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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 07:53 Uhr

Sorge in Tönning : Schließt Klinik zum Jahresende?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eigentlich sollte das Tönninger Krankenhaus erst zum 30. Juni 2017 geschlossen werden. Doch einige Ärzte-Verträge laufen bereits zum Jahresende aus.

Es sieht düster aus für das Tönninger Krankenhaus und seine Zukunft. Möglicherweise wird die Klinik schon Ende des Jahres geschlossen, wie Bürgermeisterin Dorothe Klömmer aus einem Gespräch mit Landrat Dieter Harrsen berichtete. Eigentlich sollte der stationäre Betrieb erst zum 30. Juni 2017 eingestellt werden. Der Verwaltungschef habe geschildert, dass die Verträge mit einigen Ärzten teilweise Ende 2016 auslaufen werden. Es sei natürlich schwer, sie für eine Vertragsverlängerung bis Ende Juni 2017 noch zu motivieren. Sie dürften sich nach neuen Möglichkeiten umschauen. Diese Info sei völlig neu ins Spiel gebracht worden, erklärte die Bürgermeisterin in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses der Stadt.

Auch das Thema 24-Stunden-Notfall-Versorgung ist noch nicht im Sinne der Stadt geklärt. Dazu habe der Landrat noch einmal bekräftigt, dass die Institutsambulanz entfallen werde. Der ärztliche Dienst stehe nur zu den Öffnungszeiten der Praxen des geplanten Medizinischen Versorgungszentrums parat. Zu anderen Tages- und Nachtzeiten sei der Rettungsdienst gefragt. Dessen Standort stehe allerdings auch noch auf dem Prüfstand. Die Physiotherapeutische Praxis soll nach Möglichkeit erhalten bleiben. Auch hier laufen Gespräche. Das nächste Gespräch mit dem Landrat werde Mitte Dezember geführt, so die Bürgermeisterin. Jede weitere Unterschrift von Bürgern im Rahmen der Kampagne „Rettet die 24-Stunden-Notfallversorgung“ könne nur hilfreich sein. Eigentlich hatte der Landrat an der Sitzung des Hauptausschusses teilnehmen sollen, hatte sich aber nach Absprache mit der Verwaltung wegen eines prall gefüllten Terminkalenders entschuldigen lassen. Für akute Fragen stehe Harrsen aber, so Dorothe Klömmer, bereit.

Zum Medzinischen Versorgungszentrum (MVZ) erklärte sie: „Es ist inzwischen ein Antrag auf Zulassung eines internistischen Arztes gestellt worden. Der zuständige Zulassungausschuss wird darüber im Dezember entscheiden.“ Für einen positiven Beschluss werde ein zusätzlicher chirurgischer Amtssitz in Tönning erforderlich sein. Den diesbezüglichen weiteren Antrag habe der neue Verwaltungschef des Klinikums NF, Christian von der Becke, gestellt. Ein chirurgischer Arzt sei außerdem nötig für den Erhalt des Sitzes des berufsgenossenschaftlichen Arztes für Betriebs- und Schulunfälle. Auch dessen Verbleib in Tönning war in der Diskussion um die Schließung des Krankenhauses immer wieder gefordert worden. Im Übrigen gebe es Interessenten für eine weitere Nutzung des Gebäudes. Diesbezüglich laufen Gespräche zwischen ihnen und dem Verwaltungschef.

„Das ist frustierend. Wir können nur hoffen, dass wir irgendwie die 24-Stunden-Notfallversorgung hinkriegen. Das auf Kreisebene gestartete weitere Bürgerbegehren steht ja noch im Raum. Irgendwie sind ja alle Krankenhäuser betroffen“, erklärte Hans-Joachim Teegen (CDU). „Es ist wichtig, dass wir das Bürgerbegehren der Insulaner, wie in den Husumer Nachrichten berichtet, unterstützen. Ich habe mich schon mit den Initiatoren in Verbindung gesetzt und einen Offenen Brief an den Landrat geschrieben“, so Hauke Schmidt (AWT). „Ich finde es unmöglich, dass die Zeitverträge auslaufen. Ich frage mich, hat man das nicht gewusst, als der Kreistagsbeschluss wegen der Schließung gefasst wurde? Das trägt nicht zur Glaubwürdigkeit des Informationsflusses bei. Der Umgang mit uns und dem Thema ist nicht in Ordnung“, meinte Jan Diekmann (SPD). „Wir müssen auch noch mal auf die Kreistagsabgeordneten einwirken“, riet Stefan Runge (SPD). „Es fließen überall Gelder, um ländliche Räume zu erhalten. Wir sind ländlicher Raum. Warum will man die Gesundheitsstruktur für Tönning und Eiderstedt zerschlagen? Selbst für das Medizinische Versorgungszentrum muss man viel Geld in die Hand nehmen. Das sollte man doch lieber in den Erhalt der Klinik stecken“, so Mery Ebsen (AWT). Helge Harder (SSW) zeigte sich enttäuscht. Der Landrat nenne immer noch verschiedene und immer höher werdende Defizite. Sogar das Wort vom Gebäudeabriss habe er schon in den Raum gestellt. „Ich bin zutiefst erschüttert. Es werden Keile zwischen uns getrieben“, so seine Meinung. „Wir müssen weiter kämpfen. Ich möchte die Verwaltung auch um eine juristische Prüfung bitten. Das ganze Prozedere war doch undemokratisch“, so Hauke Schmidt (AWT).














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