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Husumer Nachrichten

07. Dezember 2016 | 17:34 Uhr

Störche in Nordfriesland : Sorge um Meister Adebar

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Jahr 2016 steht für den Storchen-Nachwuchs unter keinem guten Stern. Nur vier Brutpaare zählte Weißstorchenbetreuer Jörg Heyna.

Kälte und Nässe haben den Störchen schwer zu schaffen gemacht und ließen zahlreiche Tiere verenden. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kamen die Weißstorchgebietsbetreuer Jörg Heyna und Jürgen Lustig auf ihrer Beringungstour mit der Hebebühne. Die Beringung ist die erste Bestandsaufnahme der Storchenpopulation. Insgesamt hat Heyna in den Kreisen Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde 55 Jungstörche beringt, davon zirka 40 im Bereich der Eider-Treene-Sorge Region. „Die lang anhaltenden Regenfälle haben den überlebenden Jungstörchen sehr zugesetzt. Teilweise sind sie in der Entwicklung zurück. Ob alle diese Zeit überstehen, ist nicht gewiss“, so die Betreuer, die außerdem feststellten, dass die Zahl der Paare ohne Bruterfolg dieses Jahr sehr hoch ist.

Die ersten Störche kamen schon Anfang Februar in die Region. Es handelt sich um „Westzieher“, die im Süden Spaniens überwintern und hauptsächlich ihre Nahrung auf den Mülldeponien finden. Zwei Drittel der hiesigen Störche sind jedoch „Ostzieher“, die in der Sahelzone und Südafrika überwintern. Viele kamen verspätet an und fanden ihr angestammtes Nest mit einem anderen Partner besetzt. Die Folge: Es gab Revierkämpfe. Dabei wurden die Gelege oder die Küken aus dem Nest geworfen. Das passierte den Betreuern zufolge ungewöhnlich häufig.

Immerhin – die mit Sendern ausgestatteten Störche waren rechtzeitig wieder da. „Die Nahrungsangebote für die Überwinterer in der Sahelzone waren gut. Nur die Tiere, die den Winter in Südafrika verbrachten, hatten extreme Probleme und kamen so ebenfalls verspätet an“, erklärt der Storchenexperte vom Michael-Otto-Institut in Bergenhusen, Kai-Michael Thomsen. Heyna berichtet, dass es mehrere Gelege mit Jungstörchen gab, die erst nach dem 24. Juni geschlüpft sind. Ob sie es bis zum Abflug Ende August schaffen, in die Winterquartiere mitzufliegen, ist ungewiss. So mussten die Beringungen zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden, da die Jungstörche erst ab einer gewissen Größe beringt werden können.

Im Kreis Nordfriesland wurden neun Paare (2015 zwölf Paare) gezählt, nur vier haben erfolgreich gebrütet – und zwar in Ahrenviöl, Ramstedt, Rantrum und Seeth (im Vorjahr zehn). Ohne Brut waren es fünf Paare (2015 nur zwei). Neun Jungstörche wurden gezählt (2015 waren es 24). Die Störche in St. Peter-Ording und auf Föhr werden in einer eigenen Statistik geführt, weil sie dort fütterungsabhängig sind. In St. Peter-Ording sind es 19 Paare mit 48 Jungen (Vorjahr: 19 Paare mit 38 Jungen) und auf Föhr acht Paare mit fünf Jungen (Vorjahr: acht Paare mit zwölf Jungen).

Anfang Juni häuften sich die Meldungen über abgeworfene Jungstörche und Eier bis hin zum Totalverlust der Brut. Die lang anhaltende Trockenheit im Mai führte dazu, dass es kaum Regenwürmer und Insekten für die Küken gab. Hinzu kamen die Starkregenfälle in Juni. Die Jungstörche verendeten vielfach an Pilzinfektionen der Lunge (Aspergillose). „Diese Pilze sind in der Luft und auch in den Nestern in der Grassilage zu finden, sagt Dr. Philipp Olias vom Pathologischen Institut der FU Berlin. Storchenküken im Alter von bis zu drei Wochen sind besonders anfällig, wenn sie nass werden. Auch die Tiermediziner wissen noch nicht, was man dagegen tun könnte. Besonders in der feuchten Gras-Silage, die die Störche in die Nester bringen, ist ein hohes Potenzial an Pilzen vorhanden.

„Von den 60 geschlüpften Jungstörchen im Kreis Rendsburg-Eckernförde haben bis heute nur 28 überlebt. Dies ist mein schlechtestes Brutergebnis“, macht Lustig deutlich. Auch in den Kreises Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sieht es nicht besser aus. Im Storchendorf Bergenhusen etwa sind von 33 ausgebrüteten Küken nur noch 16 in den Nestern.

Und es gibt noch etwas, was den Tieren zu schaffen macht: der verstärkte Einsatz von Drohnen in den Brutgebieten. Neugierige rüsten diese mit Kameras aus, um in die Nester zu schauen und Bilder zu machen. Diese Störung kann zur Konsequenz haben, dass es zu Verlusten der Brut kommt. Deshalb bitten die Storchenbetreuer Drohnenbesitzer eindringlich, die Nester in einem großen Abstand zu umfliegen.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.stoercheimnorden.jimdo.com.

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