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Apotheke mit Geschichte : Schätze aus dem Boden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Unter der Husumer Schwan-Apotheke fanden sich bei Bauarbeiten zahlreiche Gefäße aus früheren Zeiten. Rüdiger Articus, der Bruder des Apothekers Volker Articus, forschte nach.

Wer die Schwan-Apotheke in der Großstraße betritt, dem fallen sie auf den ersten Blick wahrscheinlich gar nicht auf: Hoch oben auf den Apothekerschränken stehen alte Medikamentengefäße, die einst unter der Apotheke gefunden worden sind.

Angefangen hatte die schier unglaubliche Geschichte im Schneewinter 1978/79. Die Apotheke konnte nicht mehr beheizt werden, da kein Öl mehr da und eine Nachlieferung bei den chaotischen Zuständen nicht möglich war, erinnert sich Volker Articus, der die Apotheke vor 39 Jahren übernommen hat. Einen Schornstein für Holzöfen hatte das Gebäude auch nicht. „Wir entschlossen uns daher, ein Kaminzimmer mit Schornstein anzubauen“, so der Apotheker weiter.

Dabei erinnerte er sich an seinen Bruder Rüdiger, der schon Jahre zuvor rein zufällig ein altes Gefäß auf dem Grundstück des beabsichtigten Anbaus ausgebuddelt hatte. „Wir haben die Bauarbeiter vorgewarnt und darauf hingewiesen, dass sie eventuell auf Tonscherben stoßen könnten.“ Und tatsächlich wurden die Bauarbeiter fündig: Zuerst stießen sie auf die angekündigte Schicht von Scherben. Und unter ihnen lagen dann mehrere Gefäße. „Manche waren sehr gut erhalten, andere konnte ich zusammen mit meinem Bruder im Nachhinein zusammen kleben“, erinnert sich Articus. Die Form der Tongefäße deutete auf das 19. Jahrhundert hin. „Wir haben uns natürlich die Frage gestellt, wie es kommt, dass eine so große Zahl an Glasflaschen, Heilwasserbehältern und Salbenkruken verbuddelt beziehungsweise zerstört worden sind.“

Zu diesem Zeitpunkt bestand die Apotheke bereits mehr als 150 Jahre. Bei seinen Recherchen stieß der Historiker Rüdiger Articus dann auf den deutsch-dänischen Krieg vom 1. Februar bis 30. Oktober 1864. Mit dem Ende dieser kriegerischen Auseinandersetzung trat anstelle der dänischen die preußische Medizinalordnung in Kraft. „Wir vermuten, dass damit die alten Gefäße nicht mehr genutzt werden durften und somit vernichtet und entsorgt werden sollten.“

Mehr als 60 beeindruckende Gefäße schmücken nun das Innere der Schwan-Apotheke. Unter den gefundenen Exemplaren befinden sich unter anderem auch Delfter Apothekergefäße sowie eine Röhrenkanne mit der Jahreszahl 1817. Weitere Nachforschungen brachten Rüdiger Articus dazu, dass er sich mit den verschiedenen Handelswegen von und nach Husum beschäftigte. Demnach stammten beispielsweise die Röhrenkannen aus Duingen an der Weser. Aber auch aus Thüringen fanden Gefäße den Weg nach Husum, wie die Muster am Hals der Krüge erkennen lassen. Somit verbirgt sich hinter Husums zweitältester Apotheke auch ein kleines stadtgeschichtliches Museum.

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