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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 00:12 Uhr

Wattenmeer-Forum : Schneller gegen Gänse-Plage vorgehen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Interessenvertreter aus Deutschland, Dänemark und den Niederlanden hielten ihre Jahrestagung in Husum ab. Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen mahnte dabei einmal mehr Ausgleichszahlungen für Fraßschäden an.

Das Problem wächst quasi im Flug: Während sich in den 70er-Jahren noch rund 30.000 Nonnengänse im Wattenmeer tummelten, fallen mittlerweile im Winter und Frühjahr 1,3 Millionen dieser Zugvögel in den Nationalpark ein. Unterwegs fressen sie Landwirten die Felder kahl. „Die Population der Nonnengänse steigt exponentiell an“, sagt Manfred Vollmer – „wenn wir keine Lösung finden, kann es sein, dass es in zehn Jahren doppelt so viele sind!“

Die Chancen, eine solche Lösung zu finden, sind deutlich gestiegen, wie Vollmer in seiner Eigenschaft als Leiter des in Wilhelmshaven sitzenden Wattenmeer-Sekretariats im Husumer Kreishaus deutlich machte. Dort hielt das trinationale Wattenmeer-Forum am Donnerstag und Freitag (13. und 14. Oktober) seine Jahrestagung ab. Und brachte dabei unter anderem eine Resolution auf den Weg, die das konzertierte Vorgehen gegen die Gänse-Plage beschleunigen soll.

Im Wattenmeer-Forum sind die Gebietskörperschaften aus den Anrainer-Staaten vertreten: in Deutschland die Landkreise Nordfriesland, Dithmarschen und Aurich, die dänischen Kommunen Esbjerg, Tondern, Fanø und Varde sowie auf niederländischer Seite die Provinzen Groningen, Friesland und Noord-Holland. Dazu gesellen sich Interessenvertreter aus den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Naturschutz, Fischerei, Industrie und Häfen, Energie sowie Forschung. Gemeinsam will man als Schnittstelle zu einer Nachhaltigkeit in der Wattenmeer-Region beitragen, indem dort eine funktionierende Wirtschaftstätigkeit die soziale Entwicklung, den Erhalt der Ökosysteme und kulturhistorischen Landschaften unterstützt. Als Mittel zum Zweck dienen dabei Maßnahmen und Techniken, die umweltverträglich, ökonomisch realisierbar und in der Gesellschaft akzeptiert sind.

Wie zum Beispiel die Jagd auf Gänse, die Vollmer angesichts der riesigen Schwärme durchaus für angebracht hält. „Die Nonnengans steht auf der Artenschutzliste, aber wenn ihr Bestand nicht gefährdet ist und sie große wirtschaftliche Beeinträchtigungen hervorruft, gibt es Möglichkeiten der Bejagung – und die bedürfen der Abstimmung“, so Vollmer.

Neben der Ausweisung bestimmter Ruhezonen und Regelungen zur Vergrämung gehören zu einem koordinierten Gänse-Management auch angemessene Ausgleichszahlungen. „Wo Landwirten große Fraßschäden entstehen, muss man auch entschädigen“, wird Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen denn auch nicht müde, die schleswig-holsteinische Landesregierung in die Pflicht zu nehmen. „Diese Frage ist heute schon auf Landesebene lösbar – die Europäischen Union lässt das zu!“

Auch auf den Flughäfen Kopenhagen und Amsterdam Schiphol rufen Vollmer zufolge fliegende Gänse ein immer größeres Gefährdungspotenzial hervor. „Früher gab es dort in zehn Jahren eine Konfrontation mit Flugzeugen, heute kommt es bereits zu einem halben Dutzend Kollisionen – pro Jahr“, rechnete der Geschäftsführer des Wadden Sea Forum Secretariats im Beisein von Cees Loggen vor. Der Regionalminister von Noord-Holland war am Donnerstag zum neuen Vorsitzenden des 2002 gegründeten Wattenmeer-Forums gewählt worden.

Am Freitag diskutierten die 32 Teilnehmer (Vollmer: „Eine beachtliche Zahl von Multiplikatoren“) dann unter anderem noch mit dem niederländischen Stromnetz-Betreiber Tennet über dessen Vorhaben, im Jahr 2030 auf der Doggerbank eine künstliche Insel als Drehkreuz für Offshore-Windstrom aufzuschütten. Die 17.600 Quadratkilometer große, stellenweise nur etwa 13 Meter unter dem Meeresspiegel liegende Sandbank in der Nordsee ist eine Art „Drei-Länder-Eck“: Während Deutschland seinen Teil unter Naturschutz gestellt hat, nutzen auch die Briten ihren Part ausgiebig für Windkraft-Projekte.

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erstellt am 15.Okt.2016 | 11:00 Uhr

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