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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 18:45 Uhr

Feuerwehr-Debatte : Streit eskaliert: Pflichtwehr in Friedrichstadt schließt „Profis“ aus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der neuen Pflichtfeuerwehr dürfen viele ehemalige Aktive nicht mitmachen, und es gab kein Wort des Dankes für deren ehrenamtlichen Einsatz.

Friedrichstadt | Die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichstadt (Kreis Nordfreisland) spaltet die Stadt in zwei Lager. Nun sind die Mitglieder der Zwangswehr bestellt, was den Streit weiter eskalieren lässt. Denn ehemalige freiwillige Feuerwehrleute fühlen sich düpiert und nicht wertgeschätzt.

Der Kreis Nordfriesland sah sich durch einen Streit innerhalb der Wehr genötigt, die Anerkennung als Freiwillige Feuerwehr zu kassieren und eine Pflichtwehr ins Leben zu rufen. 50 Bürger der Stadt, alle unter 50 Jahre alt, erhielten daraufhin durch Boten des Amtes Nordsee-Treene den „Einberufungsbescheid“. Anfang nächster Woche soll in einer ersten Zusammenkunft über das weitere Vorgehen mit den neuen Aktiven beraten werden.

Freiwillige Feuerwehren klagen immer wieder über eine mangelnde Teilnahme. Zwangswehren sind jedoch eine absolute Ausnahme. In SH gibt es neben Friedrichstadt nur zwei weitere. Der Fall Friedrichstadt wird auch deshalb in der Öffentlichkeit stark wahrgenommen, weil er Streitigkeiten transparent macht, die ansonsten hinter verschlossenen Türen ausgetragen worden wären.

Doch von neuen Aktiven kann nicht bei allen die Rede sein: Viele der Zwangsverpflichteten müssen, bevor sie zu einem Einsatz aufbrechen dürfen, erst die Feuerwehrausbildung durchlaufen. Verwunderlich ist, dass es in der Stadt gut ein Dutzend gut ausgebildeter Feuerwehrleute gibt, darunter die bisherige stellvertretende Wehrführerin und einen Gruppenführer, die, obwohl sie gern weiterhin ihren Dienst in der Wehr verrichten würden, kein Schreiben des Amtes erhalten haben. Dabei wäre mit der Berufung der bisherigen Aktiven schon eine erhebliche Lücke geschlossen. Stattdessen wurde beispielsweise ein Bürger verpflichtet, der sich beruflich fast ausschließlich in der Schweiz aufhält.

Auffallend ist, dass die nicht wieder aktivierten Feuerwehrleute zu jener Gruppe gehören, die sich nicht an einer von der Wehrführung initiierten Unterschriftenaktion gegen die damalige Vize-Wehrführerin Stephanie Wohlert beteiligen wollten. Auch sind es die Feuerwehrleute, die dem Wunsch des Wehrführers nicht gefolgt sind, sich gegen eine junge Anwärterin auszusprechen, die unter anderem ein Vorstandsmitglied der Wehr der Nötigung bezichtigt. Dieses Mitglied, gegen das wegen des Verdachts der Nötigung ermittelt wird, gehört hingegen der Pflichtwehr an.

Offensichtlich, so das Urteil ehemaliger Ehrenamtler, hat sich die Stadt instrumentalisieren lassen. Denn sie seien nicht einmal zu den Vorgängen in der Friedrichstädter Feuerwehr angehört worden, betonen sieben aus der Gruppe in einem Gespräch mit den Husumer Nachrichten. Dabei, so unterstreichen sie, sei der Vorfall beim Jahresanfangsessen der Wehr im Gerätehaus der Höhepunkt der Streitigkeiten innerhalb der Organisation gewesen. Dabei soll eine Anwärterin genötigt worden sein, ihren Feuerwehrpullover vor vielen Kameraden auszuziehen.

Torsten Günther, schon seit Jahrzehnten in der Friedrichstädter Wehr auch an verantwortlicher Position, ist wie viele seiner Kameraden schwer enttäuscht. Schließlich hat er das Ehrenamt jahrelang ausgeübt. Doch in dem offiziellen Schreiben der Stadt heißt es unter anderem: „Mit dem Widerruf der Anerkennung der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichstadt mit Ablauf des 22.04.2016 gilt diese als aufgelöst und nicht mehr existent. Sie sind somit nicht mehr Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichstadt. Ich bitte Sie daher unverzüglich, jedoch spätestens zum 29. 04. 2016 Melder, Schlüssel, Mütze und Jacke U1 bei Frau Postel im Rathaus der Stadt Friedrichstadt zu den Geschäftszeiten abzugeben.“

„In dem ganzen einseitigen Schreiben findet sich kein einziges Wort des Dankes oder der Anerkennung für die jahrzehntelang geleisteten Dienste. Das ist schon ein Hammer“, sagt Günther. Auch Thomas Peters, der bereits 1988 in die Jugendwehr eintrat, und nun ebenfalls ohne „seine“ Feuerwehr dasteht, ist schwer enttäuscht.

Die unrühmliche Geschichte der Feuerwehr Friedrichstadt ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Am vergangenen Sonntag etwa wollte die ehemalige Schriftführerin Doris Simmon (ebenfalls ausgeschlossen), der nach ihrer Wahl in dieses Amt monatelang der Zugriff auf die Feuerwehrdatenbank verweigert wurde, ihre Privatsachen aus dem Gerätehaus abholen. Das wurde zum Anlass genommen, die Polizei zu rufen. Der daraufhin von ihr gerufene Bürgermeister Eggert Vogt bestätigte vor Ort, dass er die Genehmigung erteilt habe.

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erstellt am 28.Apr.2016 | 07:00 Uhr

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