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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 19:47 Uhr

Einschulung : Schultüten und Hausaufgaben

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für 166 Abc-Schützen beginnt heute in Husum der sprichwörtliche Ernst des Lebens – und auf die Eltern kommen ganz neue Herausforderungen zu.

Vor dem Schulgebäude herrscht Trubel: Aus dem bunten Meer von Schultüten mit Fußbällen, Einhörnern, Raketen und Schmetterlingen stechen die strahlenden Gesichter der Abc-Schützen hervor. Stolze Eltern und Großeltern schießen Fotos vom ersten Schultag ihrer Schützlinge. Heute starten 166 Erstklässler in Husum und Umgebung in ein neues Leben voller Matheformeln, Vokabeln und Geschichtsfakten.

Die Klaus-Groth-Schule begrüßt 50 und deren Außenstelle in Schobüll 16 Schulanfänger. In Rödemis werden 36 Neulinge an der Iven-Agßen-Schule empfangen. Und an der Bürgerschule beginnen 64 Abc-Schützen ihre schulische Laufbahn. Hier werden die Schulanfänger nach einem Gottesdienst in der Marienkirche von den älteren Jahrgängen begrüßt. Die Schüler der höheren Klassen stehen Spalier und bilden zwei Menschenreihen, durch deren Mitte die Neulinge laufen. In der Turnhalle runden der Viertklässler-Chor sowie die Geigengruppe – eine Kooperation mit der Kreismusikschule – die Einschulungsfeier ab. Die zweiten Klassen zeigen eine einstudierte Darbietung, bevor die Abc-Schützen ihre Lesetüten erhalten. Zudem gibt es noch einen Zauberschlüssel – einen Hefezopf –, der als symbolischer Schlüssel für Schule, Bildung und Erfolg stehen soll. Jedes Kind bekommt ein Stückchen davon ab und somit symbolisch den Zugang zum Lesen, Rechnen und Schreiben.

Während die Kleinen sich noch über die Schultüte, Süßigkeiten und den Schulranzen freuen, machen sich die Eltern Gedanken. Vom heutigen Tag an werden die Familien der Schulanfänger vor organisatorische Herausforderungen gestellt. Wie zum Beispiel kommt das Kind in die Schule? Denn der Schulweg ist ein entscheidender Punkt – gerade für Kinder in ländlichen Gegenden.

Das Deutsche Kinderhilfswerk und der ökologische Verkehrsclub VCD ermuntern dazu, zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Denn nur so lasse sich ein souveränes Verhalten im Straßenverkehr trainieren. Eigenständig zur Schule zu gehen trage auch dazu bei, dass die Kinder selbstständig werden. Zudem mobilisiere Bewegung vor dem Schulalltag die mentalen Fähigkeiten. Die Kinder seien im Unterricht aufnahmebereiter und aufmerksamer.

Schulanfänger sind meistens auch Verkehrsanfänger. Der Präsident der Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein, Dietmar Benz, gibt den Eltern Tipps, wie sie den Schulweg mit ihren Schützlingen trainieren können. Dazu gehört unter anderem, die Kinder nicht zu überfordern und in kleinen Schritten zu lernen. Zudem sei der kürzeste Schulweg nicht immer der sicherste. „Achten Sie darauf, dass alle Straßenquerungen durch Ampeln oder zumindest Zebrastreifen gesichert sind. Auf dem Bürgersteig sollte Ihr Kind immer auf der zur Straße abgewandten Seite laufen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

„Ob aus Gewohnheit oder Angst: Es gibt meistens keinen guten Grund dafür, Kinder mit dem Auto zu chauffieren“, betont Claudia Neumann, Spielraumexpertin des Deutschen Kinderhilfswerkes. „Ganz im Gegenteil: Eltern, die ihr Kind bis vor das Schultor fahren, gefährden dabei andere Kinder.“ Hektisch geparkte Autos erzeugten unübersichtliche Situationen – und den Kleinen die auf der Rückbank sitzen, werde das Erfolgserlebnis verwehrt, den Schulweg eigenständig bewältigen zu können. Fahrgemeinschaften dagegen können das Verkehrsaufkommen vor den Schulen erheblich minimieren und so zu mehr Sicherheit beitragen. Es könne auch in einiger Entfernung zur Schule ein gemeinsamer Punkt zum Aussteigen festgelegt werden. So können die Kinder die letzten Meter zu Fuß gehen.

Eltern teilen viele weitere Ängste und Sorgen, wenn ihre Schützlinge in den „Ernst des Lebens“ entlassen werden. Was ist beispielsweise, wenn das Kind keinen Anschluss findet oder lieber Einzelgänger ist? Da bietet sich an, mit Mannschaftssport den Teamgeist zu entfachen oder gemeinsame Spielnachmittage mit anderen Eltern zu organisieren, raten Psychologen.

Für den Nachwuchs ist die Einschulung der erste Schritt in die reale Welt. Der Erstklässler muss lernen, Ordnung zu halten und seine Konzentrationsfähigkeit zu steigern, muss zwischen Schul- und Spielzeit unterscheiden können. Und wenn sich das Kind dabei schwer tut? Alles braucht seine Zeit. Die Experten sagen: Keinen Druck ausüben, sondern Buchstaben und Zahlen in den Alltag einbinden, Treppenstufen zählen oder Buchstaben auf Verkehrsschildern raten. Und vor allen Dingen: Einen Ausgleich zwischen Hausaufgaben und Spielzeit schaffen.

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erstellt am 07.Sep.2016 | 07:00 Uhr

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