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Windkraft : Senvion streicht 150 Arbeitsplätze in SH – IG Metall warnt vor „Kahlschlag“

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Senvion bekommt den Wettbewerbsdruck zu spüren und muss Personal reduzieren. Mehrere Standorte in SH sind betroffen.

Husum | Der Windkraftanlagen-Hersteller Senvion will in diesem Jahr in Deutschland rund 730 Arbeitsplätze streichen. Die Konzernholding begründete die Einschnitte am Montag mit einem stärker werdenden Wettbewerbs- und Preisdruck. Deshalb sollen Teile der Produktion verlagert und Standorte in Deutschland geschlossen werden, wie die Luxemburger Senvion S. A. mitteilte. Der Vorstand will durch die Umstrukturierung jährlich rund 40 Millionen Euro einsparen.

Senvion ist ein Hersteller von Windenergieanlagen im Onshore- und Offshore-Bereich. Das internationale Maschinenbauunternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Windenergieanlagen. Die Systeme werden im Senvion TechCenter in Osterrönfeld konstruiert und in den deutschen Werken in Husum, Trampe und Bremerhaven sowie in Portugal gefertigt.

Dicht gemacht werden unter anderem die Betriebsstätten in Husum und Trampe (Brandenburg) sowie der Standort der PowerBlades GmbH in Bremerhaven. In Husum seien 100 Mitarbeiter direkt betroffen. Außerdem werden von sechs Servicestandorten in Schleswig-Holstein fünf geschlossen. Den rund 120 Beschäftigten von den Standorten in Enge-Sande, Helgoland, Ostrohe, Husum und Lübeck soll angeboten werden, nach Schleswig zu wechseln. Dort soll der Service zentralisiert werden. Der mit der Produktentwicklung beschäftigte Standort Osterrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist den Angaben zufolge kaum vom Stellenabbau betroffen, seinen Verwaltungssitz hat das Unternehmen in Hamburg.

<p>Der Service soll statt an sechs nur noch an einem Standort in Schleswig angesiedelt sein.</p>

Der Service soll statt an sechs nur noch an einem Standort in Schleswig angesiedelt sein.

Foto: Screenshot: https://www.senvion.com/global/de/wind-energy-solutions/service/service-standorte/

Senvion-COO (Chief Operating Officer) Christian Roth erklärt das Schließungs-Programm „Move Forward“:

In Husum wird er Anlagentyp „MM“ produziert, der immer weniger nachgefragt wird. Deshalb werde der Standort geschlossen.

Zur Einschätzung der Lage auf dem Sektor der regenerativen Energie erklärte Roth: Die Einspeisevergütungen gingen zurück, der Wettbewerbsdruck zwischen den verschiedenen regenerativen Energien (Biomasse, Wind und Solar) steige, und das größte Wachstum der Branche finde außerhalb Deutschlands statt.

Minister Meyer kündigt Hilfe an

„Das ist eine betrübliche Nachricht“, sagte der Kieler Wirtschafts- und Arbeitsminister Reinhard Meyer (SPD) mit Blick auf Husum zu der Entscheidung, die fernab von dem Standort auf dem Reißbrett getroffen worden sei. Das Land biete alle Möglichkeiten an, um zu helfen im Bereich der Arbeitsmarktpolitik. „Man muss hier auch über Beschäftigungsgesellschaften oder Ähnliches nachdenken“, sagte Meyer. Die Betroffenen müssten die Chance bekommen, anderswo auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.

IG Metall will über Sozialplan verhandeln

Martin Bitter von der IG Metall Rendsburg kündigte im Gespräch mit shz.de an, mit Senvion über einen Interessenausgleich zu verhandeln. In diesem Rahmen könne man auch Alternativvorschläge machen. Es müsse ein milderes Mittel geben als Kündigungen. Ähnlich äußert sich Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste: „Ein Kahlschlag auf dem Rücken der Beschäftigten ist kein Zukunftskonzept. Massenentlassungen und die Schließung von nahezu allen Produktionsstandorten in Deutschland bringen das Unternehmen nicht voran.“

Im Blickfeld: Das Werk des Windenergieanlagen-Herstellers Senvion am Husumer Hafen.
Das Werk des Windenergieanlagen-Herstellers Senvion am Husumer Hafen. Foto: Volkert Bandixen
„Windkraft Valley“ am Kanalufer: Blick vom Dach des Senvion TechCenters auf das im Bau befindliche Bögl-Werk nebenan.
„Windkraft Valley“ am Kanalufer: Blick vom Dach des Senvion TechCenters auf das im Bau befindliche Bögl-Werk nebenan. Foto: Frank Höfer

Im Ausland sollen 50 Stellen wegfallen. Da aber auch rund 120 Stellen aufgebaut werden, fallen unter dem Strich rund 660 Vollzeit-Stellen weg, wie Vorstandschef Jürgen Geißinger der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg erläuterte.

Von den 253 betroffenen Mitarbeitern in der Bremerhavener Rotorblätter-Fertigung will Senvion Angestellte in die Gondel-Produktion (220 Beschäftigte) übernehmen. Mit den Arbeitnehmervertretern sollen zeitnah Gespräche für einen Sozialplan aufgenommen werden. Das größte Senvion-Werk für Rotorblätter steht in Portugal, es hat rund 500 Mitarbeiter.

„Der Stellenabbau ist leider unvermeidlich, um das Unternehmen als Ganzes mit seinen dann rund 4100 Arbeitsplätzen zukunftsfähig zu erhalten“, sagte Geißinger. Senvion habe in den vergangenen beiden Jahren bereits Abläufe verbessert, Investitionen getätigt und neue Produkte entwickelt. Aber allein der für Senvion bislang starke deutsche Markt habe sich von mehr als 5,0 Gigawatt 2015 installierter Leistung auf 2,8 Gigawatt fast halbiert. „Die Preise haben sich in den vergangenen Jahren um rund 40 Prozent reduziert“, sagte Geißinger.

Er will vor allem in Übersee - Südamerika, Australien, Indien sowie den USA - mit Anlagen für den Niedrigwindbereich expandieren. „Ich bin überzeugt, dass wir mit deutscher Technologie die Energiewende auch global zum Erfolg führen“, sagte Geißinger.

In Deutschland habe Senvion einen Marktanteil von 8 Prozent, berichtete Geißinger. Weltweit rangiere das Unternehmen an vierter Stelle im Windenergie-Anlagenmarkt. Die Festaufträge für 2016 lagen bei 1,3 Milliarden Euro. Einschließlich der noch nicht endgültig festgezurrten Abschlüsse betrugen sie 1,765 Milliarden Euro.

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erstellt am 13.Mär.2017 | 11:42 Uhr

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