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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 08:57 Uhr

Betrugs-Masche in SH : „Sendung mit der Maus“: Falscher Reporter unterwegs

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Er tut so, als wäre er WDR-Reporter: Eine Husumer Geschäftsfrau macht auf Betrugs-Masche aufmerksam.

Husum | Als sie am Mittwochabend ihre Nähwerkstatt „Wattundschön“ abschloss, fiel Sibylle Hönscheidt-Erichsen ein Stein vom Herzen. Denn sie hatte den ganzen Tag mit dem mulmigen Gefühl verbracht, dass sie erneut von einem mutmaßlichen Betrüger aufgesucht werden könnte.

Der Mann war bereits am Tag zuvor mittags in ihren Laden gekommen und hatte sich als Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks (WDR) ausgegeben. Für die „Sendung mit der Maus“ wollte er in ihrer Nähwerkstatt drehen – konkret für einen Beitrag, um Spenden für leukämiekranke Kinder zu sammeln. Von der kreativen Frau wollte er dann insgesamt 30 von ihr selbst entworfene und selbst gefertigte Kindermützen kaufen – bezahlen würde der Sponsor des Filmprojekts: der Süßwaren-Konzern Haribo. Die Husumerin: „Er war sehr eloquent und um keine Antwort verlegen.“ Zum verabredeten gestrigen Drehtermin, zu dem er betroffene Mädchen und Jungen mitbringen wollte, war er dann doch nicht erschienen.  .  .

Inzwischen hatte Sibylle Hönscheidt-Erichsen aber auch erfahren, dass alles eine Lüge war. Um eine Geldspende hatte sie der angebliche Fernseh-Mann glücklicherweise nicht gebeten – „vielleicht, weil ich nicht allein in der Werkstatt war, sondern die Teilnehmerin eines Nähkurses mithörte“. Diese hatte die Geschichte nicht geglaubt – und auch eine Freundin, der die
49-Jährige am Dienstagnachmittag von der Begegnung erzählte, wurde sofort misstrauisch und startete eine Recherche im weltweiten Netz. Mit den entsprechenden Stichworten stieß sie auf einen Artikel im Bonner Generalanzeiger vom April 2015: Danach hatte sich ein Betrüger bei der Betreiberin eines Cafés ebenfalls als WDR-Mitarbeiter ausgegeben und wollte bei ihr mit „Kinder-Reportern“ drehen. 90 Euro hatte ihm die gutherzige Frau dann noch als Spende für eine angebliche Aktion mit leukämiekranken Kindern in der Bonner Uni-Klinik überreicht. Als er zum verabredeten Dreh nicht kam, schöpfte die Geschäftsfrau aus Bad Godesberg schließlich Verdacht. Sie fragte beim WDR nach, wo keiner von dieser Sache etwas wusste.

Sibylle Hönscheidt-Erichsen meldete sich aufgrund der Parallelen zu ihrem Fall ebenfalls bei dem Sender und erfuhr, dass der in ihrem Laden anvisierte Drehtermin nicht bekannt sei.

Lena Schmitz aus der WDR-Pressestelle erklärte auf Anfrage, dass es diese Betrugsmasche „seit einigen Jahren“ immer wieder geben würde. Sie habe vor Kurzem eine Nachfrage wegen eines ähnlichen Falls aus dem Lübecker Raum erhalten. Die Pressesprecherin rät, im Zweifelsfall den WDR zu kontaktieren – und ansonsten die Polizei einzuschalten.

Wäre der Mann gestern gekommen, hätte sie sich auf keinen Fall etwas anmerken lassen, betonte Sibylle Hönscheidt-Erichsen im Gespräch mit dem sh:z. Mit einem Polizeibeamten hatte sie vereinbart, dass sie anrufen würde, sobald der Unbekannte ihren Laden verlassen hätte.

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erstellt am 07.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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