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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 00:55 Uhr

Schülerbeförderung in Tönning : Stadt will kein Busunternehmen sein

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Thema Beförderung von Dithmarscher Schülern nach Tönning bleibt schwierig. Die Kreise übernehmen keine Verantwortung, klagt Bürgermeisterin Dorothe Klömmer.

Um das Thema Schülerbeförderung Dithmarscher Kinder nach Tönning ging es in der jüngsten Sitzung des Schul- und Sportausschusses der Stadt. Bürgermeisterin Dorothe Klömmer berichtete, dass die Gespräche wegen der nach wie vor angestrebten ÖPNV-Lösung mit Vertretern der Kreise Nordfriesland und Dithmarschen inzwischen stattgefunden – allerdings kein Ergebnis gebracht hätten. „Leider hatten beide Landräte abgesagt. Die Kreise übernehmen die Verantwortung nicht. Es gab ein klares Nein“, so Klömmer.

Derzeit laufe noch eine Klage von betroffenen Eltern gegen den Kreis Dithmarschen, mit dem Ziel, dass die Kinder künftig mit Linienbussen nach Tönning befördert werden. Ein Gerichtstermin soll demnächst angesetzt werden. Nach ihrer Rechtsauffassung müsste er mit einem positiven Ergebnis enden: Der Gesetzgeber habe die freie Schulwahl gewollt. Dann müsse es auch möglich sein, über Kreisgrenzen hinweg Schüler mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu befördern, zumal es um keine kleine Zahl von Kindern gehe.

Die Eltern hätten sich für die Tönninger Einrichtung entschieden, weil sie qualitativ das biete, was sie für ihre Kinder wünschten. Fakt sei, dass 127 Schüler derzeit aus dem Nachbarkreis mit den stadteigenen Bussen nach Tönning befördert werden müssen. Für das Schuljahr 2016/17 werden es 159 sein. Daher seien bekanntlich vorsorglich 100.000 Euro für den Kauf eines weiteren Busses in den Haushalt eingestellt worden (wir berichteten). Dafür habe es bereits einen Beschluss gegeben. „Heute nun geht es um Ihr Votum für die Aufstockung der halben Stelle des Busfahrers auf eine ganze“, so Klömmer. Bei einer Enthaltung sowie einer Nein-Stimme wurde diese nach intensiver Diskussion beschlossen.

„Wir werden weiter für die ÖPNV-Sache kämpfen“, bestätigte Dirk Richter als betroffener Elternvertreter. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass kein Umdenken erfolgt“, bekräftigte er. Ausschuss-Mitglied Friedrich Busch (CDU) sah das anders. Er könne Dithmarschens Landrat verstehen. Der lasse doch nicht Dithmarschens Schulen ausbluten. „Woanders stehen Schulklassen leer, hier in Tönning werden sie voller, und wir kaufen noch mehr Busse“, beschrieb Busch seine Sichtweise.

„Wir wollen Globalisierung, aber es ist nicht möglich, eine Schulbusverbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zustandezubringen. Das finde ich beschämend“, erklärte dagegen Andreas Berg (SSW). „Wir haben freie Schulwahl. In der Zusammenarbeit mit anderen Kreisen klappt das, beispielsweise mit Schleswig-Flensburg. Die Friedrichstädter Schüler werden mit Linienbussen transportiert“, so Mery Ebsen (AWT). Stefan Runge (SPD) dazu: „Ja, es ist eine Schande, was da passiert. Es geht hier um die Bildung unserer Kinder.“ Es müsse einmal mehr aufgeräumt werden mit dem Argument, die Stadt sei zu einem Busunternehmen geworden. Es gehe lediglich um Beförderung von Kindern, die gern in Tönning beschult werden sollen, nicht mehr. „Wir sollten uns freuen, dass unsere Schule so gut ist. Es entsteht Wettbewerb, und der ist immer gut. Es dürfen keine Grenzen gesetzt werden. Es lohnt sich, weiter zu kämpfen“, appellierte Jan Diekmann (SPD). Marc Harslem, Vize-Rektor der Gemeinschaftsschule, mahnte an, die Schule unbedingt zu stärken. Dazu müssten Schüler her, ansonsten prophezeie er irgendwann die Schließung. Das passiere landesweit.

Schließlich ging es um das Thema Ferienbetreuung in der Grundschule. Geplant war, so Büroleiter Matthias Hasse, unter Einbeziehung vieler Helfer, eine Betreuung bis 17 Uhr anzubieten. Allerdings hätten nur vier Elternpaare Bedarf für vier Wochen angemeldet. „Das lässt sich nicht darstellen. Wir müssen auf das Angebot verzichten. Das ist natürlich schade für die Eltern“, so Hasse. Mery Ebsen (AWT) fragte nach, ob die vier Kinder nicht die Ferienangebote der Dänischen Schule nutzen könnten. „Das wäre überlegenswert. Die Eltern sollen sich bei uns melden“, so Horst-Werner Knüppel (SSW-Vertreter und Leiter der Dänischen Schule).


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