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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 03:34 Uhr

Sozialverband Nordfriesland : Solidargemeinschaft wirkt als Magnet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Immer mehr Zulauf: Sozialverband hat in Nordfriesland bereits 16.100 Mitglieder – und angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung scheint kein Ende in Sicht.

Die Menschen stimmen mit den Füßen ab: Der nordfriesische Kreisverband im Sozialverband Deutschland (SoVD) wächst und wächst. Fast jeder zehnte Einwohner im Kreisgebiet hat sich inzwischen dem sozialpolitischen Interessenverband angeschlossen. Alle suchen die starke Gemeinschaft und  /  oder rechtliche Hilfe. „Die Mitglieder sind unser großes Kapital“, sagt der Kreisverbands-Vorsitzende Hans-Christian Albertsen. Denn der die Organisation kommt völlig ohne Zuschüsse aus, kann deshalb überparteilich arbeiten und eine unabhängige Sozialberatung anbieten. „Das ist auch das, was viele sehr zu schätzen wissen“, weiß die SoVD-Kreisgeschäftsführerin, die Juristin Melanie Huß.

Der Trend spricht für sich: Innerhalb von zwanzig Jahren hat sich die Mitgliederzahl des Sozialverbandes – Motto: „Nah bei den Menschen“ – in Nordfriesland von 7500 auf 16.100 mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: Auf Landesebene stieg sie in diesem Zeitraum von 65.000 auf rund 140.000. Zwischen 500 und 600 Nordfriesen sind in den 57 Ortsverbänden auf Kreisebene ehrenamtlich aktiv, schätzt Albertsen. „Wir machen im Grunde genommen Seniorenarbeit“, sagt Frauenvertreterin Helga Behrendsen. Allerdings gestaltet sich dies zunehmend schwieriger, wenn Vorstandsposten ehrenamtlich besetzt werden sollen. „Wir sind ein alter Verband“, erläutert Albertsen, „junge Leute bei uns sind die 50- bis 60-Jährigen.“

Dreh- und Angelpunkt des nordfriesischen Sozialverbandes ist die Husumer Kreisgeschäftsstelle, die auch in Niebüll und Westerland regelmäßige Sprechzeiten anbietet. Vier hauptamtliche Mitarbeiterinnen – auf Landesebene sind es rund 100 – sind in der Geschäftsstelle tätig. Der Landesverband hat zudem eben erst eine Aufstockung der Wochenstunden genehmigt. „Denn je mehr Mitglieder wir haben, desto mehr Arbeit fällt in der Kreisgeschäftsstelle an“, sagt Hans-Christian Albertsen. Dort sind die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, weiß Melanie Huß zu berichten. Waren es im Jahr 2005 noch knapp 2500 Menschen, die sich in den drei Orten beraten ließen, so werden es in diesem Jahr voraussichtlich rund 4200 sein. Parallel dazu hat sich die Zahl der abgeschlossenen Verfahren in diesem Zeitraum nahezu verdoppelt.

„Die gesellschaftliche Entwicklung und die wachsende Verunsicherung spiegeln sich hier eins zu eins wider“, sagt die SoVD-Geschäftsführerin. „Je mehr es brennt, desto mehr Zulauf haben wir.“ Zwar seien immer mehr Informationen über das Internet zugänglich und einige Menschen dadurch auch sensibilisiert, aber viele würden durch den Überfluss an Informationen einfach nur verunsichert. Bei den Beratungen des Sozialverbandes müssen vielen sozialrechtliche Aspekte denn auch zunächst einmal verständlich erläutert werden.

Angesichts der Flüchtlingsproblematik seien öffentliche Stellen in Nordfriesland dazu im vergangenen Jahr zeitlich überfordert gewesen. „Wo sollen sich die Leute sonst Hilfe holen als bei uns?“, sagt Albertsen. „Unser Plus ist das Vertrauen in den Sozialverband und die Solidarität.“

Auch wenn nicht in jedem Fall weitergeholfen kann: „Die Kunst ist es zu erkennen, wo es sich lohnt, aktiv zu werden“, beschreibt Melanie Huß den Alttag der Sozialberatung. Für Menschen beispielsweise, die auf Grundsicherung angewiesen sind oder nur eine kleine Rente haben, sind schon 15 Euro mehr oder weniger im Monat viel Geld. Und da wird dann mitunter auch viel Zeit investiert, um zu helfen: „Wir müssen nicht so wirtschaftlich arbeiten wie ein Anwalt.“ Allein im ersten Halbjahr 2016 hat der Sozialverband Nordfriesland für seine Mitglieder bereits Nachzahlungen in Höhe von rund 150.000 Euro erstritten. Im Vorjahr waren es laut Melanie Huß insgesamt rund 200.000 Euro.

Dass die Arbeit des Verbandes spürbar weniger wird, glaubt niemand ernstlich. In punkto sozialer Gerechtigkeit, Pflegeversicherung, Grundsicherung im Alter, Inklusion oder Einkommensunterschieden zwischen Mann und Frau wird in Zukunft „noch einiges auf uns zukommen“, erwarten Albertsen und Huß. „Das könnte sogar den sozialen Frieden gefährden“, ahnt die Geschäftsführerin.

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