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Husumer Nachrichten

06. Dezember 2016 | 09:17 Uhr

Verlosung löst Zoff aus : Tombola spaltet Schwabstedter Verein

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mitglieder des Handels- und Gewerbevereins Schwabstedt kommunizieren nur noch über Anwälte miteinanander. Auslöser ist die Bauernmarkt-Verlosung. Nun wird auch der Vereins-Vorsitzende nicht mehr als „Erster“ anerkannt.

Ein Riss geht durch die Treenegemeinde Schwabstedt, genauer durch den örtlichen Handels- und Gewerbeverein. Dessen Mitglieder sind derart zerstritten, dass sie nur noch durch anwaltliche Schreiben miteinander kommunizieren. Selbst der Bürgermeister sah sich in der jüngsten Gemeindevertreter-Sitzung genötigt, ein paar Worte zum Konflikt innerhalb des Vereins zu verlieren. Dabei wollen offensichtlich alle nur das Eine: Wollen den Schwabstedter Bauernmarkt weiterhin attraktiv ausrichten und wie bisher zu einem Publikumsmagneten für die ganze Region machen.

Begonnen hat der Ärger eigentlich schon während des jüngsten Bauernmarktes. Traditionell gibt es dort nämlich eine große Tombola, die mit attraktiven Preisen lockt. Der neue HGV-Vorsitzende Andre Selke wurde darüber informiert, dass die Tombola nicht wie eigentlich vorgeschrieben, beim Ordnungsamt angemeldet worden war – und dies nicht erstmals, sondern bereits seit 13 Jahren eine Meldung nicht erfolgt ist. Daraufhin wollte er die Tombolalose zählen, um die Verlosung noch nachträglich beim Ordnungsamt zu melden. Die Nichtmeldung hätte nämlich als ein strafbares Verhalten ausgelegt werden können. Doch dies sei ihm von den „Machern“ der Tombola – einigen Vorstandsmitgliedern – verwehrt worden, sagt Selke. Schließlich wurde, wie Bürgermeister Jürgen Meyer in der jüngsten Gemeindevertreter-Sitzung mitteilte, die Lostrommel im Einvernehmen mit Marktvogt Hans-Hermann Salzwedel verklebt und mit einem handschriftlichen Vermerk versehen im Bürgermeisterbüro deponiert. Am drauffolgenden Montag seien die Lose unter Zeugen schließlich durchnummeriert worden, denn dies sei, wie der Gemeinde-Chef ausführte, Pflicht.

Doch die Lose sind nicht die einzigen Konfliktpunkte. Die Bauernmarktkasse, sprich die Einnahmen der Verlosung, verursachte schon einmal vor Jahren, als sie gestohlen wurde, Ärger. Diesmal sind die Gelder nicht weg, sondern der HGV-Vorsitzende bekommt trotz mehrfacher Nachfrage keine Auskunft über die Tombola-Erträge, so Selke. Nun wollte er als Vereins-Vorsitzender auch alle Unterlagen der Tombola und die Abrechnungen der vergangen Jahre einsehen. „Die Einsicht wurde mir bis heute verweigert.“ Ihm werde nämlich unterstellt, er misstraue seinen Vereinskollegen. „Davon kann gar keine Rede sein, ich möchte nur wissen, wie es um die Kasse bestellt ist, wie die Gelder verwendet wurden, und wie es im nächsten Jahr weitergehen soll“, sagt der Vereins-Chef, der erst Ende Februar dieses Jahres einstimmig in sein Amt gewählt worden ist.

Doch auch das bezweifeln mittlerweile seine Widersacher im Handels- und Gewerbeverein, obwohl sie nach Selkes Wahl noch gemeinsam mit ihm für ein Foto posierten. In einem anwaltlichen Schreiben wird unterstellt, dass Selke gar kein Vorsitzender sei. Dazu heißt es: „Selbst wenn er hierzu einmal gewählt worden sein sollte, ist dies aber nicht in notariell beglaubigter Form zum Vereinsregister angemeldet worden ist.“ Schließlich sei bekannt, dass allein das Vereinsregister die entsprechende nach außen wirksame Legitimation verleihe.

„Bislang liegt mir das Sitzungsprotokoll noch gar nicht vor, und das ist für eine Meldung notwendig“, sagt dazu Selke. Er will aber nun schnell die Meldung nachholen. Bislang, so merkt er an, habe eigentlich immer die Wahl in der Jahresversammlung gereicht, um als Vorsitzender legitimiert zu sein.

In einem Schreiben seines Anwalts teilte der Vorsitzende denn auch mit: „Wir dürfen nochmals ausdrücklich klarstellen, dass das Verhalten des ersten Vorsitzenden kein Misstrauen oder Vorwurf gegen den übrigen Vorstand darstellt. Der erste Vorsitzende möchte lediglich rechtskonform handeln und Haftungsrisiken für sich, aber auch die übrigen Vorstandsmitglieder soweit wie möglich vermeiden.“

Doch auch das nützte nichts, selbst ein Klärungsversuch in der vergangenen Woche brachte kein Ergebnis und Andre Selke immer noch keinen Einblick in die Kassenbücher, obwohl laut Vereinsrecht der Kassierer dazu eigentlich verpflichtet ist. „Jetzt sieht es so aus, dass ein Teil des Vorstandes wohl versuchen wird, mich in der nächsten Jahresversammlung, im Februar 2017, abwählen zu lassen“, sagt ein sichtlich genervter HGV-Vorsitzender, der die Verweigerungshaltung der Bauernmarkt-Macher nicht nachvollziehen kann.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 15:00 Uhr

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