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Husumer Nachrichten

30. Mai 2016 | 10:40 Uhr

Herpes-Epidemie im Stall : Todesvirus in Mildstedt: Sechs Pferde im Reitverein gestorben

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Herpes-Epidemie grassiert in den Stallungen des Mildstedter Reit- und Fahrvereins. Bereits sechs Tiere sind an der Infektionskrankheit gestorben. Aus Sicherheitsgründen wurden Turniere abgesagt.

Mildstedt | Im Mildstedter Reit- und Fahrverein (RuFV) bei Husum herrscht Verzweiflung. Dort war in einem Stall Anfang Februar Pferde-Herpes ausgebrochen, ein Pony an den Folgen der Infektion gestorben. Mittlerweile aber sind, nachdem es noch vor eineinhalb Wochen positive Meldungen von Tierärzten und Vorstand über die Eindämmung der Infektion gab, fünf weitere Pferde an der Krankheit verendet. Vereins-Chef Dieter Friedrichsen ist entsetzt und ratlos: „Wir haben doch nach dem ersten Herpesfall alle Empfehlungen der Tierärzte befolgt.“

Die hochinfektiöse Krankheit war im kleinen Stall des RuFV ausgebrochen. Die Tiere dort wurden isoliert, den meisten Vereinsmitgliedern der Zutritt untersagt und vor der Stalltür Desinfektionsmatten ausgelegt. Und nun sind plötzlich im etwa 50 Meter entfernten großen Stall fünf Tiere an der Viren-Infektion gestorben. „Es ist hart, eine Familie hat sogar zwei Pferde verloren“, sagt Friedrichsen. „Die Tiere sind doch richtige Familienmitglieder gewesen.“

Friedrichsen steht nicht nur in ständigem Kontakt mit verschiedenen Tierärzten, er hat auch in der tierärztlichen Hochschule Hannover um Hilfe nachgesucht. Dort, so sagt er, sei ihm mitgeteilt worden, dass die Krankheit auch durch Tröpfcheninfektion übertragen werden könne. Das sei ihm zwar bekannt gewesen, aber nicht, dass dies auch auf zehn Meter Entfernung passieren könne. Zudem sollen 70 Prozent aller Reitpferde das Virus unbemerkt in sich tragen.

Tierarzt Dr. Karsten Klein aus Viöl, der nach dem ersten toten Herpes-Pferd viele der insgesamt 310 Vereinsmitglieder in einer Infoveranstaltung unterrichtete, sagte auf Anfrage, dass er sich den Ausbruch im zweiten, doch weit entfernt liegenden Stall eigentlich nicht erklären könne. Und, was ihn besonders erschüttert: Während in der Literatur von einer Todesrate zwischen drei und fünf Prozent der befallenen Tiere gesprochen wird, starben in Mildstedt von 30 Tieren im großen Stall bereits fünf. Zwei weitere sind so schwer erkrankt, dass deren Überleben noch nicht sicher ist.

Dabei sterben die Tiere nicht an Erkältungs-Symptomen. Vielmehr, erläutert Dr. Klein, würden die Viren in die kleinsten Blutgefäße eindringen und dort Thrombosen auslösen. Diese wiederum würden für Infarkte sorgen und das Nervensystem schädigen. Die Pferde in Mildstedt mussten alle eingeschläfert werden, da sie schwerste neurologische Ausfallerscheinungen hatten. Teilweise war deren ganzer Hinterleib gelähmt.

Das Tückische an der Krankheit: Auch wenn die Erkältung abklingt und das Fieber sinkt, kann es noch zehn Tage später plötzlich zu den schweren neurologischen Ausfällen kommen.

Obwohl Pferde-Herpes keine meldepflichtige Krankheit ist, hat Vereins-Chef Friedrichsen umgehend den Reiterbund in Nordfriesland und im Nachbarkreis Schleswig-Flensburg informiert. Zudem wurden Turniere abgesagt. Selbst eine in Süderlügum geplante Reitveranstaltung findet nun wegen der Herpesfälle nicht mehr statt.

Dem Mildstedter Verein entsteht durch die Infektionen ein großer finanzieller Schaden. Reitunterricht mit verschiedenen Schulen, mit Privatpersonen und das therapeutische Reiten sind abgesagt. Zu groß ist die Gefahr, dass Herpesviren mitgeschleppt werden und die Infektion so weitergetragen wird.

Der Vorstand hofft nun, dass sich die Mitglieder solidarisch zeigen, ihrem Verein treu bleiben, auch wenn dort bis Ende März der Reitbetrieb ruhen wird. Friedrichsen wünscht sich, dass auch die Kreditgeber des Vereins Verständnis zeigen. „Wir haben zwar Reserven, aber die Baukredite müssen weiter bedient werden – auch Futter- und Heizungskosten bleiben bestehen.“ Dennoch gibt es auch etwas Positives zu vermelden: Auf den Menschen und andere Tiere ist Pferde-Herpes nicht übertragbar.

 

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erstellt am 25.Feb.2016 | 07:30 Uhr

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