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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 00:13 Uhr

Pfusch beim Straßenbau : Sanierte B 200 ist eine Buckelpiste

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Alle 80 Zentimeter gibt es zwischen Viöl und Husum auf der frisch sanierten B 200 leichte Bodenwellen. Da sie regelmäßig auftreten, werden sie von den Verkehrsteilnehmern sehr deutlich registriert.

Hat das Fahrwerk meines Autos einen Defekt? Sind die Reifen nicht richtig ausgewuchtet? Solche und ähnliche Fragen stellen sich viele Verkehrsteilnehmer, die auf dem frisch sanierten Abschnitt der B 200 zwischen Viöl und Husum unterwegs sind. Denn wie auf einem Waschbrett vibrieren viele Autos. Doch keine Sorge – nicht die Fahrzeuge haben einen Defekt, die neue Fahrbahn hat ihn. Allerdings nach Auskunft von Karl-Heinz Roos, Leiter der Flensburger Niederlassung des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr, in einem so geringen Umfang, dass eine Reparatur oder Nachbesserung nicht nötig ist.

Die Unebenheiten seien, so erläutert Roos, nur bei einigen Fahrzeugen zu spüren, dies hänge vom Radstand ab. Zudem merke man sie auch nur, weil sie in schöner Regelmäßigkeit auftreten. Genau im Abstand von 80 Zentimetern. Sogar optisch sind sie wahrzunehmen, besonders bei feuchtem Wetter. Dann wirken die Vertiefungen auf der neuen Fahrbahn wie kleine feuchte Kuhlen. „Wir sind damit nicht ganz zufrieden“, sagt Roos, jedoch weiche der Belag nur so minimal ab, dass eine Nachbearbeitung nur mit einem unverhältnismäßig großem Aufwand möglich wäre.

Aufgefallen sind die Bodenwellen, beziehungsweise Löcher auf der Straße nicht nur den täglichen Nutzern, auch der Landesbetrieb hat sie bemerkt. Denn nach jeder Fahrbahnerneuerung wird mit dem so genannten Tausendfüßler, einem vier Meter langen Spezialgerät mit Messeinrichtungen, über die Straßen gefahren. Und der Tausendfüßler registrierte imit schöner Regelmäßigkeit deutliche Eindellungen von ein bis zwei Millimeter. Eigentlich kaum spürbar, so Roos, doch die Regelmäßigkeit verursache den Eindruck des Waschbretts.

Toleranzen von bis zu vier Millimeter auf einer Strecke von vier Metern seien erlaubt, darüber müsse nachgearbeitet werden. Da auf der Strecke zwischen Viöl und Husum aber nur ein bis zwei Millimeter gemessen worden seien, „sind wir zwar nicht zufrieden, aber wir können auch keine Nachbesserung fordern. Das geben die Standardverträge nicht her.“ Die Haltbarkeit der für rund 5,6 Millionen Euro sanierten Fahrbahn dürfte durch das Lochmuster aber nicht verringert werden, ist sich der Leiter der Niederlassung sicher.

Auch bei Frost im bevorstehenden Winter bräuchten sich die Verkehrsteilnehmer keine Sorgen zu machen. Die Bodenwellen seien zu flach, Wasser bleibe in ihnen nicht stehen und könne so auch nicht zu Glatteis führen. „ Zudem funktioniert auch in diesen Bereichen der seitliche Abfluss des Wassers von der Fahrbahn hervorragend“, sagt Roos.

„Damit werden wir wohl leben müssen“, sagt der Niederlassungsleiter. Natürlich könnte die Fahrbahn erneut abgefräst werden, doch dies sei ein gewaltiger Aufwand. Über die Ursache kann der Ingenieur nur spekulieren. Vermutlich sei die Maschine, die die Asphaltschicht aufbringe, zu schnell gefahren. Denn um eine Naht zwischen den Fahrspuren zu vermeiden, sei ein extra breites Gerät eingesetzt worden. Und dort werde der Belag hineingeschüttet und durch ein Kopfbrett verteilt und gleichzeitig auch verdichtet, ehe die Walzen ihre Arbeit danach aufnehmen. Wenn die Maschine zu schnell unterwegs sei, dann schwimme dieses Brett quasi auf, sacke wieder auf normales Niveau herab und schwimme wieder auf. Dies, so erläutert Roos, könne die Regelmäßigkeit erklären.

Außer den Wellen sei die neue Fahrbahn aber in Ordnung. Dies hätten die Untersuchungen verschiedener Proben im Labor ergeben. Dazu wurden an mehreren Stellen vier Löcher gebohrt, um die Materialien aus dem Untergrund herauszuholen. Unter anderem werde in den Laboren auf die richtige Mischung, die Körnung, die verwendeten Materialen und auf die Bitumenmischung kontrolliert. Anschließend werden die Löcher wieder verschlossen. Von diesen „Mini-Baustellen“ ist nichts zu spüren.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 13:00 Uhr

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