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Husumer Nachrichten

31. Mai 2016 | 19:59 Uhr

Ältere Autofahrer im Fokus : Senioren plädieren für Freiwilligkeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Viöler, Rantrumer und Hattstedter Beauftragten für die ältere Generation sehen Fahrtüchtigkeits-Prüfungen für Senioren kritisch. Wenn, dann müssten sie freiwillig sein, stellten sie fest.

„Wir auf dem Lande wären durch einen Führerscheinverzicht, beziehungsweise durch eine Fahrtüchtigkeits-Überprüfung benachteiligt“, sagt der Seniorenbeauftragte der Gemeinde Hattstedt und Vize-Beauftragter des Kreises Nordfriesland, Manfred Wolf. „Wir können natürlich auch Arztpraxen und andere Orte zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, doch in der Stadt ist dies sicherlich um ein Vielfaches einfacher. Für mich ist eine Fahrt nach Husum beispielsweise schon ein echter Tagesusflug.“ Natürlich sieht Wolf auch die Gefahren, denn mit zunehmenden Alter nehme unumstritten die Leistungsfähigkeit, besonders auch im Straßenverkehr ab, doch der Hattstedter plädiert eher an die Vernunft seiner Altersgenossen. Und ein weiteres Argument gegen eine pauschale Abgabe von Führerscheinen ab einem gewissen Alter führt er noch ins Feld. „Dann müssten nämlich die Krankenkassen die Kosten für ganz viele Taxi-Fahrten übernehmen, sprich die Solidargemeinschaft die Kosten tragen.“

Sein Rantrumer Kollege Rüdiger Ostermeyer, der seit Anfang dieses Jahres Vorsitzender des örtlichen Seniorenbeirats ist, steckt voll im Thema. „Wir hatten gestern Beiratssitzung und kurzfristig die Fahrsicherheits-Diskussion auf die Tagesordnung genommen.“ Der 67-Jährige hält von den Vorschlägen der Versicherungswirtschaft, ab dem 75. Lebensjahr regelmäßig die Fahrtüchtigkeit überprüfen zu lassen nicht viel. Dies sei nämlich nicht ausschließlich ein Problem von älteren Menschen. Auch in jüngeren Jahren könnten krankheitsbedingt Probleme auftreten. „Und wie sieht es da aus?“ Ostermeyer appelliert an die Vernunft aller Verkehrsteilnehmer und ist der Ansicht, dass über das Thema ärztliche Schweigepflicht nachgedacht werden sollte. Sinnvoll wäre doch eine enge Zusammenarbeit zwischen Verkehrssicherheits-Behörde, Arzt und Verkehrsteilnehmer.

Einen Nachteil der Älteren auf dem Lande gegenüber Städtern sieht der Rantrumer nicht – und er rechnet vor: „Ein Auto verschlingt etwa 500 Euro Festkosten im Monat. Dafür können schon eine ganze Reihe von Bus- oder Taxifahrten unternommen werden.“ Weiter sagt er, dass viele Senioren ein Auto nur noch unterhalten, um unabhängig zu bleiben. Dies sei aber auch durch die Nutzung von Bürger- oder Gemeindebussen möglich. „Wir in Rantrum haben einen solchen Bus, doch der wird immer noch viel zu wenig genutzt. Dabei ist auch das Gemeinschaftserlebnis, gerade für Senioren, unbezahlbar.“

Ostermeyer bestreitet nicht, dass die Leistungsfähigkeit der Senioren mit zunehmenden Alter nachlasse, aber er wehrt sich gegen eine Pauschalisierung. Zumal es seiner Ansicht nach bislang keine Kriterien gebe, wie die Fahrtüchtigkeit überprüft werden könne. „Es muss ein standardisiertes Verfahren für Jung und Alt entwickelt werden“, sagt er. Und einen Test durch eine Fahrschule lehnt er ab, denn da spiele sicherlich auch die Verwurzelung des Unternehmens in der Region eine nicht unerhebliche Rolle.

Christa Schmidt-Stellbrinck, die einzige Seniorenbeauftragte im Amt Viöl, befürwortet einen freiwilligen Fahrtüchtigkeits-Check ab dem 75. Lebensjahr. „Das dient ja der Sicherheit von allen.“ Die noch 69-Jährige will, wenn sie das Alter erreicht hat, einen solchen Check machen lassen. Allerdings sieht sie das Problem, dass viele Ältere wegen der schlechten Nahverkehrsanbindung auf ein Auto angewiesen sind.

Allein 2014 verunglückten laut Statistischem Bundesamt mehr als 47.000 Menschen im Alter von über 65 Jahren im Straßenverkehr. Insgesamt waren mehr als 70.000 an Unfällen mit Personenschäden beteiligt. Senioren hätten damit eine im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil überproportionale Unfallbeteiligung. 2833 Unfälle in Schleswig-Holstein gingen bis Ende November 2015 auf das Konto der Über-65-Jährigen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es laut Landespolizeiamt noch 2714. Die Fallzahlen steigen absolut, allerdings muss man wie bei jeder Statistik genauer hinschauen. Nach Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) macht zwar der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen rund 20 Prozent aus, bei Unfällen ist diese Altersgruppe aber nur mit zwölf Prozent beteiligt. Jedoch ist laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) gesichert, dass Zahl und Schwere selbst verursachter Unfälle jenseits des 75. Lebensjahres deutlich zunehmen.

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erstellt am 29.Jan.2016 | 13:45 Uhr

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