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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 02:55 Uhr

Die Natur darf loslegen : Sechs Hektar werden Urwald

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Naturschutzverein Mittleres Nordfriesland kauft Gelände im FFH-Gebiet Wälder der Ostenfelder Geest, damit sie sich ganz natürlich entwickeln können. Nachfolgende Generationen werden sich darüber freuen.

Groß war die Freude des Vorsitzenden des Naturschutzvereins Mittleres Nordfriesland mit Sitz in Bredstedt, Karl-Peter Tadsen. Gemeinsam mit dem für den Verein aktiven Betreuer des FFH-Gebietes „Wälder der Ostenfelder Geest“, Christoph Rabeler, wurde der Erwerb eines sechs Hektar großen Waldstückes gegenüber dem Ruheforst in Ostenfeld offiziell besiegelt. Es ist nicht irgendeine Waldfläche, sondern damit zudem die erste in Schleswig-Holstein, die einem Naturschutzverein aus Privatbesitz zum Zwecke der Umwandlung in einen Naturwald gewidmet wurde.

Im Rahmen eines Ortstermins bedankten sich Vereins-Chef und Betreuer mit einem Blumenstrauß bei der Verkäuferin Anke Adzersen. „Es war ein mühsamer Behördenweg, aber alle, so auch die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis, haben zugestimmt. Nun sind wir als Eigentümer in der Lage, in diesem Wald der Natur ihre freie Entwicklung zu ermöglichen. Wir werden den endgültigen Stand in etwa 400 Jahren nicht erleben, aber spätere Generationen. Wir legen dazu jetzt den Grundstein“, erklärte der Vorsitzende.

Das Waldstück, so ergänzte der Rabeler, sei eine Bereicherung und passe hervorragend zum aus zwölf Parzellen bestehenden rund 700 Hektar großen FFH-Gebiet. FFH-Gebiete sind europäische Schutzgebiete die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen werden. Sie dienen schlichtweg dem Schutz von Pflanzen, Tieren und Lebensraumtypen. 271 gibt es in Schleswig-Holstein.

„Ich habe verkauft, weil ich nach dem Tod meines Mannes die Bewirtschaftung nicht mehr fortsetzen wollte. Meine Kinder hatten auch kein Interesse. Ich finde, wir brauchen mehr solche Wälder im Land. Beim Verein ist die Fläche in guten Händen“, so die Naturliebhaberin zu ihrer Motivation.

Wie in den angrenzenden Wäldern, informierte Rabeler, werde sich der vorherrschende Buchen-Eichen-Mischwald hervorragend in Ruhe weiter entwickeln können. Eine besondere Qualität habe das Terrain durch den mitten hindurch fließenden Quellbach. Natürlich hätten auch dort viele Wassertiere ihren Lebensraum. Untersuchungen haben ergeben, dass in naturnahen Wäldern rund 30.000 Tier- und Pflanzenarten, in Nutzwäldern nur etwa 2000, lebten. Für Vögel seien solche Wälder paradiesisch, denn niemand nehme ihnen ihre „Wohnungen“ weg. „Jetzt geht das Leben hier richtig los, eine tolle Sache“, so der pensionierte Förster begeistert. Sämtliche Käferarten oder viele seltene Insekten würden zudem ihr Zuhause hier finden. Übrigens, der Borkenkäfer, so beruhigte der Experte, ginge nie gesunde Bäume an. Dafür finde er in einem naturnahen Gebiet genügend Totholz oder abgestorbene Bäume.

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erstellt am 14.Sep.2016 | 17:30 Uhr

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