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Husumer Nachrichten

25. Juni 2016 | 10:50 Uhr

Fünf Jahre vermisst - Katze wieder da : Shillas dramatische Rückkehr

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vor knapp fünf Jahren verschwand die Katze der Husumer Familie Steffensen. In Tönning tauchte sie wieder auf – abgemagert bis auf die Knochen. Eine konzertierte Rettungsaktion begann.

Als Saskia Steffensen die fünfjährige Shilla das letzte Mal sah, brach die gerade quietschvergnügt zu einer Erkundungstour durch ihr Revier auf. Wie jeden Tag. Doch als die 15-Jährige aus der Schule kam, war die dunkelgrau-getigerte Katze noch nicht wieder zurück. Das passte gar nicht zu ihr. Es wurde Abend – und Familie Steffensen begann, sich Sorgen zu machen. Auch Hund Fips suchte vergebens nach seiner Spielgefährtin. Die Tage vergingen – von der verschmusten und neugierigen Shilla fehlte jede Spur. Die Husumer Familie verteilte Flugblätter mit einem Foto der vermissten Katze, suchte über soziale Netzwerke, fragte überall nach – nichts. Der Katzenkorb blieb leer. Das war im Sommer 2011.

Viereinhalb Jahre später. Auf dem Grundstück einer älteren Dame in Tönning wandert seit drei Tagen eine dunkelgrau-getigerte Katze umher und weint. Das Tier ist bis auf die Knochen abgemagert und versucht verzweifelt, ins Haus zu kommen. Die Frau alarmiert den Oldensworter Verein Stubentiger Eiderstedt. Die Tierschützer handeln sofort und bringen den Vierbeiner zum Tierarzt. „Die Kleine war nur noch ein Häufchen Elend, war stark verwurmt und nahm keinen Bissen mehr zu sich “, berichtet Bianca Tedsen, Leiterin der Auffangstation. Und noch ein Problem tritt auf: Die Katze ist nicht gechipt – so gibt es keinerlei Ansatzpunkte, wer die Besitzer sein könnten. Also veröffentlicht Tedsen ein Foto des Findlings bei Facebook.

Am 8. Januar stößt Saskia Steffensen beim Surfen im Internet auf genau dieses Bild und wird stutzig. „Das ist doch Shilla!“ Sie nimmt Kontakt mit den Stubentigern Eiderstedt auf. „Ich habe niemals die Hoffnung aufgegeben, immer weiter gesucht. Und das war sie, ich war mir ganz sicher“, erzählt die mittlerweile 19-Jährige. Wenige Tage später dann das Wiedersehen. Die Katze reagiert sofort, als Saskia ihren Namen ruft. Fast eine Stunde verbringen die beiden gemeinsam bei ihrem ersten Treffen in der Auffangstation. Shilla ist anhänglich wie eh und je. „Das war ein toller Moment“, sagt Saskia. Doch die Wiedersehensfreude wird überschattet, denn Shillas Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. Nur noch zwei Kilo bringt sie auf die Waage, ihre Nieren sind voller Wasser und sie bekommt hohes Fieber. „Wir dachten, die stirbt uns weg“, berichtet Tedsen, die zusammen mit dem Tönninger Tierarzt Reinhardt Hess um Shillas Leben kämpft. Mit Erfolg – der Vierbeiner berappelt sich wieder.

Mittlerweile ist Shilla zurück in ihrem neuen, alten Zuhause in Husum und wiegt wieder fast vier Kilo. „Sie hat das Haus zurückerobert“, sagt Saskia. „Sie hat sogar Fips sofort wiedererkannt und stupste ihn mit dem Kopf an.“ Ein Happy-End also? „Absolut“, meint Saskias Vater, Manfred Steffensen. „Vielleicht sogar mehrere“, fügt er hinzu. Denn für die Familie tauchte ein weiteres Problem auf. Sie konnte sich die Tierarzt-Kosten von 141 Euro nicht leisten. Hier erwies sich Tedsen ein weiteres Mal als Retterin in der Not. Über Facebook organisierte sie eine Spendenaktion und konnte damit genug Tierfreunde mobilisieren, um das Geld zusammenzubekommen. „Ich möchte allen, den Spendern, Frau Tedsen und dem Tierarzt aus vollstem Herzen für ihr Engagement danken“, erklärt Manfred Steffensen. „Wie sind überglücklich.“ Saskia nickt zustimmend und strahlt Shilla an, die es sich gerade auf der Wohnzimmer-Kommode bequem gemacht hat.

Doch eine Frage bleibt offen: Wie ist Shilla damals von Husum nach Tönning gekommen? „Sie hat zwei Eigenschaften, die ihr vielleicht zum Verhängnis wurden: Sie ist zutraulich und neugierig zugleich“, so Manfred Steffensen. „Entweder war jemand so begeistert von ihr, dass er sie einfach mit nach Hause nahm oder sie sprang zu einem Fremden ins Auto. Wir wohnen in Kinonähe, da halten viele aus der Umgebung kurz an.“ Tedsen vermutet, dass die Vagabundin jahrelang bei einem Menschen lebte, der sich gut um sie gekümmert hat, dann aber möglicherweise krank wurde oder sogar starb.

Eines steht auf jeden Fall für die Steffensens fest: Es lohnt sich, niemals die Hoffnung zu verlieren.

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erstellt am 30.Jan.2016 | 16:00 Uhr

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