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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 03:02 Uhr

Nordfrieslands Risiko-Piste : Straßenmeisterei Husum: Die Spezialisten von der B5

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Team der Straßenmeisterei Husum kann sich oft nur um das Nötigste kümmern – und lebt dabei auch noch gefährlich.

Husum | Ortstermin in der Ostenfelder Straße 55 in Dreimühlen. Hier hat die Straßenmeisterei Husum ihr Domizil. Praktisch, denn gleich daneben liegt eine der vier B5-Anschluss-Stellen in Nordfrieslands Kreisstadt. So ist es für die 21 Stützpunkt-Mitarbeiter der Flensburger Niederlassung des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) nur ein Katzensprung zur wichtigsten Verkehrsader an der hiesigen Westküste. Die örtliche Dienststelle betreut ein rund 400 Kilometer großes Straßennetz in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg – die Bundesstraße 5 ist dabei ihr größter „Pflegefall“.

Die Bundesstraße 5 gilt als wichtigste Verkehrsader Nordfrieslands – und als gefährlichste. Immer wieder ereignen sich hier schwere Unfälle – nicht wenige mit tödlichem Ausgang.

Dieser unrühmliche Status ergibt sich allein aus der Tatsache, „dass die B5 in unserem Bezirk die Straße mit der weitaus höchsten Verkehrsdichte ist“, wie Straßenmeisterei-Chef Norbert Seils und Karl-Heinz Roos, Leiter der Niederlassung Flensburg des LBV.SH, erklären. Augenscheinlich habe sich dieses Aufkommen aufgrund der umfangreichen Baustellen – mit den verbundenen Behinderungen auf der Autobahn A7 – weiter gesteigert. Vor allem der Lastwagenverkehr nimmt laut Seils und Roos zu.

Der Ausbauzustand der A23-Verlängerung gen Dänemark hinkt dieser Entwicklung allerdings hinterher. Diagnose in der Fachsprache der Straßenbau-Experten: „Die Anforderungen des Durchgangsverkehrs kollidieren durch das immer stärker werdende Verkehrsaufkommen mit denen des örtlichen Ziel- und Quell-Verkehrs.“ Für die B5 in Nordfriesland bedeutet das unter dem Strich: Die Unfalldichte auf dem 17 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Tönning und Husum ist mit durchschnittlich 33 dokumentierten Vorgängen pro Jahr hoch. Dazu tragen auch die unzureichenden Überholmöglichkeiten bei: Auf fast 40 Prozent der kompletten B5 herrschen eingeschränkte Sichtverhältnisse – der dadurch erzeugte Überholdruck führt automatisch zu Fahrmanövern, die den Verkehr stark gefährden.

In einigen Abschnitten ist der Zustand der Fahrbahn sehr schlecht, die Befestigung überaltert, ausgemergelt und in großen Bereichen gebrochen. Die Folge sind tiefe Verdrückungen. Zwar stellt der Bund für die Erhaltung seiner Straßen laut LBV-Niederlassungsleiter Roos zunehmend mehr Geld zur Verfügung, doch reichen der Straßenmeisterei Husum die Mittel nicht aus, um die B5 so leistungsfähig zu machen wie es nötig wäre. Stattdessen greift man auf Anordnung der Straßenbehörde des Kreises zu Schildern, die auf eine allgemeine Gefahrenstelle, Straßenschäden, ein Überholverbot und eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern hinweisen. „Wir sind Kesselflicker und Gemischtwarenladen“, umschreibt Seils das Dilemma. Eines, in dem permanent abzuwägen ist. „Verkehrssicherheit hat dabei immer Vorrang vor dem Verkehrsfluss“, so Roos.

Die Straßenmeisterei Husum steckt etwa 75 Prozent der zugewiesenen Mittel für Bundesstraßen in die B5, die in ihrem Bezirk rund 30 Kilometer lang ist. Das entspricht 43 Prozent der Bundesstraßen im Zuständigkeitsbereich. Der überproportionale Erhaltungsaufwand, der im Vorjahr mit cirka 175.000 Euro zu Buche schlug, ist dem Zustand und der Belastung der B5 geschuldet.

Zwei Mal in der Woche ist dort ein Streckenwart unterwegs – und greift angesichts von gefährlichen Schlaglöchern zum Eimer mit der Bitumen-haltigen Reparaturmasse, die sich leicht verdichten lässt. Auch Schäden an Leitpfosten und Schildern bessert er sofort an Ort und Stelle aus. Wo keine Soforthilfe möglich ist, weil etwa bautechnische Vorbereitungen zu treffen oder Ausschreibungen auf den Weg zu bringen sind, sorgt er für die nötige Absperrung oder die besagten Verkehrshinweise. „Natürlich verbessert das Aufstellen von Schildern nicht den Straßenzustand“, sagt Seils. Entsprechende Beschwerden nähmen zu. „Unter anderem beklagen sich Speditionen und weisen darauf hin, dass es – bedingt durch die Spurrinnen – schwer sei, die Lastzüge in der Spur zu halten. Deshalb wurde in der Vergangenheit oft die Bankette befahren.“

Apropos Klagen: Auch die Belegschaft der Straßenmeisterei hat allen Grund dazu. Bei der Bitte des sh:z, zur Bebilderung dieses Artikels ein Motiv von typischen Arbeitsabläufen auf der B5 beizusteuern, müssen die beiden Gesprächspartner leider abwinken: „Haben wir nicht – da Fotos zu machen, ist viel zu gefährlich!“ Ein falscher Schritt zur Seite könne bei dieser hohen Verkehrsbelastung tödlich sein, so Roos. Und Seils nimmt die Gelegenheit wahr, in diesem Zusammenhang mehr Verständnis und Rücksichtnahme einzuwerben.

Weil auf der B5 so viel los ist und die Leute dabei zumeist noch eine aggressive Fahrweise an den Tag legen, wird zum Beispiel mit den Mäharbeiten, die mindestens zwei Mal im Jahr anfallen, bereits um 6 Uhr begonnen. „Der Unimog-Fahrer bedient zwei Mähgeräte und muss gleichzeitig den Verkehr im Auge behalten.“ Steige die Belastung zu stark an, werde die Grünpflege auf den Landes- oder Kreisstraßen fortgesetzt. „Das führt dazu, dass mindestens eine Woche benötigt wird, um die Mäharbeiten mit dem Unimog an der B5 abzuschließen“, so Seils. Die Leitpfosten werden mit einem Schmalspur-Fahrzeug gewaschen, um die Fahrbahn möglichst wenig einzuengen. Wenn Mittelnähte mit Gussasphalt vergossen werden, wirkt sich mangelnde Rücksichtnahme ebenfalls extrem belastend auf die Beteiligten aus. Und beim Aufmessen der Straße, etwa nach dem Einbau von Edelflicken, werden oft die Zollstöcke überfahren.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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