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Windenergieanlagen-Hersteller aus Husum : Senvion-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Senvion-Standort steht möglicherweise zur Disposition. Rund 300 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Husum | Der Husumer Standort des Windenergieanlagen-Herstellers Senvion steht anscheinend auf der Kippe. Jedenfalls brodelt die Gerüchteküche in der Windkraftbranche, bangen viele der rund 300 Senvion-Mitarbeiter in der nordfriesischen Kreisstadt um ihre Arbeitsplätze. Außerdem mehren sich die Hinweise, dass sich das weltweit agierende Maschinenbau-Unternehmen neu aufstellen und die Fertigung von Husum und Trampe (Brandenburg) nach Bremerhaven verlagern möchte, um die Kosten zu optimieren.

Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür seitens der Senvion GmbH mit Hauptsitz in Hamburg nicht. Allerdings auch kein klares Dementi. „Jeder unserer Standorte weltweit ist unter Beobachtung hinsichtlich der Produktion und Auslastung – so auch Husum“, erklärte Dr. Immo von Fallois, Leiter der Unternehmens-Kommunikation, auf Anfrage.

Demnach wird „intern beraten“, wie es mit den deutschen Standorten weitergehe, zumal die Novellen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) es immer schwerer machen würden, in Deutschland Erfolg zu haben. Standorte im Ausland hätten zudem nur ein Drittel der Produktionskosten. Dennoch habe Senvion immer zu den deutschen Standorten gehalten. „Ich habe keine Neuigkeiten dazu“, sagte Immo von Fallois.

Die Belegschaften an den vom befürchteten Aus betroffenen Standorten kann das nicht beruhigen. Im Tramper Senvion-Zweigwerk kochen die Emotionen bereits hoch. Dort ist schon die Rede davon, dass in wenigen Monaten Schluss sein solle – trotz guter Auslastung. Auch im Husumer Werk herrscht nach Informationen unserer Zeitung große Unruhe. Offiziell ist allerdings auch dort nichts bekanntgegeben worden. Und die Mitarbeiter halten sich in Ermangelung klarer Aussagen der Unternehmens-Spitze mit Stellungnahmen zurück – entweder, um sich nicht an Spekulationen zu beteiligen, oder auch aus Angst vor möglichen arbeitsrechtlichen Konsequenzen.

Unternehmens-Insider sehen freilich deutliche Anzeichen dafür, dass einschneidende Betriebsänderungen bevorstehen könnten. Demnach würden intern bereits Produktions-Ströme nach Bremerhaven und zum Senvion-Werk in Portugal umgeleitet. Auch seien erste Mitarbeiter freigesetzt worden.

„Es sieht fast so aus als würde die Braut jetzt schick gemacht“, sagt ein Branchenkenner. Der Hintergrund: Senvion – einst Repower – war vor rund zweieinhalb Jahren vom indischen Windenergie-Konzern Suzlon an den US-Hedgefonds Centerbridge verkauft worden. Dieser ist Agentur-Angaben zufolge auf den Kauf und die Sanierung angeschlagener Unternehmen spezialisiert.

Derweil bezeichnet Senvion sich heute selbst als ein global führender Hersteller von Windenergieanlagen im Onshore- und Offshore-Bereich. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Windenergieanlagen mit Nennleistungen von zwei bis 6,15 Megawatt und Rotordurchmessern von 82 bis 152 Metern. Dabei bietet es auch Komplettlösungen für Windparks an.

Die Systeme werden im Senvion TechCenter in Osterrönfeld bei Rendsburg konstruiert und in den Werken in Husum, Trampe, Bremerhaven und Portugal gefertigt. Senvion beschäftigt eigenen Angaben zufolge weltweit rund 4000 Mitarbeiter, darunter in Husum etwa 185 in der Anlagen-Fertigung und rund 120 im Service.

Weltweit hat das Unternehmen mehr als 6600 Windenergieanlagen gefertigt und installiert. Erst vor zwei Tagen hatte Senvion mit der Nachricht aufgewartet, in Großbritannien einen Großauftrag mit drei Onshore-Windparks mit 47 Anlagen und einem Volumen von 151 Megawatt abgeschlossen zu haben – und vor Kurzem einen über 300 Megawatt in Australien.

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erstellt am 04.Mär.2017 | 10:00 Uhr

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