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Husumer Nachrichten

24. August 2016 | 04:34 Uhr

Geputzte Erinnerungen : Stolpersteine auf Hochglanz poliert

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Friedrichstädter Pfadfinder reinigen die Erinnerungstafeln für getötete Juden im Straßenpflaster des Holländerstädtchens. 25 Messingtafeln wurden seit dem Jahr 2003 vor den früheren Wohnhäusern der Juden verlegt.

2003 wurde der erste von ihnen in der Friedrichstädter Innenstadt als Erinnerung an Mirjam Cohen verlegt. Disem Friedrichstädter Stolperstein aus Messing folgten weitere 24. Gestaltet wurden sie von dem Kölner Künstler Gunter Demnig, der damit an die Opfer der NS-Zeit erinnern will. Mittlerweile liegen die Stolpersteine in mehreren Ländern Europas. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, beschreibt Demning seine Motivation für die Steine.

Doch die in den Gehsteigen Friedrichstadts eingelassenen Stolpersteine sind im Laufe der Jahre durch die Umwelteinflüsse angelaufen. Statt zu glänzen, sind sie teilweise kaum noch unter ihrer dicken dunklen Patina zu erkennen. Ein Arzt aus Husum, der namentlich nicht genannt werden will, wandte sich an die Stadtarchivarin und Museumsleiterin Christiane Thomsen, um einen weiteren Stolperstein zu spenden. Doch sie musste ihm eine Absage erteilen. „Wir versuchen seit Jahren immer wieder Kontakt mit Gunter Demning aufzunehmen, doch er ist europaweit so beschäftigt, dass es uns bislang nicht gelungen ist“, beklagt die Museumsleiterin. „Wir hätten sogar noch ein wenig Kapital, um weitere Steine in die Gehsteige vor den Wohnhäusern der früheren jüdischen Bewohner einzulassen, doch wir bekommen keine Steine.“ Der Arzt jedenfalls überwies an die Friedrichstädter Pfadfinder 300 Euro, damit die vorhandenen 25 Stolpersteine in der Stadt wieder auf Hochglanz poliert werden.

Mit Feuereifer ging die Truppe unter Leitung von Volker Klomann jetzt ans Werk. Mit Polierpaste, Lappen, Muskelkraft und Akkuschrauber mit Bürsten ging es der Patina ans Leder. Doch so einfach wie gedacht war es nicht. Vor dem Haus Westermarkstraße 17, wo drei Steine an die Familie Wolff erinnern, die dort eine Schlachterei betrieben hatten, wechselten sich die Pfadfinder immer wieder ab, bis das Messing glänzte. Auch kleineren Regenschauern trotzte die Gruppe. Zuvor hatten sie bereits in der Kultur- und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge unter Beweis gestellt, dass sie wussten, warum es die Stolpersteine gibt – denn fast alle Fragen, die Christiane Thomsen ihnen gestellt hatte, wurden richtig beantwortet.

Im Rahmen der Aktion kündigte die Museumsleiterin auch an, dass es in diesem Jahr erstmals vom 17. bis 28. September die „Friedrichstädter Tage der jüdischen Kultur“ geben wird.

Das vorläufig Programm: Am 17. September, ab 19.30 gibt es ein Figurentheater für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene. Es ist eine Veranstaltung des Pole-Poppenspäler-Festivals. Das Theater Kuckucksheim zeigt „Der letzte Zug“.

Am 19. September treten in der Synagoge Valeriya Shishkova (Gesang), Sergey Trembitskiy (Klavier, Flöte) und Gennadiy Nepomnjaschiy (Klarinette) mit „Mir gejen zusamen“ auf. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr. Einen Tag später gibt e s von 10 bis 15.30 Uhr mit der Israelin Smadar Raveh-Klemke einen Hebräisch-Workshop. „Oma und Bella“ ein Film von Alexa Karolonski wird am 22. September um 19.30 Uhr gezeigt. Zwei Tage später, am 24. September, präsentieren Esther Lorenz und Thomas Schmidt ab 19.30 Uhr hebräische und sefardische Lieder. Das Theater N.N. zeigt am 26. September ab 19.30 Uhr „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ von Charles Lewinsky in einer Fassung des Theaters N. N. mit Jan Katzenberger. Am 27. September gibt es dann einen Kochkursus „Jüdische Küche“ und zum Abschluss der Friedrichstädter Tage der jüdischen Kultur gibt es ein Fest mit jüdischen Tänzen.

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erstellt am 03.Jul.2014 | 16:30 Uhr

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