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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 09:20 Uhr

Wetter in Nordfriesland : „Steigerung um den Faktor 100“ - Klimaexperte warnt vor Extrem-Stürmen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Klimawandel wirkt sich auf das Wetter in Schleswig-Holstein aus. Forscher Mojib Latif macht sich Sorgen.

Husum | Die Westküste kennt er gut – und das nicht nur durch die Auswertung von Klimadaten und Wasserstandsmodellen. Professor Mojib Latif, einer der renommiertesten Klimaforscher Deutschlands, ist am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel (Geomar) Leiter für die Bereiche Ozeanzirkulation und Klimadynamik und Maritime Meteorologie. Jetzt war er in Husumer Nordsee-Museum zu Gast.

Der Klimawandel hat Auswirkungen in allen Teilen der Erde. Durch die globale Erwärmung steigt der Meeresspiegel, der zunehmende Wind sorgt für stärkeren Seegang – in der Folge könnte das zu mehr Sturmfluten, einem insgesamt höheren Überflutungsrisiko an den Küsten und stärkeren Sand- und Landabspülungen führen. Das wird auch das Bild der Küsten Schleswig-Holsteins verändern.

Latif traf sich außerdem in den vergangenen Tagen häufig mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, um über die anstehende 22. UN-Klima-Konferenz vom 7. bis 18. November im marokkanischen Marrakesch zu beraten. Er fordert vehement, dass dort das vor einem Jahr in Paris international vereinbarte Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad zu begrenzen, auch angegangen wird. Dies seien völkerrechtlich bindende Absprachen. „Wenn jetzt nichts geschieht, dann ist schnell der ,Point of no Return‘ erreicht“, sagt er.

Gerade an der nordfriesischen Küste sei der Klimawandel schon spürbar. So sei beispielsweise der Wasserstand seit dem Jahr 1980 um gut 20 Zentimeter gestiegen. Zudem sieht Latif künftig eine Zunahme von starken Stürmen auf die Region zukommen. „Extrem-Ereignisse, die sonst nur alle 1000 Jahre eintrafen, könnten künftig schon alle zehn Jahre stattfinden. Das ist eine Steigerung um den Faktor 100“, beschreibt der Klimaforscher eindrucksvoll die Bedrohungslage.

Es könnte viel mehr gegen den Klimawandel unternommen werden, den CO2-Ausstoß zu vermindern. Es sei ein Unding, dass dort mit den zahlreichen Windkraftanlagen klimaneutraler Strom produziert werde, aber immer wieder wegen Netzüberlastungen der „Klimastrom“ nicht genutzt werden könne. „Es muss mehr in die Entwicklung von Speichermedien investiert werden“, sagt Latif und setzt unter anderem auf die Wasserstofftechnologie.

Große Sorge bereitet dem Klimaforscher auch das politische Handeln in Deutschland, denn jeder wisse, dass dringend etwas getan werden müsse. Dennoch werde weiterhin wegen der vielen Arbeitsplätze auf die Kohle als Brennstoff gesetzt und im Verkehrsbereich registriere man trotz anderer Beteuerungen sogar Zuwächse an CO2-Ausstoß.

Die größte Sorge bereitet dem Klimaforscher der zunehmende Temperaturanstieg, der in Schleswig-Holstein sicherlich viel moderater verlaufen dürfte als in anderen Regionen der Erde. Doch schon heute seien die Folgen in der Arktis zu sehen, das Meereis werde immer weniger und die Grönland-Gletscher begännen zu schmelzen. Wenn das grönländische Inlandeis abtauen sollte, dann, so Latif, bedeute das einen Meeresspiegelanstieg von mehr als sieben Metern – „und Deiche können eben nicht endlos erhöht werden“, betont er. Ein wenig beruhigend sei dabei aber, dass nach den neusten Berechnungen die einstige Befürchtung, dass der Golfstrom dann zum Erliegen komme, wohl nicht eintreffen werde. Der große Meeresstrom, der in Nordeuropa für mildes Wetter sorgt, dürfte „nur“ erheblich an Leistung verlieren.

Latif beleuchtet in seinem neuesten Buch „Das Ende der Ozeane: Warum wir ohne die Meere nicht überleben werden“ die Rolle der Ozeane beim Klimawandel. Dabei beantwortet er Fragen zu den Konsequenzen aus der Versauerung der Meere, zu der Verschmutzung durch Erdöl, Plastikmüll und Radioaktivität. Auch fragt er, wie sich die Entdeckung der Meere als Rohstoffreservoir auswirkt.

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erstellt am 04.Nov.2016 | 07:00 Uhr

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