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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 15:30 Uhr

Husum : „So schlimm wie nie“: Kaum Krabben bei den Krabbentagen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die 19. Husumer Krabbentage stehen vor der Tür – doch die Schalentiere sind Mangelware. Findet die Veranstaltung dieses Jahr ohne ihr Highlight statt?

Husum | Gibt’s die Husumer Krabbentage dieses Jahr ohne ihr Highlight – die Krabben? Die Schalentiere sind derzeit Mangelware. Das bekommen natürlich auch die Husumer Fischer zu spüren. Und damit auch die Veranstalter der Krabbentage (15. und 16. Oktober). „Die Veranstaltung wird wie geplant stattfinden“, beteuert die Projektleiterin Lisa Hansen. Aber: „Es könnte sein, dass nicht sieben, sondern nur zwei oder drei Kutter im Hafen liegen, die ihren Fang von Bord aus verkaufen.“

Die Krabbenfischerei hat im Norden Tradition. Unumstritten ist sie nicht. Im Schnitt werden von der schleswig-holsteinischen Flotte jährlich etwa 6000 Tonnen Krabben angelandet, heißt es aus dem Ministerium. Im Jahr 1990 waren es nur 2286 Tonnen.

Im September und Oktober wimmelt es in der Nordsee normalerweise nur so von den kleinen Schalentieren. Doch in diesem Jahr nicht: Schon den gesamten Sommer über sind die Tiere kaum zu fangen.

„Es gab schon mal ein Jahr, da war der Fang gering. Aber so schlimm wie momentan war es noch nie“, sagt der Gastronom Gerhard Loof. „Für uns ist es blöd, aber für die Fischer ist es schlimmer.“ Die Restaurants und Fischhändler können schließlich auf andere Arten ausweichen, die Krabbenfischer nicht.

Die Koch-Shows und Wettbewerbe der Großveranstaltung seien aber auf jeden Fall gesichert, sagen die Veranstalter. „Wir können keine frischen Krabben anbieten, greifen aber beispielsweise auf eingefrorene Reserven der Händler zurück“, erklärt Karl-Heinz Häuber, langjähriger Organisator der Krabbentage. Aber auch die tiefgefrorene Ware ist derzeit nicht gerade günstig - Krabbenbrötchen kosten aktuell bis zu 10 Euro.

„Normalerweise kann ein Kutter täglich eine Tonne Krabben fangen – momentan sind es gerade mal 200 Kilogramm“, sagt Jann E. Mextorf, Krabbenfischer auf der „Cornelia“. Dieser geringe Fang sorge gerade bei den Jungfischern für Existenzängste. Auch das treibe die Preise in die Höhe. Der Erzeugerpreis liegt momentan statt bei drei Euro pro Kilogramm bei acht Euro.

Und warum ist die Krabbenausbeute eigentlich derzeit so gering? „Es handelt sich um ein Naturprodukt“, erinnert Loof. An der aktuellen Lage können man nichts ändern: „Woanders gibt es auch keine Krabben. Die fehlen an der gesamten Küste.“ Das Problem sei, dass es zurzeit sehr viele Wittlinge gebe, die die kleinen Krabben fressen. „Es gab eine explosionsartige Entwicklung dieser Fischart, die sich ausschließlich von Krabben ernährt“, erklärt Mextorf. Die Wittlinge dürfen aber auch nicht gefangen werden.

„Immerhin zahlen die Großhändler den Fischern einen höheren Preis für die Krabben, sonst würde es sich für die überhaupt nicht lohnen rauszufahren“, erklärt der Fischhändler. Auch bei ihm seien die Krabbenpreise gestiegen – und wahrscheinlich werden sie erst einmal weiter steigen. Statt sechs Euro pro Schale nehme das Fischhaus derzeit das Doppelte.

Zu den Krabbentagen werden die Fischer ihren Fang weniger an die Restaurants und Großhändler verkaufen, sondern direkt von Bord: Schließlich sei dies Werbung für die Krabbenfischerei, sagt Mextorf. „Noch bleiben fünf Tage. Vielleicht kommen die Krabben doch noch“, bleibt Häuber bis zuletzt zuversichtlich.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 07:00 Uhr

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