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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 00:54 Uhr

Fußball verbindet : Team Nord-Hafen empfängt FC Lampedusa St. Pauli

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Migrationsmannschaft der Husumer Sportvereinigung tritt weiter mit Feuereifer gegen den Ball . Jetzt bereiten sie sich auf ein Spiel gegen eine andere Integrationsmannschaft vor.

Es ist gerade vier Monate her, dass Landrat Dieter Harrsen – im „Nebenberuf“ geprüfter DFB-Schiedsrichter –, zur Pfeife griff und das erste Spiel einer Fußballmannschaft leitete, die auf den ungewöhnlichen Namen Nord-Hafen hört. Die Partie gegen eine Auswahl der Husumer Sportvereinigung ging mit 1:5 verloren, „doch am Ende war sie für alle Beteiligten ein Gewinn“, erinnert sich Felix Carl. Er muss es wissen, denn der 36-jährige Sozialpädagoge und Koordinator beim Kreis Nordfriesland für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen war am 15. April mit von der Partie, saß im Friesenstadion als Trainer des Nord-Hafen-Teams auf der Bank – jedenfalls meistens.

Und seither rollt die Kugel. Und wie? Manchmal kann es Carl, der früher selbst aktiver Fußballer war und eingetragenes HSV-Mitglied ist, kaum fassen, dass jeden Donnerstag noch immer mindestens zwei Dutzend Spieler zum Training kommen. Aber Fußball verbindet – auch und gerade Menschen, deren einzige gemeinsame Erfahrung Terror, Krieg und Vertreibung waren, bevor sie auf halsbrecherischen Wegen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Jemen und Eritrea in den sicheren Hafen Husum einfuhren. Auch das friedliche Miteinander von Muslimen, Jesiden und Christen auf und außerhalb des Platzes zeigt, „dass Sport in der Lage ist, jede Grenze zu überwinden“, findet Carl.

Es waren die Flüchtlinge selbst, die den Menschen, die sie in Nordfriesland so herzlich empfangen und aufgenommen hatten, etwas zurückgeben wollten. Mitstreiter wurden schnell gefunden. Neben Carl, Hilke Holthuis von der Stadt Husum und Noren Fritsch, Geschäftsführerin des Husumer Speichers, gehörten das Diakonische Werk sowie weitere Flüchtlinge zum Team. „Im Nahen Osten und in Afrika wird fast überall Straßenfußball gespielt“, weiß Felix Carl und wandte sich an den Vorsitzenden der Husumer Sportvereinigung, Klaus Kasparek. So entstand die Idee, ein eigenes Migrationsteam aus der Taufe zu heben, mit allem, was dazu gehört – und mit Felix Carl sowie dessen alten Schulkumpel Kevin Claußen, heute Grundschullehrer in Ohrstedt, als Trainern.

„Unser Ziel ist es, möglichst viele Flüchtlinge ins Spiel zu bringen“, sagt Carl. Und das beschränkt sich schon lange nicht mehr auf rein sportliche Aspekte. „Der Fußball ist nur das Medium. Inzwischen unternehmen wir gemeinsame Fahrten und kommen auch außerhalb des Platzes zusammen.“

Übrigens: Trainingssprache ist Deutsch. Und das, obgleich Englisch für viele einfacher wäre, wie der Trainer freimütig einräumt. Aber die Spieler selbst hätten darauf bestanden. Sie lebten jetzt in Deutschland, sagen sie. „Und dann wollen wir auch die Sprache sprechen.“ Dass einige Deutsch schon besser beherrschen als andere, wird durch die Universalität des Sport wettgemacht.

Aber warum nennt sich die Mannschaft „Nord-Hafen“? Ganz einfach, erklären die Mitspieler, „weil wir von Hafen zu Hafen geflüchtet sind, aber erst hier in Husum einen sicheren Hafen gefunden haben.“ Viele würden gern in Husum bleiben, aber .  .  .  

Kein Aber. Trübsal blasen ist nicht Teil des Spiels, zumal die nächste sportliche Herausforderung schon wartet. Am 17. September ab 11.30 Uhr wird im Friesenstadion der FC Lampedusa St. Pauli auflaufen, „eine Integrationsmannschaft der ersten Stunde, auch wenn die Kiez-Kicker solche Begriffe nicht gern hören“, wie Felix Carl weiß. „Dafür können sie am Ball umso mehr.“

Übrigens: Trainiert wird das Migranten-Team des Weltpokalsieger-Besiegers von vier Frauen. „Wenn wir da was werden wollen, geht das nur über das Team, viel Kompaktheit und hoffentlich noch mehr Kulisse“, sagt Carl. Fußball heißt eben beides: zusammen gewinnen und zusammen verlieren. Auch das ist ein Teil der Lehre.

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