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Neue Sicherheitsrichtlinie : Sorge um die Traditionsschiffe

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die geplante Sicherheitsrichtlinie, die auch für historische Schiffe gelten soll, wird im Husumer Binnenhafen kritisch gesehen.

Seit mehr als 20 Jahren macht der Traditionssegler „Jonas von Friedrichstadt“ im Husumer Binnenhafen fest und bietet von hier aus Gruppenfahrten durch die Nord- und Ostsee an. „Den Husumern ist die Jonas als Windrotorschiff bekannt“, erklärt der Schipper und Eigner Stefan Schremmer. Das 1911 im friesischen Waterhuizen gebaute Plattbodenschiff mit 31 Meter Länge und 5,60 Meter Breite und mit einem 180 PS starken Motor wurde 1987 vom gemeinnützig geführten Verein „Bildungswerk Nordseewatten“ übernommen und in den Originalzustand zurückversetzt. Doch für die Traditionssegler könnten schwierige Zeiten aufbrechen, sollte die vom Verkehrsministerium in Berlin vorgeschlagene Schiffssicherheitsrichtlinie (SiRi) umgesetzt werden.

Der vorliegende Entwurf sieht weite Teile der für Berufsschiffe geltenden technischen Sicherheitsvorschriften auch für historische Wasserfahrzeuge vor, ohne deren bauliche Besonderheiten und deren Organisationsstruktur zu berücksichtigen, kritisiert der Dachverband der Deutschen Traditionsschiffe. Und Schremmer fügt dem hinzu: „Die Anforderungen sind in weiten Teilen technisch nicht oder nur mit so hohen finanziellen Mitteln zu bewerkstelligen, den ein Großteil der gemeinnützig tätigen Vereine nicht aufbringen können.“ Aus der Vorlage des Verkehrsministeriums geht weiter hervor, dass die Anforderungen an die ehrenamtlichen Helfer auf den Traditionsschiffen den Anforderungen an die Berufsseeleute gleich gestellt werden sollen (wir berichteten). Und auch hier äußert sich der Dachverband kritisch. Die physischen Anforderungen an Traditionsschiffs-Besatzungen seien bei weitem geringer als diejenigen in der Berufsschifffahrt, ist in einem Positionspapier der gemeinsamen Kommission für Historische Wasserfahrzeuge (GSHW) zu lesen. Dem schließt sich Schremmer an und geht noch einen Schritt weiter: „Die Passagiere auf Traditionsschiffen können nicht mit dem Passagieren auf Passagierschiffen verglichen werden.Unsere Gäste kommen mit ganz anderen Sicherheitsanforderungen an Bord.“

Große Unterstützung bekommen der Dachverband als auch die GSHW von den Landesregierungen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Mit einem Antrag an den Bundesrat geben die Bundesländer zu bedenken, dass der Betrieb von Traditionsschiffen nicht eins zu eins vergleichbar sei mit den Bedingungen der Berufsschifffahrt. Weiter heißt es dort: „Der Bundesrat fordert die Bundesregierung auf, die Verordnung zur Änderung der schiffssicherheitsrechtlichen Vorschriften für Traditionsschiffen und anderen Schiffen, unter Beteiligung der Dachverbände der Traditionsschifffahrt, so zu überarbeiten, dass die Regelungen für die Betreibervereine handhabbar bleiben.“

Nicht nur für die unzähligen Vereine, die mit größtem Aufwand die Traditionssegler pflegen und betreiben, steht mit der angedachten Schiffssicherheitsverordnung viel auf dem Spiel. Auch die Mitglieder der Interessengemeinschaft Husumer Hafen (IGHH) sehen die drohende Entwicklung mit größter Sorge. „In den vergangenen Jahren hat der gemeinnützige Verein, aber auch das Land Schleswig-Hostein viel in den Binnenhafen gesteckt, um so Traditionssegler nach Husum zu locken“, berichtet Binnenhafenmeister Wolfgang Loy. „Sollte diese Richtlinie tatsächlich umgesetzt werden, würden viele Häfen, die auf Traditionssegler ausgerichtet sind, ausbluten“, ist sich Loy sicher. Auch die Vorsitzende der IGHH, Maren Loof, schließt sich dieser Einschätzung an. „Damit ginge ein großer Teil der Attraktivität des Husumer Hafens verloren.“

Für die alte Dame „Jonas von Friedrichstadt“ heißt es aber zuerst einmal am kommenden Sonnabend „Leinen los“. „Wir unternehmen mit Gästen eine Themenreise rund um einige Inseln und Halligen“, so Schremmer. Thema der Reise sind die Ringelgänse. Und schon für die nächsten Tage hat sich bereits der nächste Traditionssegler, die „Amazone“ angemeldet.


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