können und eine Reform des geplanten Eisenbahnregulierungsgesetzes in die Wege zu leiten.

Was passiert, wenn RDC fährt? Wann ist der Starttermin? Wie teuer werden die Fahrkarten? Fragen an das Konkurrenz-Unternehmen gab es viele. Was kaum jemand wusste: Eine Vertreterin des Bahn-Konkurrenten war die ganze Zeit anwesend – im Zuschauerbereich.

Auf die vielen Fragen hätte Meike Quentin, Leiterin Unternehmenskommunikation RDC-Autozug, vielleicht die eine oder andere Antwort geben können. Aber sie durfte nicht, weil sie kein Rederecht hatte. Kreis-Pressesprecher Hans-Martin Slopianka nennt den Grund: „Der Kreistag hat nicht beschlossen, die Unternehmen RDC und DB-Autozug einzuladen, sondern die Behörden und Institutionen, die für die grundlegenden Entscheidungen zuständig sind.“ Quentin hätte für eventuelle Wortmeldungen die Bürgerfragestunde nutzen müssen. „Eine weitere direkte Beteiligung von Bürgern im Sitzungsablauf sieht der Gesetzgeber nicht vor, weil wir ja eine repräsentative Demokratie haben, in der die gewählten Abgeordneten die Bürger vertreten“, erläutert Slopianka. Die RDC-Vertreterin hätte außerdem zu Wort kommen können, wenn eine Fraktion in der Sitzung den Antrag gestellt hätte, sie anzuhören. „Dass offensichtlich niemand Wert darauf gelegt hat, hängt sicherlich damit zusammen, dass der Kreistag den Ausschuss beauftragt hatte, einen bestimmten Themenbereich abzuarbeiten, zu dem RDC als lediglich ausführendes Unternehmen nicht viel beitragen konnte.“

Auf die Frage, ob sie mit der von der Bahn dargestellten Einigung zufrieden sei, antwortete Quentin nach der Sitzung auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir freuen uns über die Kooperation mit der Deutschen Bahn, die über Nah.SH moderiert wird. Aber die Einigung hat nichts mit den Ursachen für die Verspätungen zu tun. Natürlich wollen wir auch ein positives Signal senden, aber an den großen Stellschrauben müssen andere drehen“, machte sie deutlich.

Nicht nur die Kreispolitiker hoffen nun, dass der Sylt Shuttle aufs richtige Gleis gesetzt wird. Am Ende beschloss der Wirtschaftsausschuss jedenfalls, in einer seiner nächsten Sitzungen mit den fahrenden Unternehmen zu sprechen. Und dann wird auch RDC zu Wort kommen.

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erstellt am 28.Apr.2016 | 13:00 Uhr

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