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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 03:01 Uhr

Die Entschleuniger : Segeln in eine andere Welt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In unserer Serie „Die Entschleuniger“ geht es heute um Skipper John von Eitzen, der seinen Passagieren das Seefahrerleben nahe bringt.

Siee sorgen dafür, dass Urlauber Nordfriesland noch intensiver erleben können: In der Sommerserie „Die Entschleuniger“ stellen wir Menschen aus der Region vor, die Gästen und Einheimischen dabei helfen, mal wirklich runterzukommen.

Wenn Kölner Sportstudenten zu einem Turn an Bord der „Ronja“ kommen, erwarten sie Action. Doch dann sind sie irritiert: Segeln auf einem Fischer-Ewer hat nichts mit Hektik zu tun, sondern ist Ruhe und Entspannung pur. Für die Studenten genauso, wie für viele andere Passagiere des Plattbodenschiffes eine unerwartete Erfahrung. „Sie tauchen in eine andere Welt ein“. Diese Feststellung macht John von Eitzen. Ohne den Skipper der „Ronja“, die von Wyk auf Föhr aus das Ersegeln des nordfriesischen Wattenmeers möglich macht, wäre diese andere Welt aber nicht so leicht zu erspüren. Legt der 59-Jährige, der seit Kindesbeinen der See verfallen ist, doch besonderen Wert darauf, aus eigener Segelkraft das Meer erleben zu können. Der Motor wird nur eingesetzt, wenn es unbedingt nötig ist, also beim Auslaufen aus dem Wyker Hafen, um den Fähren auszuweichen.

 Von Eitzen wuchs an der Ostsee auf und es war für den Jungen von der Küste folgerichtig, dass er einen Beruf erlernen würde, der mit dem Meer zu tun hat. So wurde er zunächst Bootsbauer, sattelte aber nach einiger Zeit um. Als Sozialarbeiter landete der Flensburger an der Westküste, in einem Projekt für straffällig gewordene Jugendliche in Husum. Doch die Leidenschaft für See und Segeln ließ ihn nicht los. Und so erfüllte sich John von Eitzen zusammen mit Gleichgesinnten einen Traum – den möglichst naturgetreuen Nachbau eines Pfahl- oder Fischer-Ewers, eines Bootstyps, der früher als Plattbodenschiff im Wattenmeer unterwegs gewesen war. So entstand die „Ronja“ , die nach fünfjähriger Bauzeit im Sommer 1996 zu Wasser gelassen werden konnte.

 Mit der „Ronja“ boten der gleichnamige Trägerverein und von Eitzen zunächst von Husum aus Segeltouren an. Eher zufällig kam John von Eitzen dabei auch nach Föhr, lernte den Tide unabhängigen Wyker Hafen schätzen und verlegte seinen Einsatzort auf die Insel. Zunächst führte der Skipper ein Parallel-Leben zwischen Sozialarbeit in Husum und der sommerlichen Schifffahrt vor Föhr. Dann bekam er das Angebot, auf Föhr als Segellehrer zu arbeiten und konnte seine Tätigkeit als Sozialarbeiter beenden.

 Von Eitzen geht es bei den Touren mit der „Ronja“ nicht nur um das reine Segelerlebnis, sondern auch darum, dass die Passagiere sich in das Leben an Bord eines Frachtschiffes vor mehr als 100 Jahren einfühlen können – das alles andere als ein Zuckerschlecken war. Das können sie seit einigen Monaten noch viel unmittelbarer auf der „Labor Sanitas“, einer 120 Jahre alten Groninger Tjalk – ein holländischer Schiffstyp – die von Eitzen zusätzlich erwarb.

 „Ich möchte meine Touren so authentisch wie möglich gestalten“, sagt der Skipper, wobei es ihm darum geht, seinen Mitfahrern die Seemannschaft, aber auch die Natur des Wattenmeeres nahe zu bringen. Und sie sollen die besondere Lebensqualität auf einem Schiff erleben können. Dabei stellt John von Eitzen immer wieder fest: Die Menschen haben sich an Bord bereits nach wenigen Minuten von der Hektik und dem Trubel des Alltags freigemacht und fühlen sich, wenn das Boot ohne Motorengeräusch durch die Weiten des Wattenmeeres gleitet losgelöst von Raum und Zeit – Entschleunigung pur.

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